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Fukushima im Film

Tsunami und Atomkatastophe Japans auf der Berlinale

Von Robert Brammer

Atomkraft-Gegner demonstrieren im japanischen Osaka
Atomkraft-Gegner demonstrieren im japanischen Osaka (picture alliance / dpa / Mizuha Mori)

Drei japanische Regisseure zeigen auf der Berlinale Filme über die Folgen des Tsunami und der Atomkatastrophe von Fukushima 2011: Ein Bürgermeister ohne Stadt und Bilder aus der verstrahlten Zone um die Atomreaktoren.

Toshi Fujiwara beginnt seinen essayistischen Dokumentarfilm ‚No Man’s Zone’ mit dem Bild eines einzelnen Baumes, inmitten von Schutt und Müll und Geröll, all das, was übrig blieb vom Erdbeben und vom Tsunami und den Folgen der Reaktorkatastrophe von Fukushima.

Dann folgt ein 360 Grad Kameraschwenk in der Bucht von Kedo, einem kleinen Hafen, sieben Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt. Eine Frauenstimme kommentiert aus dem Off, erzählt von dem Desaster und darüber, wie schwierig, ja wie fast unmöglich es für einen einzelnen Menschen ist, das alles zu verarbeiten und in sich aufzunehmen.

In der nächsten Szene: Bilder von blühenden Kirschbäumen und leeren Straßen. Der Frühling ist zurück. Aber es ist niemand mehr da, der den Frühling rund um Fukushima genießen könnte.

Nebel hängt in den Bergen. Ein Auto parkt vor einem zerstörten Haus. Ein paar Menschen suchen nach ihren Habseligkeiten. Die Orte im Sperrgürtel wirken wie aus der Zeit gefallen.

Auf das Gelände der zerstörten Atommeiler wird der Regisseur nicht vorgelassen. Er kann die havarierten Reaktoren nur von Weitem filmen. Der Atomkomplex von Fukushima war auch für die dort lebende Bevölkerung unsichtbar, versteckt hinter einem dichten Wald.

Toshi Fujiwara reist durch die Präfektur Fukushima und zeigt die Wunden, die der Tsunami an den Küstenorten gerissen hat. Doch die radioaktive Katastrophe erschließt sich dem Zuschauer nur durch die Erzählungen der Menschen. Und in diesen Gesprächen zeigt sich die ganze Unheimlichkeit dessen, was hier passiert ist. Diejenigen, die noch ausharren, ältere zumeist, sind ratlos, wissen nicht, was sie tun sollen. Die Gespräche dokumentieren: Niemand hat an so etwas gedacht, an einen radioaktiven Unfall. Die Menschen hier sind passiv. Und ängstlich. Dazu kommt, so Regisseur Fujiwara, das der Fukushima- Schock in Japan schon wieder verdrängt werde:

"Das ist keine Thema mehr, dass für Schlagzeilen sorgt. Es gibt noch Menschen, die das interessiert. Aber es interessiert nicht mehr die Medien. Es dringt nicht mehr in die Tiefen des Bewusstseins vor. Nur sollten wir die Menschen von Fukushima darüber nicht vergessen. Auch wenn das Thema in der japanischen Öffentlichkeit immer mehr an den Rand gedrängt wird."

Auch in Shunji Iwai’s ‚Friends after 3.11’ geht es darum, dass sich radioaktive Verseuchung der menschlichen Wahrnehmung nahezu verschließt.

Lange, oft unbeholfene Gespräche mit Wissenschaftlern, Künstlern, Journalisten und Aktivisten: zwei Stunden nur Interviews. Auf Dauer ist das anstrengend, weil der Regisseur seine Aussagen nicht in Bilder übersetzt. Sein Gesprächsfilm fordert ein radikales Umdenken ein, reduziert sich am Ende aber auf eine allzu simple Botschaft: Ohne das wir miteinander reden wird sich nichts ändern.

Eindringlich dagegen: ’Nuclear Nation’. Atsushi Funahashi portraitiert die Bewohner von Futaba. Die Ortschaft, die bis zum vergangenen März vom Geschäft mit den Atommeilern von Fukushima profitierte, ist evakuiert worden. Von den ehemals 9000 Bewohnern wurden über Tausend in ein leerstehendes vierstöckiges Schulgebäude einquartiert, in einem Vorort von Tokio. Der Film beobachtet diese nuklearen Flüchtlinge, die jetzt in Notunterkünften ausharren, auf engstem Raum mit lauter fremden Menschen. Funahashi beschreibt die Monotonie des Flüchtlingsalltags und das Hoffen auf eine Rückkehr, die es nicht geben kann.

Der Bürgermeister von Futaba immerhin macht einen Lernprozess durch: vom aktiven Unterstützer der Atomenergie ist er jetzt zum nuklearen Skeptiker geworden. Und stellt Fragen, die auch Regisseur Fushiwara umtreiben:

"Wir sollten uns nichts vormachen: wir haben niemals daran gedacht, dass ein solcher Unfall möglich sein könnte. Zu keinem Moment waren wir darauf vorbereitet. Aber ich glaube, das ist nicht nur für Japan eine große Herausforderung, sondern für die gesamte moderne Zivilisation, diese hochgradig technologisch geprägte Gesellschaft. Und es ist an der Zeit, dass sich nicht nur die Japaner sondern die ganze Welt aufgerufen fühlt, über die Schäden nachzudenken, die wir auf dieser Welt verursachen. So dass wir auch künftig unsere Kultur bewahren und bewundern können."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

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