Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Frieden in Stuttgart? Keiner macht mit!

Verhaltene Reaktionen auf Kompromissvorschlag für "Stuttgart 21"

Schlichter Heiner Geißler: Kompromiss auf 16 Seiten  (picture alliance / dpa / Susanne Kern)
Schlichter Heiner Geißler: Kompromiss auf 16 Seiten (picture alliance / dpa / Susanne Kern)

Schlichter Heiner Geißler hat eine Kombination aus Kopf- und Tiefbahnhof in Stuttgart vorgeschlagen. Der alte Bahnhof könnte dann bestehen bleiben. Doch die Bahn hat Tatsachen geschaffen und mittlerweile ein Viertel der Bauaufträge für den umstrittenen Neubau vergeben. Auch die Politik kann sich bisher für Geißlers Vorschlag nicht erwärmen.

"Frieden in Stuttgart" - so hat Schlichter Heiner Geißler seinen 16-seitigen Kompromissvorschlag für den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof überschrieben. Er hat das Papier gemeinsam mit dem Schweizer Verkehrsberatungsbüro SMA erarbeitet - es ist dasselbe Büro, das auch den so genannten Stresstest für den nach wie vor umstrittenen Bahnhofsneubau durchgeführt hat. Gestern zog Geißler das Papier im Stuttgarter Rathaus aus der Tasche.

Geißlers Vorschläge:
- Es soll ein vier- statt achtgleisiger Tiefbahnhof gebaut werden.
- Der Fernverkehr soll in diesem neuen Tiefbahnhof abgewickelt werden.
- Der alte Bahnhof bleibt für den Nahverkehr erhalten.
- Einen Namen hat die Variante auch, "SK22", nennt Geißler sie.

Der Stuttgarter Hauptbahnhof und das Gelände von Stuttgart 21 (picture alliance / dpa / Benjamin Beytekin)Der Stuttgarter Hauptbahnhof und das Gelände von Stuttgart 21 (picture alliance / dpa / Benjamin Beytekin)

Die Deutsche Bahn schafft Fakten

Trotz des Kompromissvorschlags von Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler hat die Deutsche Bahn am Samstag Bauaufträge für das Projekt im Gesamtwert von 750 Millionen Euro vergeben. Das bestätigte der Infrastrukturvorstand der Bahn AG, Volker Kefer, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Damit sind ein Viertel aller Stuttgart-21-Aufträge bereits vergeben. Man habe noch den Stresstest abwarten wollen. Der sei aber nun positiv ausgefallen. "Und jetzt machen wir weiter", so Kefer.

Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer lehnt Geißlers Vorschlag ab. Es sei eine "uralte Variante", die vor ein paar Jahren schon einmal verworfen worden sei, kommentierte er in der "Passauer Neuen Presse".

Stuttgarts Oberbürgermeister, Wolfgang Schuster, äußert sich ebenfalls kritisch. Man habe da "nur eine Kombination aller Problemfälle und aller Nachteile von den beiden Lösungen", ließ er verlauten. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Bahn jetzt darauf einsteigen wolle.

Zurückhaltende Äußerung aus der baden-württembergischen SPD

Auch Martin Revoir, stellvertretender Vorsitzender der SPD in Baden-Württemberg, bezweifelte im Deutschlandfunk, dass nun "eine Befriedung eintritt". Das Konzept sei "identisch mit einer Variante, die (...) Ende der 90er-Jahre geprüft und verworfen worden ist", sagte er (MP3-Audio).

Als engagiertester Anhänger des Geißler-Vorschlags erweist sich bisher der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Er hob im Deutschlandfunk hervor, dass der Vorschlag immerhin aus der Feder derjenigen Profis stamme, die den Stresstest verantwortet hätten (MP3-Audio).

Palmer zeigte sich angetan, zusätzliche Gleise unter die Erde zu legen, aber den alten Bahnhof zu erhalten - und nannte die Variante "überraschend". Das Büro SMA habe da etwas erdacht, "das letztendlich eine Milliarde Euro weniger kostet und schnelleren und besseren Bahnverkehr erlaubt", so Palmer. Man solle darüber ernsthaft nachdenken.


Weitere Informationen zum Thema auf dradio.de:

Interview mit Walter Sittler: "Stuttgart ist im Moment einer der besten Bahnhöfe" (DLF)
Stuttgart 21 besteht Stresstest (DLF)
Stress mit dem Test - Streit um das Stuttgart-21-Gutachten (DLF)
Interview mit Tübingens grünem OB Boris Palmer: "Stuttgart 21 ist durchgefallen" (DKultur)
Interview: "Stresstestziel ist nicht realistisch" (DKultur)
Interview: Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann kritisiert Veröffentlichung des Stuttgart-21-Stresstests (DLF)
Kommentar: Stuttgart 21 nimmt die größte Hürde - ein schwerer Schlag ins Kontor für die Bahnhofsgegner (DLF)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Rock et cetera

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Interpretationen

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

KaltwetterStarthilfe mit Kabel und Seil

Es ist kalt geworden. Toll! Sagen die einen. Da schmeckt der Glühwein besser. Doof! Finden die anderen. Weil sie morgens (noch) früher aufstehen müssen, um Autoscheiben zu kratzen. Eis weg, Motor an… Denkste. Nur ein unmotiviertes Restgeräusch ist zu hören. Diagnose: Batterie leer. Aber keine Sorge, wir helfen euch …
      

"Falter"-Chefredakteur zur Wahl in Österreich"Der Wahlkampf hat die Leute mürbe gemacht"

Zwei Wahlplakate der Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen in Wien. (picture-alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

Österreich sei bei der heutigen Bundespräsidenten-Wahl "gespalten", sagt "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk. Mit Ex-Grünen-Chef Van der Bellen und FPÖ-Kandidat Hofer treten zwei "äußerste Pole" im politischen Spektrum gegeneinander an.

RE: Das Kapital (4/6)Der Niedergang des Kapitalismus

Die Warenterminbörse New York Mercantile Exchange (Nymex) in New York City von oben.  (imago/UPI Photo)

Marx hielt den Sieg des Proletariats für unvermeidlich. Doch wie lange wird es dem Kapitalismus noch gelingen, seinen Niedergang zu verhindern? Mit dieser Frage befasst sich der Wirtschaftsjournalist Paul Mason im vierten Teil der Sendereihe "Das Kapital".

Altenpflege"Die Generation, die gerade gepflegt wird, hat tierisch Bock auf Poesie"

Heike Jakobi vom ehrenamtlichen Kranken-Lotsendienst schiebt einen Patienten zur Therapie im Albertinen-Haus in Hamburg. (dpa / Christian Charisius)

Er ist Poetryslammer und ist mit Redensarten bekannt geworden. Das ist aber nur eine Seite von Lars Rüppel. Er beschäftigt sich nämlich auch mit Demenz. Und wie Gedichte und Poesie bei dieser Erkrankung helfen können.
      

Vier Fassbinder-Darstellerinnen in einem "Tatort""Ein bisschen wie Parfüm-Mischen"

Isolde (Irm Hermann), Margarethe (Margit Carstensen) und Catharina (Hanna Schygulla) freuen sich gemeinsam mit Klara (Eva Mattes) an ihrem nächtlichen Feuerritual. Im Bodensee-Tatort "Wofür es sich zu leben lohnt". (SWR-Pressestelle/Fotoredaktion)

Im letzten Bodensee-"Tatort" kommen die vier Fassbinder-Schauspielerinnen Hanna Schygulla, Margit Carstensen, Irm Hermann und Eva Mattes zusammen. Das gleiche einer Parfüm-Mischung, sagt Schygulla. Jede habe "ihren eigenen Duft".

CSU-Politiker Söder"Europa ist heute so schwach wie noch nie"

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) (picture-alliance / dpa / Matthias Balk)

Europa habe durch Deutschlands Grenzöffnung für die Flüchtlinge im vergangenen Jahr Schaden genommen, sagte der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) im Deutschlandfunk. Europa sei zudem so zerstritten wie noch nie und nicht in der Lage, mit einer Stimme auf Herausforderungen zu reagieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Österreich  Stichwahl ums Präsidentenamt - Van der Bellen gegen Hofer | mehr

Kulturnachrichten

Dönhoff-Preisträger Kermani fordert Visionen für Europa  | mehr

Wissensnachrichten

Steigende Nachfrage  Der Kirche fehlen die Exorzisten | mehr