Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Für oder gegen Organspende

Bundestag beschließt Entscheidungsgesetz

Organspendeausweis (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)
Organspendeausweis (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)

Jeder Bürger ab 16 Jahre soll künftig von seiner Krankenkasse regelmäßig befragt werden, ob er nach seinem Tod Organe spenden will oder nicht. In Deutschland gibt es zu wenige Organspenden. Deshalb sterben pro Tag drei Menschen.

<p>Nach mehreren Jahren der Debatte und des Verhandelns hat der Bundestag heute für eine Reform der Organspende gestimmt. Ein sogenanntes <papaya:link href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/090/1709030.pdf" text="Entscheidungsgesetz" title="Entscheidungsgesetz zur Organspende (pdf)" target="_blank" /> schreibt vor, dass alle Krankenkassen ihre Mitglieder fragen, ob sie für oder gegen eine <papaya:link href="http://www.organspende-info.de/information/spende-und-transplantation/" text="Organspende" title="Informationen zu Organ- und Gewebespende und Transplantation" target="_blank" /> sind. Die Entscheidung fiel mit breiter Mehrheit bei einigen Gegenstimmen und Enthaltungen, vor allem bei der Linken.<br /><br /></p><p><strong>Zu wenige Organspender</strong></p><p><papaya:media src="22f30298dde5e0f1c361b3ec51ab5af2" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier" popup="yes" />An der Neuregelung haben allen Fraktionen mitgearbeitet. "Wir wollen den Menschen tatsächlich etwas mehr auf die Pelle rücken, indem wir fragen und nachfragen", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Der 56-Jährige hatte vor zwei Jahren <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="203442" text="seiner Frau eine Niere gespendet" alternative_text="seiner Frau eine Niere gespendet" />. In dem Gesetzentwurf heißt es: "Derzeit stehen in Deutschland etwa 12.000 Menschen auf den Wartelisten für eine Organtransplantation." Laut Bundesgesundheitsministerium sterben in Deutschland täglich drei Menschen, weil sie kein Organ erhalten.<br /><br />Mit dem Gesetz will die Politik die Zahl der dringend benötigten Spender erhöhen. <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="206930" text="&quot;Bisher ist das Spenderaufkommen noch zu gering&quot;" alternative_text="&quot;Bisher ist das Spenderaufkommen noch zu gering&quot;" />, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) vor der Abstimmung im Deutschlandfunk. "Zu wenige geben sich einen Ruck und füllen einen Organspendeausweis aus." Solch ein Dokument besitze jeder vierte Bundesbürger. Laut Gesetz wird aber akzeptiert, wenn Bürger ihrer Krankenkasse keine Entscheidung mitteilen; sie obliegt dann ihren Angehörigen.<br /><br />Dem Brief der Krankenkasse soll neben Informationen auch ein Organspendeausweis beiliegen. In einigen Jahren soll die Entscheidung auch auf der Gesundheitskarte gespeichert werden können. Für Menschen, die zu Lebzeiten etwa eine Niere spenden, sollen auf Kosten der Krankenkassen des Empfängers eine Entgeltfortzahlung und Krankengeld garantiert werden.<br /><br /></p><p><strong>Kritik an Datenschutz</strong></p><p><papaya:media src="87a6d57cabd592bfe44b86a0aefb6297" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP)" popup="yes" />Es gebe dabei auch keine Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, sagte Bahr. "Der ist zu 100 Prozent gewährleistet." Der Gesundheitsminister reagierte damit auf Kritik der Grünen. Sie bemängeln eine mögliche Weitergabe der Spenderdaten auch ohne Einwilligung der Betroffenen an die Pharmaindustrie. In jedem Krankenhaus, in dem Organe verpflanzt werden können, werde es einen Transplantationsbeauftragten geben, der Organspenden koordiniert.<br /><br />Meist haben Patienten, die einen Hirntod erleiden, keinen Organspendeausweis. Als Hirntod bezeichnet die Bundesärztekammer den endgültigen Verlust jeder Wahrnehmung, des Denkens, der Steuerung der Atmung und der gesamten Körperfunktionen. Häufig ist eine Organspende möglich. Laut einem Bericht der Deutschen Stiftung Organtransplantation wurden im vergangenen Jahr 1200 Menschen nach ihrem Tod 3917 Organe entnommen. Das waren 7,4 Prozent Spender weniger als im Vorjahr.<br /><br /><br /><em>Haben Sie einen Organspendeausweis? <papaya:link href="http://www.facebook.com/deutschlandfunk" text="Diskutieren Sie auf der Facebook-Seite des Deutschlandfunks." title="Stimmen Sie auf unserer Facebook-Seite." target="_blank" /></em><br /><br /><strong> Sie können auch im Radio mit uns diskutieren: </strong><br /><span style="color:#F47530"><strong>Deutschlandradio Kultur:</span></strong><br />Heute in der Debatte im Radiofeuilleton um 15.45 Uhr unter Tel. 00800 22 54 22 54:<br /><em> Neues Organspendegesetz - wird Nachfragen helfen? </em><br /><br />Am Sonntag in den Nachtgesprächen am Telefon ab 1.05 Uhr unter Tel. 00800 22 54 22 54<br /><em> Werben für mehr Organspenden – Ist sanfter Druck gerechtfertigt?<br /><br />Die Krankenkassen sollen künftig bei jedem Versicherten regelmäßig nachfragen, ob er bereit ist zur Organspende. So sieht es das neue Organspendegesetz vor. Finden Sie den sanften Druck gerechtfertigt angesichts tausender Menschen, die dringend auf ein Spenderorgan warten? Oder ist das Bevormundung? Sind Sie bereit zur Organspende? Vertrauen Sie darauf, dass dabei alles mit rechten Dingen zugeht? Oder haben Sie Vorbehalte? </em></p>

Verwandte Audiobeiträge:

Wie Organe organisiert werden - Gespräch mit Prof. Hermann Reichenspurner

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 11:30 Uhr Sonntagsspaziergang

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:30 Uhr Die Reportage

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Dein Sonntag

Aus unseren drei Programmen

CDU debattiert über Doppelpass"Integration macht sich nicht an Staatsbürgerschaft fest"

Bundeskanzlerin Merkel stellt sich gegen den Partei-Beschluss der CDU-Basis, die doppelte Staatsbürgerschaft abzuschaffen. Jurist Sükrü Uslucan hält die Debatte für polemisch und dem politischen Druck geschuldet, der durch die AfD auf der CDU lastet.

Sehen und gefahren werdenTaxi

Der US-Schauspieler Robert de Niro als Travis Bickle im Film "Taxi Driver" von Martin Scorsese aus dem Jahr 1976 (imago/United Archives)

Das Wort selbst ist so international wie seine Verwendung. Optisch bietet es allerdings eine schöne Vielfalt – von den quietschgelben New Yorker Taxis über die dicken, alten Black Cabs in London bis hin zu den hierzulande noch zahlreich umherfahrenden Limousinen mit Stern.

RE: Das Kapital (5/6)Sahra Wagenknecht über das Ende des Kapitalismus

Sarah Wagenknecht vor rotem Hintergrund. (imago/Metodi Popow)

Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht beleuchtet die historische Tendenz des Kapitalismus. Für die bekennende Marxistin ist spätestens heute die Zeit gekommen, sich vom Kapitalismus abzuwenden. Für den fünften Teil der Sendereihe hat sie sich erneut über das Monumentalwerk "Das Kapital" gebeugt.

Bosnien und Herzegowina2025 Verhandlungsauftakt für EU-Beitritt?

Mladen Ivanic, Mitglied des Dreier-Staatspräsidium von Bosnien und Herzegowina (dpa picture alliance/ Michael Kappeler)

Bosnien und Herzegowina könnte ab 2025 ernsthaft über einen EU Beitritt verhandeln. Einen früheren Verhandlungsauftakt hält der amtierende Vorsitzende des Präsidiums von Bosnien und Herzegowina, Mladen Ivanic, für unrealistisch. Ein EU Beitritt für sein Land jedoch die einzige Alternative.

Wildtiere in NotRettung in letzter Sekunde

Fast wäre ein Gullydeckel dem kleinen Eichhörnchen zum Verhängnis geworden. Es wollte durch eines der Löcher schlümpfen und hing fest. Zum Glück informierte eine Frau die Wildtierretter, die das völlig entkräftete Tier im letzten Moment noch befreien konnten.

VenezuelaGesundheitssystem vor dem Kollaps

Der kleine Isaai Camacho (v.r.) wartet mit seiner Mutter am 20.06.2016 am Kinderkrankenhaus «Jorge Lizarraga» der Stadt Valencia in Venezuela (Südamerika) auf eine Behandlung.  (dpa / picture-alliance / Georg Ismar)

Leere Klinik-Apotheken, durchgelegene Betten und marode Gebäude - das staatliche Gesundheitssystem in Venezuela ist völlig am Boden. Die Opposition wirft Präsident Nicolás Maduro vor, den Bürgern die Unterstützung von ausländischen Hilfsorganisationen zu verweigern. Er fürchte um das Image des Landes.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Istanbul  Zahl der Toten nach Anschlägen steigt auf 38 | mehr

Kulturnachrichten

A. L. Kennedy mit Heine-Preis ausgezeichnet  | mehr

Wissensnachrichten

Deutsches Kulturerbe  Ostfriesische Teekultur, Skat und Hebammen gehören dazu | mehr