Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Frauen und Migranten profitieren von anonymer Bewerbung

Antidiskriminierungsstelle überprüft Chancengleichheit

Wer macht das Rennen um den Job?  (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)
Wer macht das Rennen um den Job? (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)

Anonymisierte Bewerbungen verbessern die Chancengleichheit. Zu diesem Ergebnis kommt ein Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Erfahrungen in Großunternehmen zeigen: Oft lehnen Personalchefs Bewerber wegen Klischees ab.

Frauen, Einwanderer und Ältere sind auf dem Arbeitsmarkt bei Bewerbungen schlechter gestellt als gleich qualifizierte Männer ohne Migrationshintergrund. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und das Institut zur Zukunft der Arbeit fanden gemeinsam mit Unternehmen heraus, dass alle Bewerber erst dann gleiche Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch haben, wenn ihre Bewerbungsunterlagen anonymisiert werden.

In den Unternehmen habe das Pilotprojekt eine "Riesendiskussion" ausgelöst, inwiefern Klischees das Bewerbungsverfahren beeinflussten, sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders. Während die Initiatoren ihr eigenes Projekt über den Klee loben, gibt es auch kritische Stimmen. Forscher fanden heraus, der Modellversuch erhalte kaum Zuspruch in der Wirtschaft.

Besonders das Foto in Bewerbungsunterlagen lenke häufig von der eigentlichen Qualifikation des Bewerbers ab, berichtete Lüders. "Ist die erste Hürde genommen und der Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen, kann er besser seine Qualifikationen deutlich machen." Im Ländervergleich gäben Bewerber in Deutschland bislang "einfach zu viel von sich preis".

Erfahrungen aus Pilotprojekt

Erwerbstätigkeit von Frauen in EU-LändernBei dem Pilotprojekt verzichteten mehr als 8500 Bewerber auf ein Foto sowie Angaben wie Name, Alter, Geschlecht, Herkunft und Familienstand. So schickten Jobsuchende etwa mit türkischen Namen oder Frauen mit Kindern zwischen November 2010 und Dezember 2011 ihre Bewerbung online, per E-Mail oder Post ab. Erst wenn der Arbeitgeber einen Bewerber zum Vorstellungsgespräch einladen wollte, wurden die persönlichen Details bekannt gemacht. Dabei wurden 246 Stellen besetzt. Wie viele Frauen, Einwanderer oder Ältere schließlich eine Stelle bekamen, wurde nicht mitgeteilt.

An dem Projekt hatten sich drei öffentliche Arbeitgeber und fünf große Unternehmen beteiligt wie Deutsche Post, Deutsche Telekom und L'Oréal. Diese Unternehmen seien aber nicht repräsentativ für die deutsche Wirtschaft, sagte der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit, Klaus Zimmermann. Diese Personalabteilungen legen bereits sehr viel wert auf eine ausgeglichenere Bewerberauswahl. Anderswo gebe es ein erhebliches Ausmaß von Diskriminierung. Einige beteiligte Firmen wollen auch weiterhin Bewerbungsverfahren anonymisieren.

Kein Mehraufwand durch Anonymisierung

Ein Frau schafft es zum Vorstellungsgespräch - dazu hat sie mit einer anonymisierten Bewerbung bessere Chancen (dapd / Winfried Rothermel)Ein Frau schafft es zum Vorstellungsgespräch - dazu hat sie mit einer anonymisierten Bewerbung bessere Chancen (dapd / Winfried Rothermel)Befürchtungen, dass das anonymisierte Bewerbungsverfahren zu teuer oder zu aufwendig sei, erwiesen sich in dem Projekt größtenteils als unbegründet. Um das Bewerbungsverfahren für alle Beteiligten effektiver zu gestalten, müssten die Unternehmen ihre Stellenausschreibungen präzisieren.

Die Anonymisierung sei allerdings kein Allheilmittel, hieß es. Eine Chancengleichheit im Bewerbungsprozess könne nicht die Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen im Bildungsbereich und bei Bevölkerungen ausgleichen, sagten Projektteilnehmer.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Feature

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Designierter SPD-KanzlerkandidatMartin Schulz - ein Mann der klaren Worte

Martin Schulz spricht in ein Mikrofon (dpa/picture alliance/Kay Nietfeld)

Martin Schulz habe das EU-Parlament als sein Präsident sichtbarer gemacht, loben ihn sogar Abgeordnete anderer Parteien. Er sei ein Mann mit Ecken und Kanten. Nach seinem Wechsel von Brüssel nach Berlin soll Schulz die SPD in die Bundestagswahl führen.

US-Protektionismus"Ein Trend, mit dem wir uns beschäftigen müssen"

US-Präsident Donald Trump mit dem Dekret zum Ausstieg aus dem Handelsabkommen TPP (pa/dpa/AP/Vucci)

Trumps Wirtschaftspolitik wird die Globalisierung verlangsamen, prophezeit der Ökonom Michael Burda. Aber sie werde der Weltwirtschaft zunächst einen gewissen Schub verpassen. Auch für die EU könnte sich der US-Protektionismus als vorteilhaft erweisen.

ÜberblickIm Dschungel der Freihandelsabkommen

Es war eine der ersten Amtshandlungen von Donald Trump: Aufkündigung der US-Beteiligung aus TPP. Nicht zu verwechseln mit TTIP. Bei der Gesamtzahl an Freihandelsabkommen, die den globalisierten Handel regeln, kann man auch leicht den Überblick verlieren. Etwa 600 Stück gibt es mittlerweile.

EU-Krise"Keine dieser Aufgaben kann ein Nationalstaat alleine bewältigen"

Der Europa-Abgeordnete Elmar Brok während einer Tagung zum Thema Europa in Tutzing (imago / Oryk Haist)

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament blickt Elmar Brok mit Sorge in die Zukunft der EU. Man habe selten vor so vielen Herausforderungen gestanden. Kein Nationalstaat könne diese Aufgaben noch alleine bewältigen, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

US-Protektionismus"Ein Trend, mit dem wir uns beschäftigen müssen"

US-Präsident Donald Trump mit dem Dekret zum Ausstieg aus dem Handelsabkommen TPP (pa/dpa/AP/Vucci)

Trumps Wirtschaftspolitik wird die Globalisierung verlangsamen, prophezeit der Ökonom Michael Burda. Aber sie werde der Weltwirtschaft zunächst einen gewissen Schub verpassen. Auch für die EU könnte sich der US-Protektionismus als vorteilhaft erweisen.

Männerbewegung in der katholischer Kirche Auf der Suche nach der verlorenen Männlichkeit

Schulpfarrer Philippe de Maistre befürwortet Geschlechtertrennung im Unterricht und Initiationsrituale für Jungen. (Bettina Kaps)

Eine neue Männerbewegung breitet sich unter französischen Katholiken aus. Ihre These: In Gottesdiensten und in der Seelsorge würden vor allem weibliche Tugenden propagiert, Männlichkeit habe ein negatives Image. Und so gibt es immer mehr Angebote für katholische Männer, ihre Maskulinität zu entdecken.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Große Koalition  Gabriel sieht Mitverantwortung von CDU/CSU an EU-Krise | mehr

Kulturnachrichten

Elbphilharmonie: Kritik an verkürzter Arte-Übertragung  | mehr

Wissensnachrichten

Gerüche  Pflanzen reagieren anders auf Exoten | mehr