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Frankreich kapituliert

Reihe Juni 40 - Der Revanchekrieg gegen Frankreich, Teil 7

Von Jörg Hafkemeyer

Die Ju 87 Stuka der Wehrmacht (AP Archiv)
Die Ju 87 Stuka der Wehrmacht (AP Archiv)

OKW-Meldung: "Um 24 Uhr räumt der Gegner das Kampffeld. Der Artilleriebeschuss hat ihm mächtig zugesetzt. Trotzdem das Geschütz offen auffahren musste, hat es der Feind nicht mehr erwischen können. Nach jedem Schuss schnellte die Haubitze von alleine wieder in Deckung. Nur einer ist verwundet. Es ist der Richtkanonier. Aber auch das ist bald wieder geheilt und morgen geht der Vormarsch weiter."

Die Deutschen sind nicht mehr aufzuhalten. Die Franzosen sind besiegt. Ministerpräsident Reynaud bietet am 13. Juni 1940 zum ersten Mal öffentlich im Rundfunk die Kapitulation an.

Keine drei Wochen nach dem Fall von Dünkirchen meldet das Oberkommando der Wehrmacht:

"Am 20. Juli erreicht eine starke Vorausabteilung die Demarkationslinie südlich der Loire. Am folgenden Tagen ist bereits die Division mit allen Teilen gefolgt. Die Stunde des Waffenstillstands. In der Nacht vom 24. zum 25. Juni erleben die deutschen Posten befreites Frankreich. Nach einem Siegeszug, der kein Beispiel kennt in der Geschichte: die Stunde des Waffenstillstands."

Die Waffenstillstandsverhandlungen beginnen. Im Wald von Compiegne, 45 Meilen nördlich von Paris. William Shirer ist dabei, berichtet:

"Hitler und die anderen deutschen Führer erheben sich, als die Franzosen das Salonabteil betreten. Hitler entbietet den Nazigruß mit erhobenem Arm. Die deutschen Offiziere grüßen mit militärischer Ehrenbezeigung. Das gleiche tun die Franzosen."

Die meisten Franzosen sind fassungslos. Die Nazis jubeln. Der Schriftsteller Klaus Mann notiert in seinem Tagebuch:

"Die Nazis in Paris. Das Unvorstellbare. Boulevard St. Germain ... ..Place de la Concorde ... ..die Tritte der Mörder. Cauchemare."

Der Kaufmann Karl Reichenbach ist weiter auf der Flucht vor der Wehrmacht. Die französischen Soldaten sind es auch.

"Ich sehe nur Soldaten in jämmerlichem Zustand. Die Haltung der Bevölkerung zu ihren elenden Landsleuten ist schändlich. Man behandelt sie wie Bettler und lässt sie leiden. Wir sind durch Gegenden gefahren, die schrecklich zerstört sind."

Im Wald von Compiegne stutzt William Shirer während seiner Radioreportage:

"Soweit wir das durch die Fenster hier direkt vor uns erkennen können, sagt Hitler zunächst nichts. Er nickt General Keitel zu. Wir sehen, dass General Keitel seine Unterlagen zurechtlegt. Dann beginnt er, vorzulesen. Er verliest die Präambel der deutschen Bedingungen für einen Waffenstillstand."

OKW-Meldung: "Den Akt der Übergabe der Bedingungen nahm der Führer im Wald von Compiegne in dem gleichen Sitzungswagen vor, in dem Marschall Foch am 11. November 1918 unter entehrenden Umständen den deutschen Unterhändlern den Waffenstillstand diktierte. Die heutige Handlung im Wald vom Compiegne hat begangenes Unrecht gegen die deutsche Waffenehre ausgelöscht."

William Shirer beobachtet diese Szene im Salonwagen und beschreibt sie.

"Die Franzosen sitzen mit versteinerten Gesichtern und hören angespannt zu. Hitlers und Görings Blicke schweifen über die grüne Tischplatte. Wir sehen Hitler sich erheben und mit ausgestrecktem Arm grüßen. Dann verlässt er das Salonabteil. Gefolgt von Göring, General von Brauchitsch, Großadmiral Raeder, Herrn Hess und Herrn Ribbentrop."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

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