Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Freude über Klima-Fahrplan, Skepsis bei Reduktionszielen

CDU-Politiker loben Beschlüsse von Durban - nur der Bundespräsident nicht

Klimakonferenz in Durban (dpa / picture alliance / Nic Bothma)
Klimakonferenz in Durban (dpa / picture alliance / Nic Bothma)

Bundespräsident Christian Wulff hat die Ergebnisse des Klimagipfels zurückhaltend bewertet. Er sagte auf einer Wirtschaftskonferenz in Abu Dhabi, das Treffen habe gezeigt, wie weit der Weg zu einem Kyoto-Nachfolgeprotokoll noch sei.

Vor Vertretern der Handelskammer Abu Dhabi plädierte der Bundespräsident für eine vertiefte Zusammenarbeit im Umweltschutz, bei erneuerbaren Energien und bei Lösungen für deren Einbindung in das Stromversorgungssystem der führenden Technologie-Länder.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger sagte: "Besser als gar nichts. Ich freue mich, dass wir einen Fahrplan haben. Es kommt jetzt darauf an, dass namentlich die Amerikaner, die Chinesen, die Inder es ernst meinen." Sie müssten dabei helfen, dass eine verbindliche, dauerhafte Lösung zustande komme.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte gesagt: "Das Paket von Durban ist ein großer, wegweisender Erfolg für den Klimaschutz." Die Opposition im Bundestag und deutsche Umweltverbände hatten bereits am Sonntag deutliche Kritik an den Ergebnissen der Konferenz geübt.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion bezeichnete die Beschlüsse von Durban als großen Erfolg. Der Fahrplan für ein globales Klimaschutzabkommen, das auch die großen Emittenten in die Pflicht nehme, sei ein großer Schritt nach vorn, sagte ihr stellvertretender Vorsitzender Christian Ruck. Die Hartnäckigkeit der EU und insbesondere Deutschlands habe sich ausgezahlt. "Deutschland bleibt im internationalen Klimaschutz treibende und führende Kraft", sagte Ruck.

Auch der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, hat die Ergebnisse des UN-Klimagipfels als "großen Erfolg" gewertet. Der Weg sei jetzt frei für einen verbindlichen Klimavertrag, an dem alle Staaten beteiligt seien,
sagte Flasbarth im Deutschlandradio Kultur. Nun stehe ein Jahrzehnt größter Anstrengung auch auf freiwilliger Basis bevor.

Ex-Umweltminister Klaus Töpfer begrüßt den Beschluss von Durban, bis 2015 ein verbindliches neues Abkommen auszuhandeln. "Das kann ein historisches Treffen gewesen sein, wenn jetzt die damit verbundenen Meilensteine für kommende Verhandlungen auch wirklich tragfähig gemacht werden", sagte der Exekutivdirektor des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit (IASS) in Potsdam im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Nach Durban bleibt der Klimaschutz auf der Tagesordnung, und zwar schlicht und ergreifend, weil über ihn weiter verhandelt wird, meint Theo Geers in seinem Kommentar im Deutschlandfunk. Das sei keine gottgegebene Selbstverständlichkeit, da es starke Kräfte gebe, die trotz erdrückender Erkenntnisse von Klimawandel und Klimaschutz immer noch nichts wissen wollten.

Für den Umweltökonom Nico Paech geht es beim Klimaschutz auch grundsätzlich um den westlichen Lebensstil, "der nicht nur Zeit kostet, sondern eben auch ökologische Ressourcen in Anspruch nimmt". Der Planet bewege sich immer mehr auf einen ökologischen Kollaps zu, "den wir zwar noch verhindern können, aber tun müssen wir schon etwas dafür. Das heißt, vor allem weniger tun", sagte Paech im Interview mit Deutschlandradio Kultur. Das bisherige Wohlstandmodell werde sich demnächst "von alleine verabschieden".

Weitere Beiträge zum Klimagipfel im Deutschlandradio:

Kommentar: Zwei-Grad-Ziel in weiter Ferne

Interview: Geschäftsführer von Germanwatch kritisiert den Verlauf der Klimakonferenz in Südafrika

Neue Bündniskonstellationen mit Sprengkraft

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:05 Uhr Campus & Karriere

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:30 Uhr Vollbild

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Digitalpolitik im WahlkampfViele Ideen, wenig Gemeinsamkeiten

Im Vordergrund ein Router für das Internet, im Hintergrund Kühe auf einer Weide, aufgenommen bei Bücheloh. Der Ausbau der Breitbandversorgung auf dem Land läuft nur schleppend. Schnelles Internet ist oft nur in Ballungsgebieten verfügbar. (picture alliance / dpa / Michael Reichel)

Cyberabwehr, Digitalministerium, Breitbandausbau: Nur einige Stichworte, mit denen die großen Parteien im Bundestagswahlkampf punkten wollen. Inzwischen haben alle ihre Vorschläge zur Digitalpolitik vorgelegt. Dabei liegen die Ideen der Parteien weit auseinander und sind häufig recht vage.

Michael Haller über die Rolle der MedienUnkritische Übernahme von Positionen

Eine Frau und ein Mann mit einem Regenschirm mit der Aufschrift "Refugees welcome" nehmen in der Innenstadt in Hamburg an einer Demonstration für die Rechte von Flüchtlingen teil. (Daniel Bockwoldt, dpa picture-alliance)

Als 2015 immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen, hätten die Medien in ihrer Berichterstattung die "Position der Bundesregierung" weitgehend übernommen und andere Meinungen ausgeblendet, sagt Kommunikationswissenschaftler Michael Haller. Er hat eine Studie zum Thema geleitet.

Die Schriftstellerin Jane AustenVerführung, Stolz und Sinnlichkeit

Ein Porträt von Jane Austen. (imago stock & people)

Anfang des 19. Jahrhunderts war es für unvermögende Frauen noch aussichtslos, ein selbstbestimmtes, glückliches Leben zu führen, wenn sie nicht eine gute Partie machten. Da schuf Jane Austen (1775 - 1817) in ihrem Roman "Stolz und Vorurteil" mit eines der berühmtesten Liebespaare der englischen Literatur.

Britische LiteraturZu Besuch bei Graham Swift

Graham Swift in einer Aufnahme vom Juni 2016. (imago/Leemage)

Graham Swift ist einer großen britischen Gegenwartsautoren. Sein aktueller Roman "Mothering Sunday - in der deutschen Ausgabe "Ein Festtag" - wurde gerade mit einem der renommiertesten britischen Literaturpreise ausgezeichnet. Ein Besuch bei Swift in London.

Wassermusik-FestivalGänsehautmomente an der Spree

Die Musikerin Oumou Sangaré aus Mali bei einem Auftritt in London im Juli 2017 (Bild: imago stock&people)  (imago stock&people)

Zum zehnjährigen Jubiläum von Wassermusik, dem Weltmusik-Festival aus Berlin, kommen Bands, die entweder noch nie dabei sein konnten oder nachhaltig Eindruck gemacht haben. "Eigentlich würde ich gerne das Doppelte an Künstlern einladen", sagte Detlef Diederichsen vom Haus der Kulturen der Welt im Corsogespräch.

Jüdische Einwanderung nach PalästinaWarum aus Akademikern Landwirte wurden

Ein jüdischer Landwirt auf einer Fotografie aus den Dreißigern (imago / United Archives)

Mit wenig mehr als ein paar Habseligkeiten und der Hoffnung auf ein besseres Leben, erreichten in den 1930er Jahren die sogenannten Jeckes, deutschsprachige Juden, Palästina. Aus Akademikern wurden Landwirte, die versuchten den kargen Wüstenboden fruchtbar zu machen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  EU-Kommissar unterstützt deutschen Kurs | mehr

Kulturnachrichten

Kritik am neuen Volksbühnen- Programm  | mehr

 

| mehr