Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Freiheit für mehr als 100 Palästinenser

Israel ebnet Weg für Friedensverhandlungen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (picture alliance / dpa / Martin H. Simon)
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (picture alliance / dpa / Martin H. Simon)

Lange und kontrovers diskutierte die israelische Regierung – dann das Ergebnis: 104 palästinensische Häftlinge sollen freikommen. Israel will damit eine Bedingung der Palästinenser für neue Friedensverhandlungen erfüllen.

Ein Sprecher von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilte mit, dass eine Kommission jetzt den Auftrag habe, die Häftlinge zur Freilassung auszuwählen. Sie sollen schrittweise in den kommenden neun Monaten freikommen. Netanjahu kommentierte die Entscheidung mit den Worten: "Dies ist kein leichter Augenblick für mich, nicht für das Kabinett und schon gar nicht für die trauernden Familien". Denn unter den seit mehr als 20 Jahren Inhaftierten sind auch Extremisten, die wegen Mordes an Israelis ihre Strafen absitzen.

Palästinenser machten Freilassung zur Bedingung für neue Verhandlungen

Wirtschaftsminister Naftali Bennett von der rechten Siedlerpartei sagte deswegen bei einer Kundgebung Angehöriger von Terroropfern vor dem Regierungsgebäude, "Terroristen sollte man eliminieren und nicht freilassen". Netanjahu hatte die Entscheidung über die Freilassung zuvor in einer Erklärung an sein Volk "äußerst schwierig, unpopulär und schmerzlich", aber zugleich notwendig im Interesse Israels genannt. Die Palästinenser hatten den Beschluss zur Bedingung für ihre Rückkehr an den Verhandlungstisch gemacht. Sie sehen in den Inhaftieren Freiheitskämpfer.

Mit der Freilassung der Inhaftierten ist wohl das letzte Hindernis für neue Friedensgespräche gefallen, die ab Dienstag zum ersten Mal seit drei Jahren wieder in Washington stattfinden sollen. US-Außenminister John Kerry hatte sie in monatelangen Gesprächen eingefädelt. Die israelische Regierung sprach sich jetzt formell dafür aus. Allerdings waren sich die Minister alles andere als einig über die Beschlüsse: 13 von ihnen stimmten dafür, 7 dagegen und 2 enthielten sich.

Ex-US-Botschafter in Israel soll bei Friedensgesprächen vermitteln

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. (AP)Palästinenserpräsident Mahmud Abbas (AP)Netanjahu sagte, in den kommenden neun Monaten werde sich zeigen, ob die Palästinenser tatsächlich daran interessiert seien, den Konflikt mit Israel beizulegen. Ein Ende werde aber nur möglich sein, wenn die Sicherheit und grundlegenden Interessen Israels gewahrt blieben, so Netanjahu weiter. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bestätigte in Ramallah, dass der frühere US-Botschafter in Israel, Martin Indyk, die Verhandlungen als US-Vermittler begleiten werde.

Ziel der Verhandlungen ist eine Zweistaaten-Lösung, die Israel Sicherheit garantiert und den Palästinensern einen lebensfähigen eigenen Staat zugesteht. Doch am palästinensischen Regierungssitz in Ramallah demonstrierten am Sonntag hunderte Palästinenser gegen Frieden mit Israel. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Einige von ihnen riefen: "Die Sache wird nur mit der Waffe in der Hand gelöst." Falls die Friedensverhandlungen ein Ergebnis bringen, will die israelische Regierung ihr Volk darüber abstimmen lassen. Netanjahu betonte, es sei wichtig, dass jeder Bürger direkt über eine derartige schicksalhafte Entscheidung entscheiden könne.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Neue Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern - Kritik an EU wegen neuen Regelungen für Fördergelder
Gespräche im Nahost-Konflikt werden "nicht von Erfolg gekrönt sein" - Nahost-Experte rechnet mit Scheitern der amerikanischen Vermittlungsversuche
Über alle Grenzen hinweg - Mit der Straßenbahn durch Jerusalem
Palästinensischer Regierungschef gibt auf - Rami Hamdallah will nach nur 18 Tagen im Amt zurücktreten

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 08:50 Uhr Presseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

TV-DebatteEindeutiger Punktsieg für Clinton

Hillary Clinton (R) und Donald Trump kurz vor dem TV-Duell. (dpa / picture alliance / EPA / ANDREW GOMBERT)

Hillary Clinton hat das erste TV-Duell gegen Donald Trump gewonnen: Das zeigen erste Umfragen und die Kommentare der internationalen Medien. Nur auf einem Feld konnte der US-Republikaner überzeugen.

Zehn Jahre Islamkonferenz "Die Organisationen müssen zur Demokratie verpflichtet werden"

Necla Kelek, Publizistin und Islam-Kritikerin während der ARD-Talksendung "Anne Will". (picture alliance / dpa / Karlheinz Schindler)

Die Soziologin Necla Kelek hält die Islamkonferenz für gescheitert. Die Bundesregierung müsse die Organisationen zur Demokratie verpflichten - auch was die Gleichberechtigung von Mann und Frau betreffe.

Vor 75 JahrenDas erste Elektroauto wird vorgestellt

"Ich fahre mit Strom" steht an einem elektrisch angetriebenen Opel Ampera, der am 27.04.2016 in Halle (Sachsen-Anhalt) an einer Ladesäule von EnviaM geladen wird. (dpa / picture alliance / Jan Woitas)

Elektroautos erlebten bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine kurze Blütezeit, wurden dann jedoch vom Bezinauto verdrängt. Erst als Treibstoff im Zweiten Weltkrieg knapp wurde, entdeckten französische Ingenieure den Stromantrieb wieder.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

US-Präsidentschaftswahlen  Clinton und Trump liefern sich erbittertes Rededuell | mehr

Kulturnachrichten

Kulturstaatsministerin will Literatur stärker fördern  | mehr

Wissensnachrichten

Tiere in der Stadt  Berlin ist eine Wildschwein-Insel | mehr