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Findiger und erfinderischer Beobachter

F. C. Delius erhält Büchner-Preis

Friedrich Christian Delius auf der Frankfurter Buchmesse (picture alliance / dpa)
Friedrich Christian Delius auf der Frankfurter Buchmesse (picture alliance / dpa)

Er erzähle "die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert" lobt die Büchner-Preis-Jury das Werk des 68-jährigen Schriftstellers. Zu den jüngst publizierten Büchern von Friedrich Christian Delius zählt "Die Frau, für die ich den Computer erfand". Die wichtigste deutsche Literatur-Auszeichnung wird zum 60. Mal vergeben.

"Als kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter hat Delius in seinen Romanen und Erzählungen die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert erzählt - von der Vorgeschichte der NS-Zeit über die Zeit der Teilung bis in die unmittelbare Gegenwart", heißt es im Urteil der Jury in Darmstadt.

So steht in "Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde" (1994) ein kleiner Pfarrerssohn im Mittelpunkt, der begeistert das Weltmeisterschaftsspiel Deutschland gegen Ungarn in Bern 1954 verfolgt. In "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus" (1995) kehrt ein in den Westen Geflüchteter wieder in die DDR zurück. Der Roman "Bildnis der Mutter als junger Frau" (2006) erzählt von einer werdenden Mutter im Jahr 1943. Und in "Die Frau, für die ich den Computer erfand" (2009) verknüpft er den Lebensweg von Konrad Zuse, der 1934 den ersten programmierbaren Rechner baute, mit einer Liebesgeschichte.

"Ich freue mich, mehr als ich sagen kann", bekennt der frischgebackene Preisträger Friedrich Christian Delius im Deutschlandradio Kultur.

Sigrid Löffler (AP)Sigrid Löffler (AP)

Sigrid Löffler: "Zurückhaltend, satirisch, humorvoll"

Sein Mittel sei die politische Aufklärungssatire gewesen, bringt Literaturkritikerin Sigrid Löffler die Essenz der Werke von F. C. Delius auf den Punkt. Sein Gespür für Demokratiedefizite in der Bundesrepublik habe sehr süffig zu lesende Bücher zum Ergebnis gehabt.


Von Rom nach Berlin und zurück

Friedrich Delius, der 1943 in Rom geboren wurde und in Hessen aufwuchs, lebt heute in Berlin und in seiner Geburtsstadt. Nach einem Germanistikstudium in Berlin promovierte er bei dem Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Walter Höllerer. Als junger Autor nahm Delius an Treffen der legendären Gruppe 47 teil. Er arbeitete im Wagenbach und im Rotbuch Verlag und lebt seit 1978 als freier Schriftsteller. Seine Romane und Erzählungen wurden in 17 Sprachen übersetzt.

Höheres Preisgeld

Da die bedeutendste deutsche Literatur-Auszeichnung in diesem Jahr zum 60. Mal vergeben wird, wurde das ausgelobte Preisgeld von 40.000 auf 50.000 Euro erhöht. Der Büchner-Preis wird Friedrich Christian Delius am 29. Oktober in Darmstadt, dem Sitz der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, verliehen.

Im vergangenen Jahr wurde der seit 1951 ausgelobte Preis an den Schriftsteller Reinhard Jirgl verliehen.

Programmhinweise: Im Deutschlandradio Kultur hören Sie ab 19.07 Uhr in Fazit am Abend die Wiederholung des Interviews mit Friedrich Christian Delius aus dem Radiofeuilleton.

Links bei dradio.de:
"Wachsam, aufrecht, eigensinnig" - Sigrid Löffler über den Büchner-Preisträger F. C. Delius
"Ich freue mich mehr, als ich sagen kann" - Büchner-Preisträger F. C. Delius sieht Literatur als das eigentliche "Leitmedium"
Monolog des PC-Erfinders <br> Friedrich Christian Delius: "Die Frau, für die ich den Computer erfand". Rowohlt Verlag, Hamburg

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

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