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Frankfurter Buchmesse hat begonnen

Indische Literatur als Schwerpunkt und Herausforderung

Von Hubert Winkels

Lesen auf der Buchmesse (AP)
Lesen auf der Buchmesse (AP)

In Frankfurt am Main ist die 58. Internationale Buchmesse eröffnet worden. Bis Sonntag präsentieren mehr als 7.000 Aussteller aus 113 Ländern fast 400.000 Titel. Die größte Bücherschau der Welt steht zunächst Fachbesuchern offen, ab Samstag dann allen Interessierten. Gastland ist in diesem Jahr Indien. Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk thematisieren den Länderschwerpunkt der Frankfurter Buchmesse in einer "Langen Nacht der indischen Literatur".

Man darf sich die Buchmesse als einen mächtig dahinrauschenden Strom vorstellen, in den viele Flüsse und unzählige kleine Rinnsale einmünden. So findet die wiederbelebte Diskussion über die Bildung hierzulande ein starkes Echo auf der Messe, bildet einen eigenen Themen-Schwerpunkt: "Zukunft Bildung", der vom Kongress zur Alphabetisierung bis zur Lehrertagung reicht. Es gibt ferner eine eigene Präsentation unabhängiger Verlage, die "Independents" sozusagen der Buchbranche.

Auch das wachsende Geschäft mit Buch begleitenden Artikeln wie Papeterie, Geschenke oder Design wird erstmals in einem eigenen großen Gemeinschaftsstand vorgestellt – unter dem schönen Buchhandelslabel "Nonbooks". Der Online-Sektor boomt wie im richtigen Leben auch auf der Messe, zumal das E-Publishing, die digitalen Bibliotheken und Lexika auf dem Vormarsch sind. Die begleitenden Diskussionen werden auf Foren in Frankfurt geführt.

Und es geht natürlich um buchförmige Literatur im weiten Sinne, und da ist wie immer Rekordverdächtiges zu erwarten: 7000 Aussteller aus über 100 Ländern präsentieren bis Sonntag auf 13 Hallenebenen mehr als 350.000 Bücher; korrekter, aber unschönerweise müsste man von "Medieneinheiten" sprechen. 280.000 Besucher werden erwartet.

Zur Literaturpräsentation wiederum gehört ganz wesentlich – und damit nähern wir uns dem eigentlichen Messeschwerpunkt – die indische Literatur. Auch das indes keine so einfache und übersichtliche Sache. Denn anders als beim kleineren Korea-Schwerpunkt des vergangenen Jahres haben wir es im Falle Indiens mit 24 Amtssprachen und 120 Regionalsprachen und Dialekten zu tun. Welch eine Herausforderung nicht nur für Leser und Handel treibende Verlage, sondern vor allem für Übersetzer. 80.000 Bücher erscheinen in Indien pro Jahr. Es versteht sich also, dass man immer nur eine Auswahl einer Auswahl wahrnehmen und dem jeweiligen Publikum vorstellen kann.

Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk tun dies auf vielfältige Weise. Zum Beispiel in einer "Langen Nacht der indischen Literatur". Dort werden vor allem indische Erzähler vorgestellt, die die Vielfalt dieser "Kultur der Kulturen" repräsentieren. Ein bezeichnendes Bild gibt denn auch den Titel der "Langen Nacht": "Ein Baum mit vielen Blüten". Die drei Stunden der Sendung moderieren der Schriftsteller Ilia Trojanow und die Journalistin Cornelia Zetzsche, die beide auch Indien-Bücher vorgelegt haben.

Von der Messe selbst wird der "Büchermarkt" am Donnerstag eine Indien-Sendung live präsentieren, die sich um die sprachlichen Besonderheiten dreht: Die Bücher der prominentesten indischen Autoren sind in Englisch verfasst, obwohl nur 5 Prozent der indischen Bevölkerung das Englische beherrschen. Genauso wie die meisten Zeitschriften. Den internationalen Buchmarkt zu erobern, schien lange Zeit nur über die englische Sprache möglich zu sein, da es in Indien selbst wie auch im Ausland meist an guten Übersetzern aus den indischen Amts- und Regionalsprachen mangelt.

Doch es tut sich was. Indische Wissenschaftler und Schriftsteller warnen vor einer Monokulturalisierung des reichen indischen Literaturschaffens, das heißt insbesondere der Ausgrenzung der kulturell so unterschiedlichen Lebenswelten. Und so kann es als Erfolg gewertet werden, dass der Länderschwerpunkt auf der Buchmesse überwiegend Literatur in der Übersetzung aus den diversen indischen Sprachen präsentiert. Auch gibt es mittlerweile in Deutschland Verlage, die sich auf Literatur aus dem Hindi, Urdu, Bengali oder Tamil spezialisiert haben und - ganz wichtig - dabei nicht nur Romane, sondern auch die in Indien so sehr geschätzte Lyrik berücksichtigen.

Welche Chancen dieses Engagement bietet und mit welchen Problemen die Autoren aus den verschiedenen Regionen des südasiatischen Riesenlandes nach wie vor zu kämpfen haben, darüber werden der indische Dichter und Übersetzer Alokeranjan Dasgupta und der Verleger Christian Weiß vom Heidelberger Draupadi Verlag Auskunft geben. Andere Büchermarkt-Themen von der Messe betreffen das "Machen" von Bestsellern und die literarische Dominanz der so genannten "Flakhelfergeneration" hierzulande.

Neben vielen Autorengesprächen, Berichten, Kommentaren und Kritiken von der Messe im täglichen Radiofeuilleton von Deutschlandradio Kultur und in der Kultursendung "Fazit" wird der Höhepunkt des Berliner Programms traditionsgemäß die dreistündige Veranstaltung in der Messehalle 4.1 am Stand der TV-Kollegen von 3sat sein. Sigried Wesener, Dorothea Westphal und Claus Vogelgesang präsentieren neun Autorinnen und Autoren mit ihren neuen Büchern, unter anderen Irene Dische, Marianne Rosenberg, Felicitas Hoppe, Juri Andruchowytsch, Klaus Modick, Bernd Schroeder und Friedrich Christian Delius.

Frankfurter Buchmesse 2006: Alle Sendungen von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk auf einen Blick



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:19 Uhr

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