Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Frau des Friedensnobelpreis Liu Xiaobo verschwunden

China reagiert hart auf die Entscheidung des Komitees in Oslo

Liu Xiaobo setzte sich für tief greifende politische Reformen in China ein. (AP)
Liu Xiaobo setzte sich für tief greifende politische Reformen in China ein. (AP)

Während die Vergabe des Friedensnobelpreises an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo weltweit auf Zustimmung stößt, reagiert die Führung in Peking drastisch: Sie bestellte den norwegischen Botschafter ein, verhaftete Dutzende Dissidenten und zwang nun auch die Frau von Liu Xiaobo Peking zu verlassen.

Schon Stunden nachdem Ihrem Mann Liu Xiaobo der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde, musste Liu Xia ihre Heimatstadt Peking verlassen. Die Polizei soll sie in die Stadt Jinzhou, wo Liu Xiaobo eine elfjährige Haftstrafe absitzt.

"Ich glaube, der Preis wird bedeuten, dass mein Mann früher zu mir zurückkehren darf", hofft Liu Xia, die aber damit rechnet künftig unter Hausarrest gestellt zu werden.

Der 58-jährige Liu wurde für seinen "langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte in China" ausgezeichnet. Das Komitee glaube, dass zwischen Menschenrechten und Frieden eine enge Verbindung bestehe. Der Oppositionelle, der schon 1989 an den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens beteiligt war, sitzt in China in Haft.

Der Schriftsteller habe sich im eigenen Land immer wieder für die Meinungsfreiheit stark gemacht, erklärte Marcus Hernig, Literaturwissenschaftler in Shanghai, im Deutschlandradio Kultur. Xiaobo gilt als ein Mitverfasser der Charta 08, eines Manifests, das tief greifende politische Reformen in China fordert. Der Schriftsteller und Literaturprofessor war wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. China kritisierte die Auszeichnung an Liu als "Verstoß gegen die Prinzipien" dieser Auszeichnung. Die Entscheidung werde den Beziehungen zwischen Norwegen und China schaden, sie sei "unanständig", teilte das chinesische Außenministerium mit.

"Eine mutige und verdiente Entscheidung"

Die Bundesregierung fordert die Freilassung des Friedensnobelpreisträgers, "dass er aus der Haft freikommt und den Preis selber in Empfang nehmen kann", wie Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte. Die deutsche Regierung habe sich in der Vergangenheit mehrfach für die Freilassung eingesetzt und werde dies auch weiter tun.

Plakate von Liu Xiaobo in Hongkong (AP)Plakate von Liu Xiaobo von Aktivisten der Demokratiebewegung in Hongkong (AP)Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, das Nobelpreiskomitee habe "eine mutige und verdiente Entscheidung" getroffen. Die Verleihung des Preises sei Ansporn und Mahnung, die Arbeit von Menschenrechtsverteidigern weltweit zu unterstützen, sagte der FDP-Politiker.

Der chinesische Publizist Shi Ming sagte im Deutschlandfunk, durch den Friedensnobelpreis werde Liu Xiaobo als Kopf der zivilgesellschaftlichen Bewegung in China anerkannt. Er rechnet nicht damit, dass der Inhaftierte den Preis persönlich entgegennimmt. Doch auch, ob seine Frau nach Stockholm reisen dürfe, sei unklar, erklärte der Publizist.

Liu war bereits wegen seiner Beteiligung an den blutig niedergeschlagenen Protesten auf dem Tiananmen-Platz 1989 im Gefängnis. Die chinesische Regierung hatte in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass sie eine Auszeichnung Lius als "unfreundlichen Akt Norwegens" betrachten würde.



Links auf dradio.de:
Porträt des Friedensnobelpreisträgers
Gespräch mit dem Korrespondenten Albrecht Breitschuh über die Vergabe des Friedensnobelpreises
"Meine Überzeugungen werden sich nie ändern" - Thema (DKultur)
DRadio Wissen über die Vergabe des Friedensnobelpreises
"Enttäuschung" über die Inhaftierung des chinesischen Bürgerrechtlers Liu Xiaobo
Bürgerrechtler Liu Xiaobo steht ab Mittwoch vor Gericht
Die Verhaftung des Schriftstellers und Menschenrechtlers Liu Xiaobo
Wo die Freiheit endet
Chinesische Führung will mit Verhaftung Liu Xiaobos ein Exempel statuieren

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:10 Uhr Informationen am Abend

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

EEG-Reformgipfel"Die Deckelung ist durch nichts gerechtfertigt"

Der baden-württembergische Energie- und Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). (dpa-Bildfunk / Philip Schwarz)

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller schlägt vor, den Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2025 auf 50 Prozent anzuheben. Der Grünen-Politiker sagte im DLF, auch die geplante Deckelung der Windkraft an Land sei fragwürdig. Ebenso müsse der Netzausbau besser vorankommen. Bund und Länder wollen heute Abend über den Ausbau von Ökostrom beraten.

Debatte um Gauland-Äußerungen Sich weltoffen geben, Vorurteile pflegen

Deutsche Fußballfans zeigen vor Spielbeginn ein Plakat mit der Aufschrift "Jerome zieh neben uns ein" beim Länderspiel Deutschland - Slowakei in der WWK-Arena in Augsburg (Bayern). (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Einige Leute führen zwar gerne große Worte von Weltoffenheit im Munde, entpuppen sich aber voller Vorurteile, wenn beispielsweise ein Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft gebaut werden soll. Mit diesem Phänomen beschäftigt sich der Soziologe Armin Nassehi.

NahrungsmittelFrisch oder abgepackt: Was ist leckerer?

Welche Dinge des alltäglichen Küchengebrauchs darf ich auch mal aus der Dose kaufen und welche nicht? Es gibt große Unterschiede, sagt unsere DRadio-Wissen-Küchenfee Tina Kießling.

Kritik am "Milchgipfel""Die Verbraucher können gar nichts tun"

Der stellvertretende Geschäftsführer der Organisation Foodwatch, Matthias Wolfschmidt, auf einem Bild aus dem Jahr 2012. (imago / Metodi Popow)

Millionenhilfen der Politik und im Laden die teurere Milch: Die Maßnahmen und Vorschläge der Bundesregierung brächten gar nichts, sagte Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch im DLF. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt erwecke nur den Anschein, den Landwirten helfen zu wollen.

Nato und RusslandDer Westen schafft eine neue militärische Front

Die Teilnehmer des Außenminister-Treffens der NATO-Länder sitzen im NATO-Hauptquartier in Brüssel zusammen. (picture alliance / dpa / EPA)

Die Nato rücke immer dichter an die europäischen Grenzen Russlands. Dadurch breche sie Vereinbarungen mit Moskau und schaffe eine neue militärische Front wie zu Zeiten des Kalten Krieges, warnt der Hamburger Friedensforscher Reinhard Mutz.

Erster WeltkriegVor 100 Jahren begann die Schlacht am Skagerrak

Ein deutsches Großkampfschiff beim Abfeuern einer Breitseite während der legendären Schlacht von Skagerrak Mai/Juni 1916. (dpa)

Es war die schwerste Auseinandersetzung auf hoher See im Ersten Weltkrieg: Skagerrak-Schlacht – unter diesem Namen kennt man sie in Deutschland. Die Briten sprechen von der "Schlacht von Jütland". 8.500 Seeleute kamen damals ums Leben, vor allem Briten. Heute vor 100 Jahren fiel der erste Schuss. Zu den offiziellen Gedenkfeiern wird auch Bundespräsident Joachim Gauck reisen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Armenien-Resolution  Erdogan interveniert bei Bundeskanzlerin Merkel | mehr

Kulturnachrichten

Freier Eintritt: Besucher-Rekord in Hamburger Kunsthalle  | mehr

Wissensnachrichten

Regel-Studienzeit  Offensichtlich kaum zu schaffen | mehr