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Freibier, ein Oberpirat und wenige Gäste

In der Münchner Disco P1 hat Horst Seehofer zur Facebook-Party geladen

Von Michael Watzke, Landesstudio Bayern

Der bayerische Ministerpräsident Seehofer feiert seine Facebook-Party in München. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
Der bayerische Ministerpräsident Seehofer feiert seine Facebook-Party in München. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)

Anstatt Tausender Gäste kamen nur einige Hundert: In erster Linie war die Facebook-Party des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer in München ein Medienereignis. Neben Mitgliedern der Jungen Union fanden sich aber auch Freibeuter der Piratenpartei ein.

Plötzlich ist er da - der gefürchtete Flashmob. 100 Menschen stürzen sich auf CSU-Chef Horst Seehofer und schreien ihn an. Allerdings sind es keine Chaoten, auch keine Piraten, vor allem Journalisten sind zur ersten CSU-Facebook-Party gekommen.

"Herr Ministerpräsident, hier!"
"Horsti, hierher!"
"Herr Seehofer, bitte noch mal schauen!"
"Ihr seid normal, jetzt möchte ich mit ganz normalen Leuten reden!"

Ganz normale Leute zu finden, ist schwierig an diesem Abend in der Münchner Nobel-Disco P1. Denn zur ersten Facebook-Party der CSU sind deutlich weniger Facebooker gekommen als erwartet. 2500 Menschen stehen auf der Gästeliste, erschienen sind gerade mal 600.

"Sind ein bisschen wenig Leute da, ist zumindest der Eindruck, den ich habe."
"Ja, man hat fast ein paar mehr Leute erwartet, fast ein bisschen Randale oder so, aber ist ja alles ganz normal."
"Die Presse interviewt die Presse. Ein bisschen Inzest. Hab vorhin gesehen, dass fünf Kamerateams drei Sanitäter gleichzeitig belagert haben."

Die Sanitäter haben genug Zeit, Interviews zu geben. Es gibt nichts zu tun. Auch nicht für die 30 Polizisten, die vorsichtshalber an der Straße patrouillieren und dabei an einem Infostand der Piraten vorbeikommen. Michelle Moser verteilt dort orangefarbene Piratenflyer gegen Studiengebühren:

"Die CSU meint, Netzpolitik zu machen wäre es, Facebook-Partys zu veranstalten und zu sagen: ‚Hallo, ich kann auch Internet.’ Was die CSU nicht verstanden hat, ist, dass es bei Netzpolitik eigentlich um ACTA, um Vorratsdatenspeicherung, um ganz andere Themen geht als: ‚Werdet meine Facebook-Freunde und kriegt ein Freigetränk!’"

Das Freigetränk gibt es an der Bar des P1. Allerdings keine harten Sachen, die muss jeder selber zahlen. Cocktails kosten bis zu 20 Euro. Die meisten Gäste trinken Bier und sind in der Jungen Union.

"Einfach ein bisschen Atmosphäre, ein bisschen Stimmung. Halt das Event genießen. Das P1 in einer anderen Form genießen."

Einige der Gäste tragen Piraten-T-Shirts. Etwa 20 bayerische Freibeuter sind der Einladung der CSU gefolgt und versuchen, durch die Journalistentraube bis zu Horst Seehofer vorzudringen. Auch Stefan Körner, der bayerische Ober-Pirat:

"Ich bin hier, weil ich dem Ministerpräsidenten "Hallo" sagen wollte, wenn er schon zur Party einlädt. Ich dachte mir: bei der Gelegenheit einfach mal vorbeizuschauen, das ist okay, das mach’ ich."

Als Stefan Körner es endlich schafft, überreicht er Horst Seehofer ein besonderes Geschenk. Eines, das der CSU-Chef kurz darauf stolz den feiernden Gästen präsentiert:

"Ich hab sogar vom Vorsitzenden einen Mitgliederausweis bekommen. Ich bin in der Piratenpartei Deutschland das Mitglied Nummer 1337!"

Nur unterschreiben will Seehofer nicht. Schließlich sei er bereits in einer erfolgreichen Partei. Er nippt an einem Cocktailglas und wünscht den Gästen viel Spaß beim Tanzen.

"Das ist ein neuer politischer Stil, der sich eben abhebt von allen, die die letzten 20 Jahre Politik gemacht haben. Das wird zum ersten Mal in Deutschland gemacht, und jetzt sammeln wir unsere Erfahrungen. Und wir werden das auch mehrfach wiederholen."

Da schüttelt Stefan Körner, der bayerische Piratenchef, den Kopf:

"Also ich würde zumindest keine Facebook-Party ins Leben rufen, dafür sorgen, dass massig Journalisten da sind, um dann mit einer Handvoll Gäste zu feiern. Ich glaube, das würde bei uns anders laufen, ja."

Eines zumindest hat Horst Seehofer erreicht: seine Facebook-Seite hat mittlerweile 11.500 Likes, also Nutzer, die angeklickt haben, dass sie Horsti mögen. Vor zwei Wochen waren es erst 3000 Likes. Allerdings könnte diese Zahl bald wieder sinken, wenn es viele Facebook-Freunde so machen wie Partygast Peter Schäfer.

"Na ich hab halt zugesagt und die Facebookseite von Horst Seehofer geliked – und dann gleich wieder disliked. Und dann war ich auf der Gästeliste, und dann passt das."

Denn Peter Schäfer ging es nur um eines: das Freigetränk. Dafür, beichtet der Münchner, hätte er sogar Lothar Matthäus geliked.

Links bei dradio.de:

"Horst 2.0" wirbt um Wählergunst: Bayerns Ministerpräsident Seehofer feiert Facebook-Party

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

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