Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

FDP-Äußerungen zu Griechenland-Krise sorgen weiter für politischen Streit

Machtwort der Kanzlerin zeigt wenig Wirkung

Fällt Griechenland aus der Euro-Zone? (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
Fällt Griechenland aus der Euro-Zone? (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)

Auch nach Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel wollen sich die Liberalen in der Griechenland-Debatte nicht den Mund verbieten lassen. Es dürfe in der Koalition "kein Schweigegelübde" geben, forderte Generalsekretär Christian Lindner.

Die Menschen in Deutschland, die Finanzmärkte und die Griechen bräuchten langfristig Klarheit, sagte Lindner der "Financial Times Deutschland". Die FDP wolle nicht die Insolvenz Griechenlands herbeireden. Aber: "Ein Kurieren an den Symptomen bringt keine Ruhe in die Märkte." Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler habe nur Selbstverständlichkeiten ausgesprochen.

Ende des Monats wollen Europäische Union, Internationaler Währungsfonds und Europäische Zentralbank entscheiden, ob Griechenland weitere Finanzhilfen verdient oder nicht. "Aber wenn Griechenland die Bedingungen nicht erfüllt, muss das Konsequenzen haben." Kanzlerin Merkel hatte den kleinen Koalitionspartner aufgefordert, nicht mehr öffentlich an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands zu zweifeln.

Leutheusser-Schnarrenberger: Debatte, "die in die Zukunft blickt"

Neben Generalsekretär Lindner steht auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hinter ihrem Vorsitzenden. Rösler habe "eine Debatte aufgenommen, die in die Zukunft blickt", sagte die Liberale den "Ruhr Nachrichten". "Wir brauchen künftig ein Instrumentarium, wenn Euro-Länder in eine dramatische Schulden- und Finanzkrise geraten." Im Moment besitze die EU keine Regeln für solche Fälle.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin forderte unterdessen die Entlassung des Vize-Regierungschefs. "Die Kanzlerin hat die Richtlinienkompetenz. Sie muss Herrn Rösler entlassen", sagte Trittin der "Passauer Neuen Presse". Rösler treibe die Kosten der Euro-Rettung nach oben.

SPD-Finanzexperte: Rösler ist "ein Blinder"

Kritik kam auch aus der SPD: Rösler "trägt zwar den Titel des Wirtschaftsministers. Allerdings ist das, was er sagt, eher, dass man das Gefühl haben muss, hier spricht ein Blinder von der Farbe", meint SPD-Finanzexperte Carsten Schneider.

Und auch beim größeren Koalitionspartner der Liberalen gab es kritische Stimmen. Peter Altmaier (CDU), parlamentarischer Geschäftsführer, lehnt es ab, dass über eine Insolvenz öffentlich diskutiert wird. Griechenland solle in der Eurozone bleiben.

Dagegen sagte sein Parteikollege Wolfgang Bosbach im ZDF: "Es ging um die Einführung einer Währungsunion und nicht um eine Transferunion und schon mal gar nicht um eine Schuldenunion."

US-Botschafter Philip Murphy forderte die Deutschen auf, für die Rettung der Eurozone einzutreten: "Der Euro ist eine wunderbare Sache – und gerade Deutschland hat davon sehr profitiert", sagte Murphy dem "Münchner Merkur".

Norbert Walter, Chefvolkswirt der deutschen Bank (Deutsche Bank)Norbert Walter: Nicht an Griechenlands Reformfähigkeit zweifeln (Deutsche Bank)Der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, hält indes den Zweifel an Griechenlands Reformfähigkeit für gefährlich, weil er das Vertrauen der Märkte weiter untergrabe. Gerade jetzt komme es darauf an, dass Europa Athen nicht im Stich lasse, sagte Walter im Deutschlandfunk. Es sei fatal für die europäische Integration, "wenn man jemanden, der im Berg ausgerutscht ist und am Seil hängt, das Seil abschneidet".

Ökonom: Griechenland braucht Hilfe beim Aufbau

Dagegen sagte der Abgeordente der Oppositionspartei "Neo Dimokratia", Evangelos Antonaros, die griechische Regierung bekämpfe das Staatsdefizit nicht wirksam genug. Viele Gesetze würde nicht umgesetzt, etwa die geplanten Privatisierungen, erklärte Antonaros im Deutschlandfunk. Immer höhere Steuern könnten die Griechen einfach nicht bezahlen.

Der Ökonom Jens Bastian, tätig bei ELLIAMEP, eine griechische Stiftung für europäische und auswärtige Politk, hält Griechenlands Schuldenberg für zu hoch, als dass er allein durch Sparen reduziert werden könne. Das Land brauche Investitionen, Hilfe beim Aufbau von Steuerverwaltungsstrukturen und einen teilweisen Erlass der Schulden des Landes, sagte Bastian im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Atelier neuer Musik

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 21:30 Uhr Die besondere Aufnahme

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

Kriegsreporter Kurt Pelda"Ein Tag in Syrien kostet mich fast 1.000 Euro"

Zerstörte Straße im Norden von Aleppo. (pa/dpa/Alaeddin)

Der Schweizer Kriegsreporter Kurt Pelda hat die Medien zu einer besseren Berichterstattung über den Krieg in Syrien aufgerufen. Die Medien hätten die Pflicht, über die größte humanitäre Katastrophe der letzten Jahrzehnte zu berichten, sagte er im DLF. Freie Journalisten könnten sich den Aufenthalt in Syrien angesichts der Kosten kaum noch leisten.

Daniel Fuhrhop: "Willkommensstadt"Flüchtlinge in unsere Häuser

Zimmer für Flüchtlinge in Hamburg-Harvestehude (Foto: Axel Schröder)

Für Flüchtlinge müssen keine neuen Wohnungen gebaut werden, schreibt der Architektur-Verleger und Blogger Daniel Fuhrhop. Neubauten würden die Integration sogar erschweren. In "Willkommensstadt" beschreibt er, wie es besser geht.

Psychologie & ErnährungDie Chemie des Glücks

Schokolade soll uns glücklich machen. Stimmt das tatsächlich? Und wenn ja: Warum? Ein Teil der Moleküle, die dafür verantwortlich sind, dass wir Glück empfinden und dass Nahrungsmittel unsere Stimmung beeinflussen, gibt es schon seit Milliarden Jahren.

1 Jahr "Wir schaffen das"Die Jahrhundertaufgabe Integration

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich bei einer Pressekonferenz in Berlin zum Putschversuch in der Türkei. (AFP / John Macdougall)

Vor einem Jahr sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre berühmt gewordenen Worte "Wir schaffen das". Angesichts der Lage der Flüchtlinge sei die Grenzöffnung gerade noch rechtzeitig gekommen, meint DLF-Chefredakteurin Birgit Wentzien.

Burkini-VerbotEs ist nur ein Stück Stoff

Eine Frau schwimmt im Burkini in einem Schwimmbecken. (dpa/ picture-alliance/ Subel Bhandari)

Kleidungsstücke wie Kopftuch, Burka oder Burkini geben Frauen die Möglichkeit, sich in einer für sie fremden Gesellschaft frei zu bewegen und sich zu entwickeln, meint Deutschlandradio Kultur-Wortchefin Marie Sagenschneider. Deshalb sollten wir sie dulden.

Jugoslawien-TribunalDer Schmerz bleibt trotzdem

Als Richter am internationalen Strafgerichtshof sollte Albin Eser für Gerechtigkeit sorgen. Seine Aufgabe: Die Kriegsverbrechen aus den Bosnienkriegen ahnden. Um Frieden und Versöhnung zu schaffen,braucht es aber mehr. Eine Geschichte über das Jugoslawien-Tribunal in Den Haag.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien  Türkischer Soldat getötet | mehr

Kulturnachrichten

Großbrand zerstört Kulissen der Prager Filmstudios  | mehr

Wissensnachrichten

Urheberrecht  Streit um Affen-Selfie geht in zweite Runde | mehr