Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Frankreich erlaubt Homo-Ehe

Verfassungsrat gibt grünes Licht nach hitziger Debatte

Zwei Lesben auf einer Demo für die Homo-Ehe in Paris (picture alliance / dpa / Apaydin Alain)
Zwei Lesben auf einer Demo für die Homo-Ehe in Paris (picture alliance / dpa / Apaydin Alain)

Gleichgeschlechtliche Paare können sich in der Stadt der Liebe ab Juni das Ja-Wort geben. Der französische Verfassungsrat gab in Paris grünes Licht für ein Gesetz, das monatelang heftig diskutiert wurde und Massenproteste auslöste.

Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle fühlen sich in Europa diskrimiert, isoliert und verängstigt, ergab eine Studie anlässlich des internationalen Tages gegen Homophobie. Fast zwei Drittel von ihnen wagen es demnach noch immer nicht, ihre sexuelle Orientierung in der Öffentlichkeit zu zeigen. Im Herzen Europas gibt nun Frankreich diesen Menschen Platz, den Bund der Ehe öffentlich zu schließen.

Der französische Verfassungsrat wies alle Einsprüche der konservativen Opposition zurück. Sie hatte nach der Verabschiedung der Reform im französischen Parlament vor dreieinhalb Wochen umgehend den Verfassungsrat angerufen, um das Gesetz anzufechten. Homosexuellen das Recht auf die Ehe einzuräumen sei eine "Entscheidung des Gesetzgebers" und verstoße gegen keinen Verfassungsgrundsatz, hieß es in einer Erklärung. Keine Rolle spiele dabei, dass die Ehe bislang in französischen Gesetzen als Verbindung von Mann und Frau definiert worden sei. Eine ähnliche Gleichstellung zwischen homo- und heterosexuellen Paaren gibt es bislang erst in 13 anderen Ländern.

Kein "Recht auf ein Kind"

Der Verfassungsrat betonte, das damit einhergehende Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare bedeute kein "Recht auf ein Kind". Bei Adoptionen müsse stets «das Interesse des Kindes» Vorrang haben.

Frankreichs Präsident Francois Hollande in Brüssel (picture alliance / dpa / EPA / Julien Warnand)Frankreichs Präsident Hollande (picture alliance / dpa / EPA / Julien Warnand)Der Chef der regierenden Sozialisten, Harlem Désir, sprach von einem "Sieg für die Republik der Gleichberechtigung". Für die Sozialisten sei es "ein Tag des großen Stolzes". Frankreichs sozialdemokratischer Staatschef François Hollande will mit seiner Unterschrift morgen (Samstag) eines seiner zentralen Wahlversprechen umsetzen. Die Wortführerin der Homo-Ehen-Gegner, Frigide Barjot, erhob dagegen schwere Vorwürfe gegen den Verfassungsrat. Sie habe "ernsthafte Zweifel an der Unabhängigkeit der Richter", sagte Barjot.

Der Streit um die Homo-Ehe hatte die französische Gesellschaft in den vergangenen Monaten gespalten. Die konservative Opposition und die katholische Kirche liefen Sturm gegen das Vorhaben, bei Großdemonstrationen gingen zehntausende Menschen gegen die Reform auf die Straße. Für den 26. Mai ist eine neue Großdemonstration geplant.

Adoptionsrecht für Homosexuelle in Portugal

Auch Portugal räumte homosexuellen Paaren mehr Gleichberechtigung ein. Das Parlament billigte die Einführung eines eingeschränkten Adoptionsrechts. Demnach dürfen Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Ehe oder Partnerschaft leben und mindestens 25 Jahre alt sind, künftig ein leibliches oder Adoptivkind des Partners adoptieren. Der von der oppositionellen Sozialistischen Partei eingebrachte Gesetzentwurf wurde mit der äußerst knappen Mehrheit von 99 zu 94 Stimmen angenommen - bei 9 Enthaltungen.

Im streng katholischen und für europäische Verhältnisse immer noch sehr konservativen Portugal war Homosexualität noch bis 1982 strafbar. Trotz heftiger Proteste der Kirche hatten die Abgeordneten der Assembleia da República bereits 2010 die Einführung der Homo-Ehe gebilligt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:35 Uhr @mediasres

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Zum Tod von Philip Roth"Ein wirklich großer amerikanischer Autor"

Philip Roth, hier eine Aufnahme von 2006, starb im Alter von 85 Jahren.  (imago/ZUMA Press)

Unlaublich viel Wut, Sex und komische Familienszenen: Die Romane des verstorbenen US-Autors Philip Roth seien hohe Literatur mit großem Unterhaltungswert gewesen, sagt unser Literaturkritiker Kolja Mensing.

Facebook-Chef vor EU-Parlament"Zuckerberg hat im Grunde genommen keine Frage beantwortet"

Der Grünen-Europapolitiker Jan Philipp Albrecht auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Münster (imago / Sven Simon)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg habe es bei der Befragung durchs EU-Parlament verpasst, Vertrauen der europäischen Bürger zurückzugewinnen, meint der grüne EU-Abgeordnete Jan-Philipp Albrecht - ein wichtiger Beleg dafür, dass die EU stärker auf Regulierung setzen sollte, sagte er im Dlf.

Zum Tag des GrundgesetzesWir brauchen eine neue Aufklärung!

Optische Täuschung: Zwei Hände halten jeweils einen Engel und einen Teufel, die mit Kreide auf eine Tafel gezeichnet sind. (imago/Photocase)

Der 23. Mai ist der Tag des Grundgesetzes. Ein guter Anlass, über demokratische Errungenschaften nachzudenken. Der Philosoph und Publizist Christian Schüle nimmt die politische Großwetterlage in Augenschein.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Abrüstungsgeste  Nordkorea zerstört sein Atomtestgelände | mehr

Kulturnachrichten

Sprachassistent: Briten können mit Alexa beten | mehr

 

| mehr