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Festnahme beim Bombenbau

Polizei durchkreuzt Anschlagspläne der Islamischen Dschihad-Union

Ein Terrorverdächtiger wird  nach einer Befragung beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe abgeführt. (AP)
Ein Terrorverdächtiger wird nach einer Befragung beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe abgeführt. (AP)

Nach monatelanger Observierung durch die Sicherheitsbehörden sind im Sauerland drei Terrorverdächtige festgenommen worden. Dadurch seien massive Bombenanschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland vereitelt worden, sagte Generalbundesanwältin Monika Harms in Karlsruhe. Neben den drei Festgenommenen stehen sieben weitere Verdächtige im Fokus der Ermittler. Davon sind fünf namentlich bekannt, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte.

Die drei am Dienstag festgenommenen Männer sind zwischen 22 und 29 Jahre alt. Es handele sich um zwei zum Islam konvertierte Deutsche und einen Türken. Sie seien Mitglieder der deutschen Zelle der Islamischen Dschihad-Union, die Nähe zu El Kaida habe. Wie aus dem US-Außenministerium verlautete, waren die Hauptanschlagsziele der Frankfurter Flughafen und die amerikanische Luftwaffenbasis Ramstein bei Kaiserslautern. Eine Bestätigung von deutscher Seite gab es dazu nicht.

Nach Angaben von BKA-Chef Jörg Ziercke spionierten die Verdächtigen, gegen die Haftbefehle erlassen wurden, im Dezember 2006 US-Kasernen in Hanau als potenzielles Anschlagsziel aus. Einer der Festgenommenen habe Chemikalien beschafft, mit denen Sprengstoff hergestellt werden sollte. Dessen Wirkung hätte 550 Kilogramm TNT entsprochen.

Ausbildung in pakistanischen Terrorlagern

Ein Fotograf macht auf einer Pressekonferenz in Karlsruhe Aufnahmen der konfiszierten Kanister mit Wasserstoffperoxidlösung. (AP)Ein Fotograf macht Aufnahmen der konfiszierten Kanister (AP)Koordinator und Logistiker der Gruppe soll nach Angaben des saarländischen Innenministeriums ein 28 Jahre alter deutscher Konvertit aus Ulm gewesen sein. Er habe nach und nach die wesentlichen Komponenten zur Herstellung des Sprengstoffes aus Wasserstoffperoxid besorgt, hieß es in Saarbrücken. Auch ein 29 Jahre alter Türke aus Hessen sei in die Beschaffung der Komponenten eingebunden gewesen. Ein 22 Jahre alter Konvertit aus dem Saarland sei zum Zeitpunkt der Festnahme zusammen mit den anderen beiden dabei gewesen, im sauerländischen Medebach-Oberschledorn einen Teil des Sprengstoffes herzustellen.

Alle drei Terrorverdächtigen hätten ähnliche Biografien, die von radikalem Gedankengut geprägt seien, teilte das Innenministerium mit. Diese radikal-fundamentalistische Grundeinstellung habe sich durch Aufenthalte in Ausbildungslagern terroristischer Organisationen in Pakistan verfestigt. Dort seien sie auch im Umgang mit Sprengstoff und Waffen geschult worden.

Debatte um Online-Durchsuchung

Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte den Sicherheitsbehörden Dank und Anerkennung aus. Regierungssprecher Thomas Steg teilte mit, die Bundeskanzlerin sei erleichtert, dass die Ermittlungen über viele Monate ohne Indiskretion geführt werden konnten, die die Verdächtigen womöglich hätte warnen können.

Vor dem Hintergrund der Verhaftung der drei mutmaßlichen Terroristen bekräftigte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble seine Forderung nach der Online-Durchsuchung von Computern. Der CDU-Politiker betonte, die Sicherheitsbehörden befänden sich in einem permanenten Wettlauf gegen mutmaßliche Terroristen, die "ganz stark über Internet-Technologie" kommunizierten und alle technischen Möglichkeiten ausnutzten. Als Reaktion auf die vereitelten Anschläge treffen sich die Innenminister von Bund und Ländern am Freitag zu einer Sondersitzung, um über die Sicherheitslage in Deutschland zu beraten.

Auch der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, forderte, die Online-Durchsuchung zu ermöglichen. Falls die SPD ihre Verweigerungshaltung weiterhin aufrechterhalte, könnte es sein, dass sie Schuld auf sich lade, sagte der CSU-Politiker. (Text/ MP3-Audio)

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy wies die Forderung der Unionspolitiker empört zurück. Sie sei "der schäbige Versuch, einen Erfolg der Sicherheitsbehörden parteipolitisch zu instrumentalisieren", sagte Edathy, Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag. (Text/ MP3-Audio)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:24 Uhr

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