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Frankfurt am Main und in Mainz: Stichwahl um Oberbürgermeisteramt

Von Ludger Fittkau

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In den größten Städten von Hessen und Rheinland-Pfalz müssen die künftigen Oberbürgermeister voraussichtlich in zwei Wochen durch Stichwahlen ermittelt werden. Der Mainzer CDU-Kandidat Lukas Augustin wurde nach Untreuevorwürfen von den Wählern abgestraft.

Die Mainzer Christdemokraten hatten es geahnt, dass der erste Urnengang zur Wahl eines neuen Mainzer Oberbürgermeisters ein Desaster wird. Zum ersten Mal seit vielen Jahren hatten sie ihre Wahlparty im Rathaus der Stadt abgesagt und sich in die Räume der Landesgeschäftsstelle zurückgezogen. Die Hausherrin zog es jedoch auch vor, nicht zu erscheinen: CDU-Landeschefin Julia Klöckner will gemeinsame Fotos mit ihrem unter Untreueverdacht stehenden Spitzenkandidaten in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt vermeiden. Der geschlagene Kandidat Lukas Augustin selbst glaubt, dass die geringe Wahlbeteiligung aufgrund seiner Dienstwagenaffäre ihn die Stichwahl gegen den im ersten Wahlgang weit vorne liegenden sozialdemokratischen Kandidaten Michael Ebling gekostet hat:

"Wir haben ja schlechte Wahlbeteiligung mit 40 oder 41 Prozent, da sind doch viele CDU-Leute dabei. Die denken: Was hat der denn gemacht, und wenn man das nicht erklären kann, ist das dann schwierig."

Jetzt braucht Lukas Augustin seinen Umgang mit öffentlichen Mitteln den Mainzer Wählern nicht mehr erklären – beim zweiten Wahlgang in 14 Tagen ist er nicht mehr dabei. Stattdessen der Grüne Günter Beck. Doch auch er ist enttäuscht, denn er liegt 14 Prozentpunkte hinter seinem verbliebenen sozialdemokratischen Mitbewerber Michael Ebling. Dabei hatten alle Prognosen vor der Wahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen dieser beiden Kandidaten vorausgesagt. Damit hätten die Grünen in Mainz die Chance gehabt, erstmals in der bundesdeutschen Geschichte den Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt zu stellen. Daraus wird wohl jetzt nichts. Auch wenn, sich der Grüne Günter Beck für den zweiten Wahlgang kämpferisch gibt. Beck, derzeit Kämmerer von Mainz, will auch seine umstrittenen Kürzungspläne beim Mainzer Staatstheater nicht zurücknehmen:

"Ich will das Staatstheater in eine Situation bringen, das es eine Zukunftsperspektive hat. Ich werde doch inhaltlich aufgrund des Ergebnisses noch nicht irgendeinen Inhalt verändern. Die Inhalte vertritt man, weil man davon überzeugt ist und nicht, weil man ein Wahlergebnis damit beeinflussen kann."

Überschäumende Freude bei den Mainzer Sozialdemokraten. Mit etwas mehr als 40 Prozent der Stimmen liegt ihr Kandidat weit vor den insgesamt sieben anderen Oberbürgermeisterkandidaten. Damit war noch vor wenigen Monaten kaum zu rechnen, denn der alte SPD-Oberbürgermeister Jens Beutel musste wegen diverserer mutmaßlicher Vorteilsnahmen frühzeitig sein Amt räumen – letztendlich sogar auf Druck der eigenen Partei. Doch die Mainzer trauen offenbar dem bisherigen rheinland-pfälzischen Wissenschaftsstaatssekretär Michael Ebling am ehesten zu, die Stadt aus den Skandaluntiefen wieder in ein politisch ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Dementsprechend will Michael Ebling in den nächsten 14 Tagen bis zur Stichwahl seinen bereits ziemlich staatstragenden Wahlkampf nicht mehr ändern:

"Na ja, ganz offensichtlich, dass die Themen für die Stadt Mainz als eine sozial gerechte Stadt, als eine Stadt, in der es fair zugeht und die wirtschaftlichen Erfolg haben soll, das ist, was die Menschen berührt und ganz offensichtlich trauen sie mir auch zu, die Stadt gut zu repräsentieren. Alles zusammengenommen ergibt sicherlich ein solches Ergebnis."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

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