Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Freiheit und Gerechtigkeit"

Antrittsrede von Bundespräsident Gauck

Applaus. Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Applaus. Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Bundespräsident Gauck hat in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat seinen Amtseid abgelegt. In seiner Antrittsrede skizzierte er die Schwerpunkte seiner Amtszeit. Er wolle für ein Deutschland werben, in dem Freiheit und Gerechtigkeit verbunden seien, sagte Gauck.

"Wie kann es aussehen, das Land, zu dem unsere Kinder und Enkel sagen: 'Unser Land'?" Diese Frage stellte Gauck ins Zentrum seiner Rede. Seine Antwort: "Es soll unser Land sein, weil unser Land soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Aufstiegschancen verbindet." Man dürfe es nicht dulden, dass Menschen den Eindruck hätten, Leistung lohne sich nicht mehr, dass Menschen sich nicht als Teil der Gesellschaft fühlten. "Freiheit ist eine notwendige Bedingung von Gerechtigkeit", sagte der 72-Jährige. Denn der Weg zu Gerechtigkeit lasse sich nur durch eine demokratische Diskussion finden. Zudem sinke ohne soziale Gerechtigkeit das Vertrauen in die Demokratie.

Joachim Gauck plädierte für mehr politisches Engagement der Menschen. Die aktive Bürgerbewegung sei eine Stütze der Demokratie. Es mache ihm Sorge, wenn die Beteiligung an Wahlen niedrig sei oder wenn Gewerkschaftsarbeit als "uncool" gelte. "Wem Teilhabe möglich ist, und wer ohne Not auf sie verzichtet, vergibt eine der größten und schönsten Möglichkeiten des menschlichen Daseins: Verantwortung zu leben", betonte der Bundespräsident. Er kündigte an, die Arbeit seines Amtsvorgängers Christian Wulff fortzusetzen. Dessen Anliegen, für eine offene Gesellschaft zu werben, werde auch ihm beständig am Herzen liegen. Mit Blick auf die Krise des Euro sagte Gauck, gerade in der Krise müsse es heißen: "Wir wollen mehr Europa wagen."

Die Antrittsrede von Joachim Gauck im Wortlaut

Lammert: Neues Kapitel der Einheitsgeschichte

Verteidigungsminister Thomas de Maizière empfängt den neuen Bundespräsidenten vor Schloss Bellevue (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)Verteidigungsminister Thomas de Maizière empfängt den neuen Bundespräsidenten vor Schloss Bellevue (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte zu Beginn der Sitzung daran erinnert, dass Gauck in der DDR Unfreiheit erlebt habe. "Mit Ihrer Wahl schreibt die deutsche Einheitsgeschichte ein neues Kapitel", sagte Lammert. Er dankte zudem dem zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff für seine politische Arbeit.

Bundesratspräsident Horst Seehofer, der das Amt des Bundespräsidenten kommissarisch ausgeführt hatte, erklärte, Wulff habe wichtige Impulse gesetzt: "Sie haben immer wieder für den Dialog der Kulturen geworben." Wulff sei für die Grundwerte einer offenen Gesellschaft eingetreten. Zu dessen Nachfolger sagte Seehofer, Joachim Gauck stehe wie kaum ein zweiter für den Satz der friedlichen Revolution von 1990 "Wir sind ein Volk". Gauck sei ein Vorbild, er stehe für Mut, Zukunftsoptimismus und für den würdevollen Umgang miteinander.

Nach der Vereidigung wurde der neue Bundespräsident mit militärischen Ehren an seinem Amtssitz Schloss Bellevue empfangen. Anfang kommender Woche will er mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt zur ersten Auslandsreise aufbrechen. Das Ziel ist die polnische Hauptstadt Warschau.

Positive Reaktionen aus allen Bundestagsfraktionen

Die Reaktionen auf die Antrittsrede von Joachim Gauck waren bei allen im Bundestag vertretenen Parteien positiv. Für die Unionsfraktion sagte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Peter Altmaier, es sei eine ermutigende und sehr optimistische Ansprache gewesen. SPD-Chef Sigmar Gabriel ging noch weiter und erklärte, es sei die beste Rede gewesen, die er bislang im Deutschen Bundestag gehört habe. FDP-Chef Philipp Rösler nannte Gauck einen "Präsidenten der Freiheit". Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin teilte mit, er habe festgestellt, dass das Land einen guten Bundespräsidenten habe. Auch die Linksfraktion zeigte sich angetan.

Der elfte Präsident der Bundesrepublik

Joachim Gauck ist der elfte Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Die Bundesversammlung hatte den früheren DDR-Bürgerrechtler am vergangenen Sonntag im ersten Wahlgang mit 991 von 1228 gültigen Stimmen zum Nachfolger des zurückgetretenen Christian Wulff gewählt. Bereits seit der Annahme der Wahl war Gauck offiziell im Amt, mit allen Rechten und Pflichten.

Mehr zum Thema bei dradio.de:
Einzug ins Schloss Bellevue - Bundespräsident Gauck übernimmt Amtsgeschäfte

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:30 Uhr Kulturfragen

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Festival "Theater der Welt"Weltpremiere in Hamburg

Probe des Stückes "Children of Gods"  (picture alliance/dpa/Foto: Christophe Gateau)

Das Festival "Theater der Welt" hat 45 nationale und internationale Produktionen nach Hamburg eingeladen. Darunter auch das Stück "Children of Gods" von Lemi Ponifasio. Unser Kulturmagazin "Fazit" wird live von der Eröffnung berichten.

Merkel, Macron und die 26 anderenAussichten auf eine Reform der Europäische Union

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfängt den französischen Präsidenten Emmanuel Macron am 15.05.2017 in Berlin. ( Michael Kappeler/dpa)

Die Europäische Union ringt um ihren Zusammenhalt. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat daher Reform-Vorschläge gemacht: Die Eurozone soll ein eigenes Parlament, einen eigenen Finanzminister und ein eigenes Budget bekommen. Deutschland zeigt sich gesprächsbereit.

MietenexplosionKleines Gewerbe in großen Städten ist bedroht

Eine Mutter mit Kleinkind geht an einem Buchladen mit gebrauchten Büchern in der Weserstraße in Berlin-Neukölln vorbei, aufgenommen 2012 (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)

Ein Teeladen, eine Buchhandlung, eine Bäckerei – sie alle bekamen zum Jahreswechsel die Kündigung, weil sie die geforderten Mieterhöhungen nicht zahlen können. Sechs Monate bleiben den drei Gewerbetreibenden aus Berlin – so lange läuft die Kündigungsfrist. Umziehen? Kämpfen? Oder kapitulieren?

LebensmittelSeetang als Salzersatz

Zu viel Salz ist nicht gut für uns. Wissen wir! Machen wir aber trotzdem. Seetang könnte vielleicht ein Ersatz sein. Wobei: Ein leicht fischiger Beigeschmack bleibt wohl. Doch Forscher suchen nach einer Lösung.

Reich werdenDie erste Million ist die schwerste!

US-Dollar-Scheine (picture alliance / dpa / Xie Zhengyi)

Geld regiert die Welt - im Fall von Donald Trumps Kabinett mit mehreren Milliardären und Multimillionären scheint das buchstäblich zuzutreffen. Doch wie wird man eigentlich reich und sind wir auf dem Weg zu einer globalen Oligarchie?

Religion und Politik"Wir können von Muslimen lernen"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht am 25.03.2017 bei der Landesvertreterversammlung der CDU Baden-Württemberg in der Stadthalle in Sindelfingen (Baden-Württemberg) zu Parteimitgliedern.  (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht in der steigenden Zahl der Muslime in Deutschland eine Chance. Wenn man die Ordnung des Grundgesetzes leben und verwirklichen wolle, müsse man in einen Dialog treten, wie man zusammenlebe, sagte der CDU-Politiker im DLF. Er stehe zu seinem Satz "Der Islam ist ein Teil Deutschlands". Das sei eine nüchterne Beschreibung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nach der Trump-Kritik  Zusagen von Nato-Staaten | mehr

Kulturnachrichten

Barack Obama bekommt den Deutschen Medienpreis  | mehr

 

| mehr