Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Feuer über Aleppo

UN beobachtet Kampfflugzeuge über syrischer Wirtschaftsmetropole

Ein syrischer Rebell in Aleppo während des Gebets (picture alliance / dpa / STR TURKEY)
Ein syrischer Rebell in Aleppo während des Gebets (picture alliance / dpa / STR TURKEY)

Im Kampf um die Millionenmetropole Aleppo setze die syrische Armee zunehmend Kampfflugzeuge gegen die Rebellen ein, berichtet eine Sprecherin der UN-Mission in Syrien. Präsident Baschar Assad rief derweil das Militär auf, die Kampfkraft gegen die Rebellen zu verdoppeln.

"Gestern haben unsere Beobachter zum ersten Mal Schüsse aus einem Kampfflugzeug beobachtet", sagte die Sprecherin der UN-Mission in Syrien, Sausan Ghosheh. Augenzeugen in Aleppo hatten in den vergangenen Tagen mehrfach von Beschuss aus Militärflugzeugen berichtet. Ghosheh beschrieb den "massiven Einsatz von schweren Waffen, darunter Panzer, Hubschrauber, Maschinengewehren, ebenso wie Artillerie" und machte ihre Besorgnis über die Lage in der nordsyrischen Stadt deutlich. Auch die Opposition verfüge über schwere Waffen, darunter Panzer, berichtete sie.

Welternährungsprogramm kündigt Hilfslieferungen an

Rauchwolken über der syrischen Hauptstadt Damaskus (picture alliance / dpa)In den vergangenen Tagen sollen mehr als 200.000 Menschen aus Aleppo geflohen sein (picture alliance / dpa)Die Lage in der Stadt wird für die verbliebenen Menschen immer schwieriger. Aktivisten berichten von schwindenden Lebensmittelvorräten und einer nur noch sporadisch vorhandenen Energieversorgung. Viele Menschen flüchten ins Ausland, vor allem ins benachbarte Jordanien. Zugleich warnte die UN-Sprecherin der Beobachtermission vor einem Mangel an Nahrungsmitteln, Treibstoff, Wasser und Gas in der Stadt. Das Welternährungsprogramm der UN reagierte und kündigte eine Hilfslieferungen für 28.000 Menschen nach Aleppo an.

Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International von Erschießungen junger Männer, Kinder und älterer Menschen berichtet. Regierungstruppen und verbündeten Milizen gingen offenbar auch gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vor. Die Familien der Toten seien genötigt worden, in Stellungnahmen zu versichern, dass ihre Angehörigen von Terroristen getötet worden seien, berichtet die Menschenrechtsorganisation.

Die Lage in Aleppo sei völlig unübersichtlich, berichtet ARD-Korrespondent Jörg Armbruster im Deutschlandfunk. Die Rebellen behaupteten, sie hätten eine wichtige Polizeistation eingenommen - die Assad-Regierung streite dies jedoch vehement ab. Er habe jedoch den Eindruck, die Rebellen seien aber dadurch erfolgreich, dass sie ihre Positionen in der Stadt verteidigen, sagt Armbruster.

In Aleppo wird seit mehreren Tagen heftig gekämpft. Die Stadt ist von strategischer Bedeutung: Sollten die Rebellen sie komplett unter ihre Kontrolle bringen, hätten sie im Nordwesten des Landes eine sichere Basis mit Verbindung zur Türkei.

Wie das UN-Flüchtlingswerk UNHCR meldet, sind seit März 2011 mehr als 276.000 Menschen ins Ausland geflüchtet. Die meisten von ihnen hätten im benachbarten Jordanien Zuflucht gefunden. Aber auch in der Türkei, im Libanon und in anderen Staaten der Region seien viele Menschen angekommen.

Präsident Baschar al-Assad versucht seit etwa 16 Monaten einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. Nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen sind bereits zwischen 14.000 und 18.000 Menschen ums Leben gekommen.


Mehr zum Thema auf dradio.de:

Syrien droht zu einem zweiten Irak zu werden - Politologe Markus Kaim zur Entwicklung des Bürgerkriegs
"Ein Putsch innerhalb des Machtapparates ist nicht unwahrscheinlich" - Syrien-Kennerin Kristin Helberg über den Verlauf des Bürgerkrieges
Syrien braucht "Solidarität mit diesem geknechteten Volk" - Präsident des Deutschen Roten Kreuzes zur humanitären Lage



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Länderzeit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Nach Ranges EntlassungEx-Justizminister nennt Maas' Handeln "fahrlässig"

Edzard Schmidt-Jortzig bei einer Pressekonferenz des Deutschen Ethikrats (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) habe in der Affäre um die Ermittlungen gegen Netzpolitik.org die Dinge auf Sparflamme halten wollen, "um nicht selbst in die Bredouille zu geraten", kritisierte Edzard Schmidt-Jortzig im DLF. Der FDP-Politiker hatte das Amt von 1996 bis 1998 selbst inne.

Landesverrat-Affäre"Es trifft mit Harald Range einen der Richtigen"

Die Journalisten Markus Beckedahl (links) und André Meister stehen in der Redaktion des Blogs "netzpolitik.org" in Berlin. (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)

Markus Beckedahl, Gründer und Chefredakteur von "netzpolitik.org", begrüßt den Rauswurf von Generalbundesanwalt Harald Range. Seiner Ansicht ist Range allerdings nicht der einzige Verantwortliche für die Affäre.

Ermittlungen gegen netzpolitik.orgLinke fordern Rauswurf von Maaßen

Hans-Georg Maaßen (picture alliance/dpa/Daniel Naupold)

Für Harald Petzold von der Linksfraktion im Bundestag ist mit der Entlassung von Generalbundesanwalt Harald Range die Affäre nicht beendet. Petzold sagte im Deutschlandfunk, der eigentliche Urheber der Anzeige gegen netzpolitik.org sei aus dem Fokus geraten. Die Linkspartei fordere, dass auch Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen gehen müsse.

Flüchtlinge in BremenEin neues fremdes Leben

Seydina Keita in seinem Ausbildungsbetrieb "Werkstatt Bremen", zusammen mit Annette Bullig. (Deutschlandradio, Franziska Rattei)

In Bremen etwa leben rund 800 Jugendliche, die ohne ihre Eltern nach Deutschland geflohen sind. Sie werden besonders intensiv betreut. Nur einige von ihnen fallen durch Kriminalität oder Verweigerung auf. Für sie soll dort nun eine geschlossene Unterbringung eröffnet werden - Kritiker halten das für wenig zielgerichtet.

Babyboomer als KonsumentenNennt uns bloß nicht Senioren!

Eine Gruppe von Touristen bei einer Bootstour in Leipzig (dpa / picture alliance / Jan Woitas)

34 Millionen Konsumenten in Deutschland sind über 50, Tendenz steigend. Es sind geburtenstarke Jahrgänge, die da alt werden – eine ziemlich solvente, zuverlässig zahlende, aber keinesfalls homogene Käufergruppe. Werbeagenturen haben das erkannt.

Papst und Dalai LamaGottes Global Player driften auseinander

Eine Collage mit Papst Franziskus und der Dalai Lama - beide lachend (picture alliance / dpa / Ole Spata)

Der Papst und der Dalai Lama - beide religiösen Oberhäupter kennen nicht nur die Sonnenseiten des Lebens und beide wissen um ihre Macht. Der eine jedoch wird immer politischer, während sich der andere zum altersweisen Guru entwickelt, meint der Autor und Filmemacher Uwe Bork.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

netzpolitik.org  Chefredakteur Beckedahl begrüßt Entlassung Ranges | mehr

Kulturnachrichten

Filmfestival Locarno startet  | mehr

Wissensnachrichten

Krieg  Ostukrainische Physiker brauchen neue Labore | mehr