Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Friedliche Proteste gegen Islam-Schmähfilm

Weltweit sprechen sich Muslime gegen Gewalt aus

Muslime demonstrieren in Dortmund für gegen Mohammed-Film (picture alliance / dpa / Marcus Simaitis)
Muslime demonstrieren in Dortmund für gegen Mohammed-Film (picture alliance / dpa / Marcus Simaitis)

Das umstrittene Mohammed-Video "Innocence of Muslims" sorgt weiterhin für Proteste. Gestern demonstrierten in Deutschland Hunderte Muslime gegen das Video. Gleichzeitig sprachen sie sich gegen Gewalt und für Toleranz aus. Auch deutsche Politiker fordern nun ein Vorführ-Verbot.

In Dortmund zogen am Samstag 1500 Muslime durch die Innenstadt; forderten auf Plakaten "Nein zu Gewalt, Ja zu Toleranz" und "Respekt für alle Religionen. Stoppt den Film, stoppt den Spott!" Einige Teilnehmer hielten Deutschlandfahnen hoch und zeigten Bilder, auf denen Muslime und Christen gemeinsam religiöse Schriften lesen.

Demonstration gegen Islam-Video in Freiburg (dpa / Patrick Seeger)Demonstration in Freiburg (dpa / Patrick Seeger)Auch in Karlsruhe protestierten Muslime friedlich gegen den Film. Bereits am Freitag hatten in Freiburg, Münster und Cuxhaven insgesamt rund 1600 Menschen gegen die Beleidigung des Propheten demonstriert. Viele Teilnehmer forderten, dass das Video aus dem Internet genommen werde.

20.000 Libyer gegen Gewalt

In Pakistan hingegen waren die Demonstrationen am Freitag eskaliert, mindestens 23 Menschen kamen dabei ums Leben. Am Samstagabend setzte ein Minister des Landes ein Kopfgeld von 100.000 Dollar auf den Urheber des Filmes aus.

Islamisten-Hauptquartier in Begasi gestürmt 21.9.12 (picture alliance / EPA / Mustafa El-Shridi)Demonstranten in Bengasi vor dem Sturm auf das Hauptquartier einer islamistischen Miliz (picture alliance / EPA / Mustafa El-Shridi)Im libyschen Bengasi hingegen demonstrierten am Freitagabend rund 20 000 Menschen gegen Gewalt und islamistische Milizen. Dort hatte vor zehn Tagen ein wütender Mob das US-Konsulat angegriffen und den US-Botschafter Chris Stevens sowie drei weitere Amerikaner getötet. In der Nacht auf Samstag stürmten Hunderte aufgebrachte Bürger das Hauptquartier der Miliz Ansar al-Scharia. Sie steht im Verdacht, an dem Angriff auf die US-Botschaft beteiligt gewesen zu sein. Bei weiteren Zusammenstößen in der Nacht kamen mindestens vier Menschen ums Leben.

Sudan verurteilt Sturm auf deutsche Botschaft

Der Kritik an dem Video schlossen sich auch deutsche Politiker an. "So einen Film darf man nicht zeigen", forderte Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) und fügte hinzu: "Wir sollten nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen." Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kritisierte die Gewalt im Namen der Religion. «Die größte Beleidigung für eine Religion ist es, in ihrem Namen Gewalt auszuüben»

Gegenüber der "Welt am Sonntag" kritisierte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) Staaten, welche die ausländischen Botschaften nicht schützten: "Wo das immer noch nicht geschrieht, wird es nicht ohne Konsequenzen bleiben." Das Außenministerium des Sudan hatte den Sturm auf die deutsche Botschaft in Khartum am Samstag erstmals verurteilt. Der Angriff verstoße gegen die Ideale und die Ethik des Islam, heißt es in einem Schreiben an Westerwelle. Der Sudan werde sich an der Beseitigung der Schäden am Botschaftsgebäude finanziell beteiligen.


Mehr zum Thema auf dradio.de:

"Auch die Idioten haben Meinungsfreiheit"
Autor Michael Kleeberg hofft, dass der Mohammed-Film in Deutschland weitgehend ignoriert wird
"Die Antwort wäre Zensur"
Journalist Gerard Foussier über Debatten, Ängste und Proteste
Leo Fischer: Muslime müssen Witze über sich aushalten
"Titanic"-Chefredakteur verteidigt neuen Titel des Satiremagazins
Religionen - "Das ist wirklich eine explosive Mischung"
Religionssoziologin Anne Françoise Weber über den Protest

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

EU-Kampf gegen Plastiktüten Eine halbherzige Lösung

Mehr als 5000 gebrauchte Plastiktüten am Strand von Niendorf in Schleswig-Holstein, Aufnahme vom Juli 2013 (picture alliance / dpa)

Die EU möchte den Verbrauch von Plastiktüten stark verringern. Eine Besteuerung oder auch Verbote der Beutel soll den Mitgliedsstaaten künftig erlaubt sein. Doch Grund zur Freude hat neben den Umweltschützern auch die Plastiklobby, kommentiert Georg Ehring. Denn das Zieldatum für die Verringerung ist erst das Jahr 2025.

Gelebte Solidarität in FrankreichWenn Kollegen Zeit spenden

Kinderkrebsstation der Universitätskinderklinik Leipzig (dpa / picture alliance / Waltraud Grubitzsch)

In Frankreich dürfen Arbeitnehmer einen Teil ihrer Ferientage an Kollegen spenden, wenn diese einen schwerkranken Angehörigen betreuen. Auslöser dafür war der Fall von Christophe Germain, dessen elfjähriger Sohn an Krebs erkrankte.

Künstliche Gelenke Das Problem mit der Abstoßung

Ein künstliches Kniegelenk (Imago / Imagebroker)

Deutschland ist Weltmeister beim Einsetzen künstlicher Gelenke - und deshalb leider auch Weltmeister bei Infektionen dieser. Gerade in den ersten Jahren sind Infekte ein häufiger Grund für Abstoßungsprobleme mit Prothesen. Kein Wunder, dass auf der Tagung "Endophrothetik" in Berlin auch Hygienespezialisten das Wort ergriffen.

ArgentinienMysteriöser Tod des Sonderermittlers

Demonstranten in Buenos Aires fordern die Aufklärung des Todes von Staatsanwalt Alberto Nisman. (AFP / Alejandro Pagni)

Alberto Nisman war Sonderermittler zur Aufklärung des Terroranschlags auf den jüdischen Wohlfahrtsverband AMIA 1994. In der Woche vor seinem Tod verkündete er, Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner und ihr Außenminister hätten in diesem Zusammenhang den Iran ungeschoren davonkommen lassen wollen. Viele Argentinier glauben, dass er ermordet wurde.

Sebastian EdathyDer Vorverurteilte

Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy äußerte sich auf einer Pressekonferenz. (imago/CommonLens)

Der Prozess gegen Sebastian Edathy wurde eingestellt, juristisch darf er als unschuldig gelten. Am Ende bleibt eine vernichtende Vorverurteilung - gesprochen von Journalisten, Staatsanwaltschaft und der eigenen Partei. Ein Kommentar.

KonzertkartenKein fairer Preis

Der Konzertkartenanbieter Eventim ist eine Marktmacht bei wenig Konkurrenz. Das Bundeskartellamt nimmt das Unternehmen jetzt unter die Lupe. Denn dank seiner Marktmacht kann Eventim unverschämt hohe Ticketpreise verlangen. Unsere Reporterin Lisa Hofmann hat sich auf dem Ticketmarkt umgesehen und nach dem fairen Ticketpreis gefahndet.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Rice:  Lieber kein als ein schlechtes Atom-Abkommen mit dem Iran | mehr

Kulturnachrichten

Türkischer Schriftsteller Yasar Kemal beerdigt  | mehr

Wissensnachrichten

Travel-Guide  Wo auf der Welt darf man wen wie berühren? | mehr