Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Flüchtlingsdrama: Kritik an EU-Politik

Behörden in Italien rechnen mit mehr als 300 Toten

Im Hafen von Lampedusa sind Särge mit den geborgenen Leichen aufgereiht. (picture alliance / dpa / Arcieri)
Im Hafen von Lampedusa sind Särge mit den geborgenen Leichen aufgereiht. (picture alliance / dpa / Arcieri)

Nach dem Flüchtlingsdrama vor der italienischen Insel Lampedusa gehen die Behörden inzwischen von mehr als 300 Toten aus. Italiens Staatspräsident Napolitano fordert angesichts der Tragödie, die Gesetzeslage zu überprüfen und auch die EU reagiert bestürzt.

<p>Vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa werden immer mehr Leichen geborgen. Nach Angaben der Küstenwache konnten bislang 111 Leichen aus dem Wasser geholt werden. Im Rumpf des gekenterten Schiffes sollen sich zahlreiche weitere Leichen befinden. <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/10/04/dlf_20131004_0749_6bb07e7f.mp3" title="Korrespondentenbericht im DLF vom 04.10.13 (MP3-Audio)">Wie ARD-Korrespondent Tilmann Kleinjung berichtet</a>, soll die Suche nach ihnen heute fortgesetzt werden. Die Behörden gehen inzwischen davon aus, dass mehr als 300 Menschen die Katastrophe nicht überlebt haben.<br /><br /></p><p><strong>Staatstrauer in Italien</strong></p><p>Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Rettungsteams eingehüllte Leichen in dem kleinen Hafen von Lampedusa aufbahrten. Bürgermeisterin Giusi Nicolini sprach von "Horror" angesichts des zweiten Flüchtlingsdramas innerhalb weniger Tage. Italiens Innenminister Angelino Alfano reiste nach Lampedusa, um sich die Situation vor Ort anzuschauen. In Italien wurde heute Staatstrauer angeordnet. "Beten wir für die Opfer des tragischen Schiffbruchs vor Lampedusa", schrieb Papst Franziskus auf Twitter.<br /><br /><blockquote class="twitter-tweet"><p>Preghiamo Dio per le vittime del tragico naufragio a largo di Lampedusa.</p>— Papa Francesco (@Pontifex_it) <a href="https:twitter.com/Pontifex_it/statuses/385701022225543168">October 3, 2013</a></blockquote><br /><script async src="http://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><br />Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano forderte angesichts der Flüchtlingskatastrophe, die Gesetzeslage zu überprüfen. In einem Interview mit Radio Vatikan sagte er, Normen, die eine Aufnahmepolitik verhinderten, sollten geändert werden. Die Gesetze müssten Italien würdig sein und den Grundprinzipien von Menschlichkeit und Solidarität entsprechen.<br /><br /></p><p><strong>UNO-Sonderberichterstatter: Tote hätten vermieden werden können</strong></p><p>Der UNO-Sonderberichterstatter für die Rechte von Migranten, François Crépeau, fand deutlichere Worte: "Diese Toten hätten vermieden werden können", sagte er vor der UNO-Vollversammlung in New York. Die illegale Einwanderung könne nicht "ausschließlich mit repressiven Maßnahmen" bekämpft werden. Dieses Vorgehen verstärke nur die Macht der Schleuser. <br /><br />Crépeau rief die Weltgemeinschaft dazu auf, mehr Möglichkeiten für eine legale Einwanderung zu schaffen. Nicht die Flüchtlinge, sondern diejenigen, die illegale Einwanderer beschäftigten, müssten bestraft werden. Dies werde jedoch aus "politischen Beweggründen" unterlassen. In den Aufnahmeländern müsse die "Vorstellung von Vielfalt und Multikulturalität" akzeptiert werden.<br /><br /></p><p><strong>EU-Kommission: Wir sollten die Lage verbessern</strong></p><p>Auch die EU-Kommission reagierte bestürzt auf die Katastrophe. Regionalkommissar Johannes Hahn erklärte: "Es ist wirklich eine Tragödie, ganz besonders, weil auch Kinder betroffen sind." Und weiter: "Es ist etwas, über das Europa wirklich traurig sein muss und wir sollten sehen, wie wir die Lage verbessern." Italiens Regierungschef Enrico Letta hatte das Unglück eine "ungeheure Katastrophe" genannt.<br /><br />Vor der italienischen Insel Lampedusa war gestern Morgen <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264005" text="ein Boot mit bis zu 500 Asylsuchenden aus Afrika gekentert" alternative_text="ein Boot mit bis zu 500 Asylsuchenden aus Afrika gekentert" />. Die Menschen an Bord hatten offenbar eine Decke angezündet, um die Bewohner der Insel Conigli auf sich aufmerksam zu machen, die zu Lampedusa gehört. Das Feuer hatte sich schnell ausgebreitet und das Schiff zum Kentern gebracht. Mehr als 130 Menschen ertranken, rund 150 konnten gerettet werden. Die Bootsinsassen kamen vorwiegend aus Eritrea und Somalia.<br /><br /><em>Mehr zum Thema auf dradio.de:</em><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="256984" text="Italien will schiffbrüchige Flüchtlinge aufnehmen" alternative_text="Italien will schiffbrüchige Flüchtlinge aufnehmen" /> <br> Malta blockte Schiff mit 102 Migranten ab<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="253863" text="Scheinheilige europäische Flüchtlingspolitik" alternative_text="Scheinheilige europäische Flüchtlingspolitik" /> <br> Ein Kommentar von Doris Simon<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="252402" text="&quot;Ein Aufrütteln des Gewissens&quot;" alternative_text="&quot;Ein Aufrütteln des Gewissens&quot;" /> <br> Leiter des italienischen Flüchtlingsrats lobt Papstbesuch auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="249946" text="In Willkommen auf dem Verschiebebahnhof" alternative_text="In Willkommen auf dem Verschiebebahnhof" /> <br> Italienischer Flüchtlingsrat kritisiert neues EU-Asylrecht<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="254275" text="&quot;Eine katastrophale Situation&quot;" alternative_text="&quot;Eine katastrophale Situation&quot;" /> <br> CSU-Politiker Glück über die europäische Flüchtlingspolitik und den Papst-Besuch auf Lampedusa</p>
 

Letzte Änderung: 21.10.2013 11:34 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:35 Uhr Presseschau

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

RassismusDie Kindheit eines südafrikanischen Comedian

Trevor Noah beim Screening der Comedy-Show The Daily Show With Trevor Noah auf dem PaleyFest New York 2016 im Paley Center for Media. New York Foto:xD.xVanxTinex/xFuturexImage Trevor Noah the Screening the Comedy Show The Daily Show With Trevor Noah on the PaleyFest New York 2016 in Paley Center for Media New Yor Photo XD xVanxTinex xFuturexImage (imago stock&people)

Seit 2015 moderiert Trevor Noah eine erfolgreiche Show beim US-amerikanischen Sender Comedy Central. Geboren als Kind einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters in Südafrika ist Rassismus sein Hauptthema. Mit "Farbenblind" legt der erst 33-Jährige seine Memoiren vor.

"Hauptstadtfußball" im Stadtmuseum BerlinNeue Zielgruppen anlocken

Ausstellung über Hertha BSC in Berlin - viele der Ausstellungsstücke stammen von Fans (picture alliance / dpa / XAMAX)

Vor anderthalb Jahren ist Paul Spies als neuer Direktor angetreten, um das Stadtmuseum Berlin zu modernisieren. Der niederländische Kunsthistoriker möchte neue Zielgruppen anlocken. Ein Thema, das ihm dabei helfen könnte, ist der Fußball.

Digitale Ausstattung für Schulen"Riesenpaket an offenen Fragen"

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) (picture alliance / dpa / Ole Spata)

Vor der Sommerpause verabschiedete die Große Koalition die Eckpunkte zum Haushalt 2018: Darin fehlt der seit 2016 versprochene Digitalpakt für Schulen. Viele Fragen zur IT-Ausstattung seien offen, sagte Bildungsministerin Johanna Wanka, im Dlf. Die Nutzung im Unterricht müsse erst auf Arbeitsebene geklärt werden.

#DeineWahl - YouTuber fragen die KanzlerinMerkel im Neuland

(picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Knapp fünf Wochen vor der Bundestagswahl stellte sich Kanzlerin Angela Merkel heute eine Stunde lang den Fragen von vier YouTubern. Nadine Lindner aus unserem Hauptstadtstudio findet: "Es war eine unterhaltsame Stunde."

SommerserieGerechtigkeit - jeder will sie, keiner kriegt sie?

Zwei Männer sitzen sich auf einer zerbrochenen Wippe über einer Euromünze gegenüber (imago stock&people)

Gerechtigkeit ist eines der wesentlichen Themen im Bundestagswahlkampf. Die Parteien diskutieren und positionieren sich. Aber wie gerecht geht es heute tatsächlich zu? Was macht der Staat, um Gerechtigkeit zu fördern und was unterlässt er?

Gewalt in Charlottesville"Das ist der typische Trump-Sound"

US-Präsident Trump spricht im Weißen Haus in Washington ins Mikrofon. (AP Photo / Evan Vucci)

US-Präsident Trump hat seine erste Reaktion auf die Gewalt bei der Rassisten-Kundgebung in Charlottesville verteidigt und erneut beiden Seiten die Schuld gegeben. Das war das Härteste, was Trump bisher vom Stapel gelassen habe, so Politikwissenschaftler Jan Techau.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  Charlottesville hat parlamentarisches Nachspiel | mehr

Kulturnachrichten

Bands boykottieren Berliner Pop-Kultur Festival  | mehr

 

| mehr