Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Film "Das weiße Band" erhält Goldene Palme in Cannes

Michael Haneke beschreibt darin Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg

Im Kreise von Jury-Mitgliedern präsentiert Michael Haneke die Goldene Palme. Links von ihm die Jury-Vorsitzende Isabelle Huppert. (AP)
Im Kreise von Jury-Mitgliedern präsentiert Michael Haneke die Goldene Palme. Links von ihm die Jury-Vorsitzende Isabelle Huppert. (AP)

Der Schwarz-Weiß-Film "Das weiße Band" des Österreichers Michael Haneke spielt im Jahr 1914: Er entwirft das Panorama eines Deutschlands, dessen Jugend schon auf den Nationalsozialismus zusteuert. Als beste Darsteller wurden Charlotte Gainsburg und Christoph Waltz geehrt.

Michael Haneke hat mit Filmen wie "Die Klavierspielerin" mit Isabelle Huppert, die in diesem Jahr den Vorsitz der Jury in Cannes innehatte, längst Filmgeschichte geschrieben. Die Goldene Palme, die ihm zum ersten Mal verliehen wurde, erhält er für ein Werk, das er in einem protestantischen norddeutschen Dorf in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ansiedelt. Rigide Moralvorstellungen und eine repressive Erziehung der Kinder bestimmen die Atmosphäre.

"Es ging mir darum, eine Geschichte zu erzählen, wo junge Menschen, also eine Gruppe von Kindern, die Ideale, die ihnen von ihrer Elterngeneration gepredigt werden, verabsolutieren. Und immer dann, wenn man ein Ideal verabsolutiert, macht man es unmenschlich", sagte Haneke in Cannes über "Das weiße Band".

Mit Kinogeschichte die Weltgeschichte umschreiben

Als bester Hauptdarsteller wurde der Österreicher Christoph Waltz für seine Rolle in "Inglourious Basterds" geehrt. In dem Film, der mit Mitteln des Deutschen Filmförderfonds gedreht wurde, hat der US-amerikanische Regisseur Quentin Tarantino versucht, die Weltgeschichte mit Hilfe einer Kinogeschichte umzuschreiben. Das Werk ist eine Produktion der Berliner Firma X-Filme.

Als Joseph Goebbels während des Zweiten Weltkriegs in einem Pariser Kino einen neuen Heldenfilm präsentieren will, will die junge jüdische Kinobesitzerin das Kino in die Luft gehen lassen. Sie wird unterstützt von einer Nazis jagenden Gang. Christoph Waltz, einer der Mitglieder, spielte Anführer Brad Pitt glatt an die Wand.

Die "Jüdische Rachefantasie mit komischen Elementen", wie Tarantino selbst seinen Film beschrieben hatte, blieb hinter den Erwartungen zurück, berichtete Anke Leweke aus Cannes in der Sendung "Fazit" von Deutschlandradio Kultur.

Zur besten Darstellerin wurde die Französin Charlotte Gainsbourg gekürt. Sie spielt die weibliche Hauptrolle in Lars von Triers umstrittenen Werk "Anti-Christ". Den Preis für die beste Regie erhielt Brillante Mendoza aus den Philippinen mit seinem Film "Kinatay".

Filmkritikerin: "Zwölftägige Zumutung im besten Sinne"

Offene und latente Gewalt prägte die Filme des diesjährigen Wettbewerbs der 62. Filmfestspiele von Cannes. Filmkritikerin Anke Leweke zog in der "Ortszeit" von Deutschlandradio Kultur Resümee:

"Was bleibt von zwölf Tagen extrem gewalttätigen, herausragenden Filmen: Die Erkenntnis, dass das Kino auf furiose Weise in der Lage ist, die Spannungen und Verwerfungen, die Verrohung und Brutalität nicht nur unserer Zeit abzubilden. Und dass Cannes in der Lage ist, die besten dieser Filme zu versammeln. Als zwölftägige Zumutung im besten Sinne." (MP3-Audio)

Programmhinweis: Im Deutschlandfunk hören Sie in "Kultur heute" (17.35 Uhr) den Beitrag "Die Palmen der Sieger - Zu den Preisträgern der Filmfestspiele von Cannes" von Josef Schnelle.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:33 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:10 Uhr Informationen am Abend

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

EEG-Reformgipfel"Die Deckelung ist durch nichts gerechtfertigt"

Der baden-württembergische Energie- und Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). (dpa-Bildfunk / Philip Schwarz)

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller schlägt vor, den Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2025 auf 50 Prozent anzuheben. Der Grünen-Politiker sagte im DLF, auch die geplante Deckelung der Windkraft an Land sei fragwürdig. Ebenso müsse der Netzausbau besser vorankommen. Bund und Länder wollen heute Abend über den Ausbau von Ökostrom beraten.

Debatte um Gauland-Äußerungen Sich weltoffen geben, Vorurteile pflegen

Deutsche Fußballfans zeigen vor Spielbeginn ein Plakat mit der Aufschrift "Jerome zieh neben uns ein" beim Länderspiel Deutschland - Slowakei in der WWK-Arena in Augsburg (Bayern). (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Einige Leute führen zwar gerne große Worte von Weltoffenheit im Munde, entpuppen sich aber voller Vorurteile, wenn beispielsweise ein Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft gebaut werden soll. Mit diesem Phänomen beschäftigt sich der Soziologe Armin Nassehi.

NahrungsmittelFrisch oder abgepackt: Was ist leckerer?

Welche Dinge des alltäglichen Küchengebrauchs darf ich auch mal aus der Dose kaufen und welche nicht? Es gibt große Unterschiede, sagt unsere DRadio-Wissen-Küchenfee Tina Kießling.

Kritik am "Milchgipfel""Die Verbraucher können gar nichts tun"

Der stellvertretende Geschäftsführer der Organisation Foodwatch, Matthias Wolfschmidt, auf einem Bild aus dem Jahr 2012. (imago / Metodi Popow)

Millionenhilfen der Politik und im Laden die teurere Milch: Die Maßnahmen und Vorschläge der Bundesregierung brächten gar nichts, sagte Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch im DLF. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt erwecke nur den Anschein, den Landwirten helfen zu wollen.

Nato und RusslandDer Westen schafft eine neue militärische Front

Die Teilnehmer des Außenminister-Treffens der NATO-Länder sitzen im NATO-Hauptquartier in Brüssel zusammen. (picture alliance / dpa / EPA)

Die Nato rücke immer dichter an die europäischen Grenzen Russlands. Dadurch breche sie Vereinbarungen mit Moskau und schaffe eine neue militärische Front wie zu Zeiten des Kalten Krieges, warnt der Hamburger Friedensforscher Reinhard Mutz.

Erster WeltkriegVor 100 Jahren begann die Schlacht am Skagerrak

Ein deutsches Großkampfschiff beim Abfeuern einer Breitseite während der legendären Schlacht von Skagerrak Mai/Juni 1916. (dpa)

Es war die schwerste Auseinandersetzung auf hoher See im Ersten Weltkrieg: Skagerrak-Schlacht – unter diesem Namen kennt man sie in Deutschland. Die Briten sprechen von der "Schlacht von Jütland". 8.500 Seeleute kamen damals ums Leben, vor allem Briten. Heute vor 100 Jahren fiel der erste Schuss. Zu den offiziellen Gedenkfeiern wird auch Bundespräsident Joachim Gauck reisen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Armenien-Resolution  Erdogan interveniert bei Bundeskanzlerin Merkel | mehr

Kulturnachrichten

Freier Eintritt: Besucher-Rekord in Hamburger Kunsthalle  | mehr

Wissensnachrichten

Regel-Studienzeit  Offensichtlich kaum zu schaffen | mehr