Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Finanzaufsicht: Deutsche Banken kommen sicher durch die Krise

Versicherer leiden jedoch unter niedrigen Zinsen

Die Kapitalanlagen der deutschen Banken sind laut BaFin gut verteilt. (dpa / Stefan Sauer)
Die Kapitalanlagen der deutschen Banken sind laut BaFin gut verteilt. (dpa / Stefan Sauer)

Griechenland ist am Boden, Spanien und Portugal stolpern durch die Schuldenkrise - doch die deutschen Banken stehen sicher. So sieht es die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Keine guten Worte hat sie für die Versicherungsbranche übrig.

"Das deutsche Bankensystem ist vergleichsweise robust", sagte BaFin-Präsidentin Elke König bei der Vorstellung des Jahresberichts – auch wenn es sich natürlich nicht vollständig von den Entwicklungen der Nachbarländer abschotten könne. Sie sei sicher, "dass die deutschen Kreditinstitute auf inzwischen auf alle möglichen Szenarien vorbereitet sind." Hiesige Banken hätten vergleichsweise wenig in griechische Anleihen investiert. Selbst eine immer öfter diskutierte Staatspleite könnte das deutsche Finanzsystem also verkraften.

Die BaFin schaut derzeit besonders auf zwei andere Sorgenkinder der EU: Spanien und Portugal. Das spanische Finanzministerium hat heute eingeräumt, das Land müsse derzeit so hohe Zinsen für seine Staatsanleihen zahlen, dass es praktisch keinen Zugang mehr zu den Märkten habe.

Niedrige Zinsen könnten Versicherer zu Risikoanlagen verleiten

Die neue Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König, zu Beginn eines Festaktes für den Stabswechsel am Dienstsitz der BaFin in Frankfurt am Main. (Thomas Lohnes/dapd)Elke König leitet die BaFin seit Beginn des Jahres. (Thomas Lohnes/dapd)Sorgen bereitet der BaFin offenbar auch die Lage der deutschen Versicherer. "Relativ problemlos", aber "kein Spaziergang" – so beschreibt König deren bisherigen Weg durch die Finanzkrise. Die Prognose: Nicht die Anleihen könnten ihnen künftig Probleme bereiten, sondern der dauerhaft niedrige Leitzins. Ihn hält die Europäische Zentralbank bei einem Rekordtief von 1,0 Prozent, um das Wachstum anzukurbeln und eine Kreditklemme zu verhindern. Der Internationale Währungsfonds fordert sogar, dass der Zins noch weiter gedrückt werden soll. Inzwischen führt das Niveau aber dazu, dass die Zinsen in Deutschland und anderen EU-Staaten die Inflation nicht mehr ausgleichen können.

Für die deutschen Lebensversicherer bedeutet das: Um die langfristigen Garantien für ihre Kunden einhalten zu können, müssen sie sich bald etwas einfallen lassen. Nach Ansicht von BaFin-Präsidentin König werden die bisherigen Anlagen zwar noch "etliche Jahre ausreichen, um die gegebenen Garantieversprechen einzulösen". Doch die Neuanlage von Geldern sei problematisch. Die Befürchtung: Die Versicherer könnten sich bessere Zinsen bei risikoreicheren Anlagen beschaffen. Die BaFin hat daher angekündigt, ein Auge auf die Anlagestrategie zu haben.

Nutzen Banken die günstigen Zinsen verantwortungsvoll?

Eine ähnliche Gefahr sieht die Behörde auch bei den günstigen Refinanzierungsmitteln, die die EZB an Banken verteilt hat. In mehreren Schritten gab sie eine Billion Euro heraus, um Engpässe bei europäischen Finanzhäusern zu verhindern. Wie das Geld verwendet werden sollte, war nicht vorgeschrieben. König mutmaßt daher: "Es ist daher nicht auszuschließen, dass Institute die günstige Refinanzierung für spekulative Kreditersatzgeschäfte verwenden." Die BaFin untersucht daher genau, ob die Banken bei der Verwendung zu hohe Risiken eingegangen sind.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:05 Uhr Freistil

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Festival

Aus unseren drei Programmen

Albert Speer und seine HelferMär vom unpolitischen Technokraten

Projektionen historischer Dokumente sind in Nürnberg während der Ausstellung "Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit" im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zu sehen. (dpa / Daniel Karmann)

Albert Speer war der Lieblingsarchitekt Hitlers. Er wurde als Kriegsverbrecher verurteilt und ließ nach seiner Entlassung 1966 nichts unversucht, sich als unpolitischen Technokraten zu präsentieren, der verführt worden sei. Diese Legende wurde gern geglaubt – und inzwischen widerlegt.

FDP-ParteitagJa mit Aber zur doppelten Staatsbürgerschaft

FDP-Parteitag am 28. April 2017 in Berlin: Parteichef Christian Lindner hält eine Rede. (AFP / Tobias Schwarz)

Diskussionen um den Doppelpass haben das Potenzial für hitzige innerparteiliche Kontroversen. So auch auf dem Berliner Parteitag der FDP. Unsere Autorin war dabei und fasst die Beratungen über das Wahlprogramm der Liberalen zusammen.

Wavepool statt MeerAuf der Suche nach der perfekten Welle

Der Amerikaner Kelly Slater beim Wellenreiten in Brasilien. (imago/WSL)

Wellenreiten liegt im Trend. Bei den olympischen Spielen 2020 wird die Sportart deshalb erstmals vertreten sein. Weil viele Surfbegeisterte für die perfekte Welle nicht mehr so weit reisen wollen, ist ein Wettlauf um die Schaffung künstlicher Wellen entbrannt.

Joschka Fischer"Marine Le Pen wäre für Deutschland der Super-GAU"

Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) sitzt am 12.03.2015 im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf der Bühne, wo er über sein neues Buch "Scheitert Europa?" spricht. (dpa)

Deutschland könne Europa nicht alleine führen, sagte der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer im Deutschlandfunk. Von daher sei es für die EU und Deutschland existenziell, dass Marine Le Pen, die Frankreich aus der EU führen will, nicht französische Präsidentin werde. Ein anderer Wahlausgang wäre katastrophal.

Der Adel und der Wald in DeutschlandUnterwegs durch Privatwälder

Philipp zu Guttenberg – Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. (Deutschlandradio / Nana Brink)

Die "Deutschlandrundfahrt" spaziert sowohl mit adeligen Waldbesitzern durch ihr Refugium als auch mit einem Waldphilosophen durch den Dschungel der Eigentumsfragen.

70 Jahre nach der "Aktion Weichsel"Gedenken an die Vertreibung der Ukrainer

Der Marktplatz von Przemysl. (imago/Brockes)

Vor 70 Jahren wurden über 100.000 Ukrainer aus Südostpolen zwangsumgesiedelt. An der sogenannten Aktion Weichsel wurde nun im südostpolnischen Przemyśl gedacht. Doch die nationalkonservative PiS-Regierung will die Erinnerung nicht unterstützen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Merkel  "Große Defizite bei Menschenrechtslage in Saudi-Arabien" | mehr

Kulturnachrichten

Benslama: "Radikalisierung ist oft Zufall"  | mehr

 

| mehr