Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Friedensnobelpreis geht an drei Bürgerrechtlerinnen

Preisträgerinnen kommen aus Liberia und dem Jemen

Ausgezeichnet: Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. (picture alliance / dpa / Abaca Olivier Douliery)
Ausgezeichnet: Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. (picture alliance / dpa / Abaca Olivier Douliery)

Drei Frauen teilen sich den diesjährigen Friedensnobelpreis: Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, die liberianische Menschenrechtlerin Leymah Gbowee und die junge Journalistin Tawakkul Karman aus dem Jemen.

Sie würden für ihren "gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und für das Recht der Frauen auf eine vollständige Beteiligung an der Schaffung von Frieden" gewürdigt, teilte das Nobelkomitee in Oslo mit. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass der Preis an drei Frauen zugleich verliehen wird.

Die Journalistin Tawakkul Karman aus dem Jemen. (AP)Die Journalistin Tawakkul Karman aus dem Jemen. (AP)Die 72-jährige Johnson-Sirleaf wurde im Jahr 2006 die erste demokratisch gewählte Präsidentin eines afrikanischen Landes. Sie setzt sich seither in dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land für die Förderung von Frauen ein. Die 39 Jahre alte Gbowee engagiert sich ebenfalls in Liberia für eine bessere Wahlbeteiligung von Frauen.

Die 32-jährige Karman ist Vorsitzende der jemenitischen Vereinigung "Journalistinnen ohne Ketten". Sie kämpft für die Pressefreiheit und gehört zu den Anführerinnen der friedlichen Proteste gegen die Diktatur unter Präsident Ali Abdullah Salih.

"Wir haben ein wichtiges Signal gesendet, dass es ohne Einbeziehung der Frauen keine Demokratie und keine friedliche Entwicklung geben kann", sagte der norwegische Komiteechef Thorbjørn Jagland. Dies sei eines der wichtigsten Themen in der islamischen Welt.

Die Bürgerrechtlerin Leymah Gbowee aus Liberia. (AP)Die liberianische Bürgerrechtlerin Leymah Gbowee. (AP)

Positive Reaktionen aus Politik und Medien

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte den Preisträgerinnen. Die Auszeichnung zeige, dass der Einsatz für die Frauenrechte "echte Friedensarbeit" sei, so Merkel.

Der Buchautor und langjährige "Zeit"-Reporter Bartholomäus Grill sagte im Deutschlandradio Kultur, dass mit der Entscheidung "das Selbstbewusstsein aller Frauen in Afrika" gestärkt werde. Auch Barbara Lochbihler, Europaabgeordnete von Bündnis 90/Grüne und Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Europäischen Parlaments, begrüßte die Wahl des Nobelkomitees. Alle drei Frauen hätten sich in Kriegssituationen "außerordentlich mutig und klug verhalten", sagte sie.

241 Nominierte - so viele wie nie zuvor

Vor der Bekanntgabe wurde auf einen Preisträger aus der Demokratiebewegung in Nordafrika spekuliert. Im Gespräch waren zum Beispiel die "Bewegung des 6. April" und der ägyptische Google-Manager Wael Ghonim, die eine maßgebliche Rolle bei den Massenprotesten in Kairo spielten. Auch die ägyptische Aktivistin Israa Abdel Fattah und die tunesische Bloggerin Lina Ben Mhenni wurden als Favoriten gehandelt. Mit 241 Vorschlägen waren dieses Jahr so viele Kandidaten nominiert wie nie zuvor.

Der Friedensnobelpreis wurde vom schwedischen Unternehmer Alfred Nobel gestiftet und erstmals 1901 verliehen. Er ist mit 1,1 Millionen Euro dotiert und gilt als wichtigste Auszeichnung für Verdienste um den Frieden weltweit. Er wird am 10. Dezember - dem Todestag Nobels - in Oslo verliehen. Vergangenes Jahr ging der Preis an den inhaftierten chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo, der zur Verleihung jedoch nicht ausreisen durfte.


Links bei dradio.de:

DRadio Wissen "Tagesthema": Gespräche und Beiträge zu Geschichte und Gegenwart des Friedensnobelpreises

Deutschlandradio Kultur "Thema": Afrika-Kenner und Frauenrechtlerin loben Würdigung der drei Nobelpreisträgerinnen



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Albert Speer und seine HelferMär vom unpolitischen Technokraten

Projektionen historischer Dokumente sind in Nürnberg während der Ausstellung "Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit" im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zu sehen. (dpa / Daniel Karmann)

Albert Speer war der Lieblingsarchitekt Hitlers. Er wurde als Kriegsverbrecher verurteilt und ließ nach seiner Entlassung 1966 nichts unversucht, sich als unpolitischen Technokraten zu präsentieren, der verführt worden sei. Diese Legende wurde gern geglaubt – und inzwischen widerlegt.

FDP-ParteitagJa mit Aber zur doppelten Staatsbürgerschaft

FDP-Parteitag am 28. April 2017 in Berlin: Parteichef Christian Lindner hält eine Rede. (AFP / Tobias Schwarz)

Diskussionen um den Doppelpass haben das Potenzial für hitzige innerparteiliche Kontroversen. So auch auf dem Berliner Parteitag der FDP. Unsere Autorin war dabei und fasst die Beratungen über das Wahlprogramm der Liberalen zusammen.

Wavepool statt MeerAuf der Suche nach der perfekten Welle

Der Amerikaner Kelly Slater beim Wellenreiten in Brasilien. (imago/WSL)

Wellenreiten liegt im Trend. Bei den olympischen Spielen 2020 wird die Sportart deshalb erstmals vertreten sein. Weil viele Surfbegeisterte für die perfekte Welle nicht mehr so weit reisen wollen, ist ein Wettlauf um die Schaffung künstlicher Wellen entbrannt.

Joschka Fischer"Marine Le Pen wäre für Deutschland der Super-GAU"

Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) sitzt am 12.03.2015 im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf der Bühne, wo er über sein neues Buch "Scheitert Europa?" spricht. (dpa)

Deutschland könne Europa nicht alleine führen, sagte der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer im Deutschlandfunk. Von daher sei es für die EU und Deutschland existenziell, dass Marine Le Pen, die Frankreich aus der EU führen will, nicht französische Präsidentin werde. Ein anderer Wahlausgang wäre katastrophal.

Der Adel und der Wald in DeutschlandUnterwegs durch Privatwälder

Philipp zu Guttenberg – Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. (Deutschlandradio / Nana Brink)

Die "Deutschlandrundfahrt" spaziert sowohl mit adeligen Waldbesitzern durch ihr Refugium als auch mit einem Waldphilosophen durch den Dschungel der Eigentumsfragen.

70 Jahre nach der "Aktion Weichsel"Gedenken an die Vertreibung der Ukrainer

Der Marktplatz von Przemysl. (imago/Brockes)

Vor 70 Jahren wurden über 100.000 Ukrainer aus Südostpolen zwangsumgesiedelt. An der sogenannten Aktion Weichsel wurde nun im südostpolnischen Przemyśl gedacht. Doch die nationalkonservative PiS-Regierung will die Erinnerung nicht unterstützen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundespräsident  "Demokratische Freiheiten sind in Gefahr" | mehr

Kulturnachrichten

Benslama: "Radikalisierung ist oft Zufall"  | mehr

 

| mehr