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"Für ehrliche Wahlen"

Russische Opposition ruft zu Großdemonstration gegen Putin

Putin-Gegner wollen in Moskau demonstrieren (picture alliance / dpa /)
Putin-Gegner wollen in Moskau demonstrieren (picture alliance / dpa /)

In Moskau wollen heute bei klirrender Kälte Gegner von Ministerpräsident Putin demonstrieren. Unter dem Motto "Für ehrliche Wahlen" erwarten die Veranstalter bis zu 100.000 Teilnehmer. Die Staatsmacht warnt vor der Teilnahme - nicht zuletzt wegen des Wetters.

"Putin, hau ab" - das war der Inhalt eines Transparents, das Gegner des russischen Ministerpräsidenten Putin vor ein paar Tagen an einem Warenhaus gegenüber dem Kreml anbrachten. Nach einer Stunde hatte die Polizei das Plakat wieder entfernt - die russische Opposition will jetzt immerhin erreichen, dass Putin eine absolute Mehrheit verfehlt und in die Stichwahl muss.

Opposition setzt auf Stichwahl

Dass eine neuerliche Wahl Putins zum Präsidenten verhindert werden kann, glaubt wohl kaum jemand in der russischen Opposition. Aber bei einem zweiten Wahlgang, so das Kalkül der Putin-Gegner, müsse der ungeliebte Regierungschef für seine dritte Präsidenten-Amtszeit womöglich ein paar Reformen zugestehen.

Breites Bündnis gegen Putin

Das Oppositionsbündnis "Für ehrliche Wahlen" hält sich nach Möglichkeit fern von der offiziellen Parteipolitik. Die Koalition ist nach den Dezemberwahlen zum Parlament entstanden, die nach Ansicht vieler Beobachter massiv gefälscht wurde. Hinter ihr stehen Liberale und Nationalisten, Schriftsteller und Internetaktivisten. Parteiredner sind auf der Kundgebung nur ungern gesehen.

"Lieber Kinder zeugen als demonstrieren"

Unterdessen lassen sich Offizielle originelle Argumente einfallen, um vor einer Teilnahme an der Oppositionskundgebung zu warnen. Der orthodoxe Patriarch Kyrill riet, lieber still zu beten als Parolen zu rufen; Vize-Regierungschef Rogosin vertrat die Ansicht, echte Patrioten sollten lieber russische Kinder zeugen als zu demonstrieren, und der Leiter der Moskauer Gesundheitsbehörde warnte vor Gesundheitsschäden wegen der herrschenden Kälte. Gleichzeitig haben die Behörden freilich verboten, dass die Demonstranten Thermoskannen mit Tee oder Kaffee mitbringen, um sich warmzuhalten. So müssen die Veranstalter auch noch die Versorgung mit warmen Getränken organisieren.

"Eine Erinnerung an die 90er-Jahre"

Für die Moskauer Publizistikwissenschaftlerin Galina Woronenkowa lebt in den gegenwärtigen Protesten die Demokratiebewegung der frühen 1990er-Jahre wieder auf. Wie damals sei es der Mittelstand, der heute auf die Straße gehe,sagte Woronenkowa im Interview mit dem Deutschlandfunk. Hinzu komme heute die erhebliche Bedeutung von sozialen Netzwerken wie Facebook.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

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