Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Finanztransaktionssteuer in der Diskussion

DLF-Reihe "Euro in der Krise"

Von Brigitte Scholtes

Der Kurs der Aktie Griechenland sinkt. (AP)
Der Kurs der Aktie Griechenland sinkt. (AP)

Kinder brauchen Grenzen. Diesen pädagogischen Grundsatz kennen alle Eltern. Ähnlich steht es mit den Finanzmarktakteuren. Lässt man sie ungehindert agieren, denken sie häufig nur noch an die Vermehrung ihrer Gewinnmöglichkeiten – ohne Rücksicht auf die Verluste anderer.

Diese Einsicht ist auch bei den Regierungen weltweit spätestens seit der Bankenkrise da. Aber umgesetzt wurde sie noch kaum. Verschiedene Mittel sind in der Diskussion, um die Akteure an den Finanzmärkten im Zaum zu halten: Aktuell wieder einmal stark diskutiert ist die Finanztransaktionssteuer.

Die Idee ist nicht neu: Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler James Tobin hatte sie schon 1972 als Steuer auf Devisengeschäfte vorgeschlagen. Inzwischen diskutiert man eine solche Abgabe aber auf jede Finanztransaktion – etwa in der Höhe von 0,05 Prozent des Volumens. Sie ist also eine Art Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte. Die Banken sind dafür gar nicht zu haben. Warum nicht, das erklärte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vor einigen Tagen im ZDF:

"Weil das eine globale Steuer sein müsste, sonst wandert das Kapital in die Bereiche, die keine Steuern haben, dass das auch überwälzt wird auf die Kunden und eigentlich dann die ganzen Transaktionen teurer macht."

Die SPD drängt seit Langem dazu, den Grund erklärt SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier:

"Wenn wir sie nicht umsetzen, dann werden die Falschen belastet, dann werden nämlich allein die Steuerzahler auch in Deutschland für die Folgen der Krise aufkommen müssen. Das ist nicht fair, das ist nicht gerecht."

Eine weitere Möglichkeit der Regulierung wäre das Verbot von Kreditversicherungen, credit default swaps im Finanzenglisch genannt. Ein Investor versichert sich da gegen den Ausfall einer Anleihe, ohne diese unbedingt besitzen zu müssen. Das ist also so, als versichere man sich dagegen, dass das Haus des Nachbarn abbrennt – und hofft dann darauf, dass dies tatsächlich geschieht. Da diese Versicherungen im Wert steigen, je mehr davon verkauft werden, entsteht der Eindruck, der Anleiheschuldner stehe kurz vor der Insolvenz. Und der Verkauf der Versicherungen bringt entsprechend mehr Geld.

Auch das von der deutschen Regierung geplante Verbot von Leerverkäufen könnte hilfreich sein. Dabei verkauft ein Investor etwa einen Währungsbetrag oder eine Aktie, die er beim Verkauf noch gar nicht besitzt. Deshalb kann er theoretisch ein Vielfaches der aktuell verfügbaren Papiere verkaufen. Denn er wettet ja auf fallende Kurse. Wenn er dann dem Käufer die Papiere liefern muss, kann er sich am Markt weit billiger damit eindecken. Denn diese Taktik zieht häufig starke Kursturbulenzen nach sich.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:10 Uhr Informationen am Abend

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:30 Uhr Weltzeit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Meisterwerke von Manet in HamburgWie der Maler trickreich das Publikum bannte

Drei Frauen betrachten in der Hamburger Kunsthalle das Bild "Das Frühstück im Atelier" des Künstlers Edouard Manet. Die Ausstellung "Manet - Sehen. Der Blick der Moderne" wird vom 27. April bis zum 4. September.2016 in der Hansestadt gezeigt. (Foto: Axel Heimken / dpa)

Eine Schau mit 35 Gemälden des Malers Edouard Manet will Publikumsmagnet in Hamburg werden. Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner erklärt, mit welchem Trick der Maler Kunstgeschichte schrieb.

Streiks in FrankreichKleine und mittlere Unternehmen fürchten um Existenz

Mitglieder der Gewerkschaft CGT blockieren den Zugang zu einem Industriegebiet in Vitrolles in Südfrankreich. (AFP / Boris Horvat)

Bei einer Befragung von 700 französischen Unternehmen gaben 70 Prozent der Firmen an, in Kürze schließen zu müssen. Der Grund: Die andauernden Streiks in Frankreich und die damit verbundene Ressourcenknappheit. Doch nicht nur viele Firmenchefs, auch immer mehr Angestellte fühlen sich mittlerweile als Geisel im eigenen Land.

"Meinen Hass bekommt ihr nicht"Bericht aus einer Welt des Schmerzes

Der Journalist Antoine Leiris, der seine Frau bei den Terroranschlägen im Pariser Bataclan verlor und darüber ein Buch schrieb. (AFP / Dominique Faget )

Der französische Journalist Antoine Leiris verlor bei den Anschlägen von Paris seine Frau. In dem Band "Meinen Hass bekommt ihr nicht" hat er notiert, was dieser Verlust für ihn und seinen zweijährigen Sohn bedeutet.

US-WahlkampfObama wirft Trump Ignoranz vor

KOMBO - US Pr (EPA)

US-Präsident Barack Obama hat sich beim G7-Treffen kritisch über den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump geäußert. Der zeige sich gegenüber der Außenpolitik ignorant und interessiere sich eher für Schlagzeilen als für Strategien für Amerikas Sicherheit, sagte Obama. Doch Trumps außenpolitische Positionen sind nicht nur bei den US-Demokraten umstritten.

Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat"Ein Comic-Manifest erklärt die Medienwelt

Ausschnitt aus der deutschen Übersetzung der Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat", geschrieben von Brooke Gladstone und gezeichnet von Josh Neufeld (Correctiv / David Schraven)

Der Journalismus hat zurzeit Probleme mit seiner Glaubwürdigkeit. Ob die Medien sogar fremdgesteuert sind, ist Thema von "Der Beeinflussungsapparat". Die Recherchegruppe Correctiv hat die Graphic Novel aus den USA nun auf Deutsch herausgegeben.

ChinaAKW Hualong 1 für den Sudan

China exportiert Reaktortechnik und baut im Sudan das erste Atomkraftwerk des Landes. Für China ist das der Auftakt. Geplant ist der Export von 30 Reaktoren bis 2030.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

US-Vorwahlkampf  Trump hat notwendige Delegiertenzahl offenbar zusammen | mehr

Kulturnachrichten

"New York Times" will Personal abbauen  | mehr

Wissensnachrichten

Großbritannien  VR-Brillen bringen Geschworene an Tatort | mehr