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Forderung nach Aberkennung von DDR-Ehrendoktortiteln

Wissenschaftlicher Wert in Frage gestellt

Verbände zweifeln an akademischem Wert vieler DDR-Ehrendoktortitel (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)
Verbände zweifeln an akademischem Wert vieler DDR-Ehrendoktortitel (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)

Mehr als 400 Doktorarbeiten früherer Stasi-Funktionäre sollen auf den Prüfstand. Die Grünen im Brandenburger Landtag bezweifeln, dass die Arbeiten nach anerkannten wissenschaftlichen Standards entstanden sind. Unterstützung bekommen sie von Verbänden.

Es geht um Dissertationen im Fach Jura, die an der Ex-Stasi-Hochschule in Potsdam-Golm entstanden sind. Der Brandenburger Fraktionschef der Grünen, Axel Vogel, sagte der Deutschen Presse-Agentur, diese Arbeiten genügten "in keinster Weise" wissenschaftlichen und moralischen Ansprüchen. Ein Großteil sei in Teamarbeit enstanden, zudem hätten einige Arbeiten nur wenige Seiten umfasst. "Das entspricht vielleicht Abitur-Niveau, berechtigt aber nicht zum Tragen eines Doktortitels." Vogel findet, dass die Titel aberkannt werden müssten.

Der Dachverband der SED-Opfer hat sich der Forderung angeschlossen. Die Union der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) teilte mit, da alle DDR-Hochschulen streng ideologisch ausgerichtet gewesen seien, sei es an der Zeit, auch auf den wissenschaftlichen Wert anderer in der DDR verliehener akademischer Titel zu schauen.

Stasi-Unterlagen-Behörde: Keine Möglichkeit der Aberkennung

Die Stasi-Unterlagen-Behörde begrüßte den Vorstoß zwar, verwies aber auch auf den Einigungsvertrag von 1990. Danach dürfen Doktortitel nicht nachträglich aberkannt werden. Absolventen der Juristischen Hochschule ist im vereinigten Deutschland allerdings untersagt, einen staatlich anerkannten juristischen Beruf auszuüben, da sie nicht mit einer juristischen Ausbildung anderer Hochschulen gleichgesetzt werden könnten.

Die Dissertationen der Stasi-Hochschule waren bereits in den 90er Jahren Gegenstand der Forschung. So kam der Wissenschaftler Günter Förster in einer Veröffentlichung der Stasi-Unterlagen-Behörde über 155 der insgesamt 174 Doktorarbeiten zu dem Schluss, dass sie nur selten wissenschaftlichen Standards genügen.

Die 1990 aufgelöste Hochschule in Potsdam war die "Kaderschmiede" des Ministeriums für Staatssicherheit und dessen zentrale Bildungs- und Forschungsstätte. Promoviert wurde dort unter anderem der DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski. Wie viele Ex-Stasi-Kader sich noch mit dem Doktortitel schmücken, ist unklar.

 

Letzte Änderung: 15.11.2013 23:10 Uhr

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