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Forscher weisen offenbar "Higgs-Boson"-Teilchen nach

Das "Gottesteilchen" wurde jahrelang nur vermutet

Die Illustration zeigt den Zerfall eines fiktiven Higgs-Boson. (picture alliance / dpa / Cern)
Die Illustration zeigt den Zerfall eines fiktiven Higgs-Boson. (picture alliance / dpa / Cern)

Forscher am europäischen Kernforschungszentrum CERN haben ein Teilchen entdeckt, das das sogenannte Higgs-Boson sein könnte. Mit ihm wird erklärt, wie Materie zu ihrer Masse kommt - warum also beispielsweise Atome, Planeten oder sogar unser eigener Körper, zusammengehalten werden.

Das Higgs-Boson ist das letzte Teilchen, das sich zwar in den theoretischen Modellen der Physiker findet, aber noch nicht nachgewiesen werden konnte. Der britische Physiker Peter Higgs, nach dem das Teilchen benannt ist, äußerte sich in Genf: Er habe kaum geglaubt, dass der experimentelle Nachweis noch zu seinen Lebzeiten gelingen werde, sagte der 83-Jährige. Das sei ein "gewaltiger Erfolg" und "wirklich großartig".

Der Physiker Peter Higgs zu Besuch im Large Hadron Collider des CERN, wo Wissenschaftler das nach ihm benannte Higgs-Teilchen nachweisen wollen. (AP/Keystone, University of Edinburgh/Alan Walker)Der Namensgeber: Der Physiker Peter Higgs (AP/Keystone, University of Edinburgh/Alan Walker)Von den Wissenschaftlern am CERN heißt es, das entdeckte Teilchen stehe im Einklang mit der Higgs-Boson-Theorie. Allerdings handele es sich um ein Vorergebnis, das aber sehr sicher sei. Bereits vor zwei Wochen hatten sich die Gerüchte von der Entdeckung der Higgs-Teilchen verdichtet.

Deutschland mit Millionenförderung beteiligt

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) nannte den statistisch wohl gesicherten Nachweis eine "wissenschaftliche Sensation". Sie betonte, dass deutsche Forscher einen maßgeblichen Anteil an der Entdeckung des Teilchens hatten. In den vergangenen 15 Jahren habe ihr Ministerium deutsche Hochschulen für ihre Arbeit am Teilchenbeschleuniger des CERN mit insgesamt 175 Millionen Euro gefördert.

Das CERN selbst nannte die Entdeckung "vorläufig". Ende Juli werden laut den Forschern mehr Daten vorliegen. Die Entdeckung sei auf jeden Fall ein neues Teilchen, ein Boson, und es sei das schwerste Boson, das bislang gefunden wurde. Der nächste Schritt werde sein, das Teilchen präzise zu bestimmen - und seine Signifikanz für das Verstehen des Universums. Die Frage sei, ob seine Eigenschaften wie erwartet dem Higgs-Boson-Teilchen entsprechen, oder ob es sich hier um etwas Exotischeres handele.

Im Interview mit der Sendung "Fazit" sprach CERN-Chef Rolf-Dieter Heuer über das sogenannte Higgs-Boson, die Grenzen unseres physikalischen Weltbildes und die Folgen des Fundes für die Wissenschaft und sagte: "Wir werden jetzt feiern!"

Der von Wissenschaftlern abgelehnte Begriff "Gottesteilchen" (im Original: "The God Particle") geht übrigens zurück auf das gleichnamige Buch des Nobelpreisträgers für Physik 1988, Leon M. Lederman.

Wie zuverlässig sind die Daten?

Die CERN-Wissenschaftler geben die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung des Higgs-Boson mit "5 Sigma" an. In der Statistik wird die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Wert von einer zufälligen Verteilung abweicht, mit dem Kürzel Sigma angegeben. Je höher dieser Sigma-Wert ist, desto sicherer kann man sein, dass ein statistisch ermitteltes Ergebnis nicht auf zufälligen Schwankungen oder Messfehlern beruht. Ein Sigma von 5 entspricht einer Fehlerwahrscheinlichkeit von nur eins zu einer Million.

Large Hadron Collider (LHC) am CERN in Genf - Aufbau des Compact Muon Solenoid (CMS) (CERN)Der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) (CERN)Der LHC (Large Hadron Collider) in Genf - der größte Teilchenbeschleuniger der Welt - wurde auch deshalb gebaut, um die Existenz der ominösen Higgs-Teilchen nachzuweisen. In dem 27 Kilometer langen Beschleuniger schießen Forscher mit hoher Energie Atomkernbestandteile - sogenannte Protonen - aufeinander. Dabei erzeugen sie Teilchen, wie sie beim Urknall existierten und messen diese mit Hilfe riesiger Detektoren.


Hintergrundinformationen:
Standardmodell der Physik und Erklärung des Higgs-Boson-Teilchens

Weitere Informationen auf deutschlandradio.de:
Interview mit CERN-Chef Rolf-Dieter Heuer
Sensation am Cern - Gespräch mit Dirk Lorenzen
Physiker sind dem Higgs dicht auf den Fersen
Schöpfer der Massen - Physiker sichten das Higgs-Teilchen

Deutschlandradio wird ausführlich über die Entdeckung berichten, darunter in den folgenden Sendungen:
Fazit
Informationen am Abend (Audios)
Ortszeit (Audios)
Forschung Aktuell
Wissenschaft im Brennpunkt
Wissenschaft und Technik

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

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