Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Fukushima-Katastrophe wird zum Super-GAU

Sicherheitssysteme können Radioaktivität nicht mehr vor Ort halten

Luftaufnahme des zerstörten Reaktors IV in Fukushima (AP)
Luftaufnahme des zerstörten Reaktors IV in Fukushima (AP)

Die japanische Regierung geht davon aus, dass noch monatelang Radioaktivität aus dem Atomkraftwerk Fukushima entweichen könnte. Regierungssprecher Edano sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo, ein langer Kampf gegen die Atomkrise sei nicht zu vermeiden.

Spätestens seitdem gewiss ist, dass durch einen Riss im Reaktorblock II in Fukushima in großem Maße radioaktive Stoffe ins Meer gelangen, reiche die Bezeichnung GAU nicht mehr aus [/url], sagte Wissenschaftsjournalist Ralf Krauter im Deutschlandfunk sagte Wissenschaftsjournalist Ralf Krauter im Deutschlandfunk (MP3-Audio).

Arbeiter im Reaktor im japanischen AKW in Fukushima am 2.4.2011. (picture alliance / dpa)Arbeiter im Reaktor im japanischen AKW in Fukushima. (picture alliance / dpa)Auf dem Gelände des schwer beschädigten Meilers versuchen die Arbeiter weiter, ein Leck im Reaktor II zu reparieren. Inzwischen werden Polymerstoffe dafür verwendet. Vorher hatten die Arbeiter vergeblich versucht, den 20 Zentimeter langen Riss mit Beton zu versiegeln.

Wie diese neue Komplikation gelöst werden soll, ist bislang unklar. Der japanische Ex-Minister und heutige Oppositionspolitiker Tetsuo Saito fühlte sich daher veranlasst, die Regierung scharf zu kritisieren. Der Physiker meinte, die Katastrophe sei schlimmer als von der Regierung und der Betreiberfirma Tepco zugegeben und müsse, was ihr Ausmaß angehe, von Stufe 5 auf Stufe 6 hochgestuft werden, berichtete Horst Kläuser im Deutschlandradio Kultur (MP3-Audio).

Zwei vermisste Mitarbeiter tot gefunden

Der asiatische Stromanbieter Tepco will nun in Fukushima so genannte Springer einsetzen, hieß es. Gemeint sind Arbeiter aus anderen Firmen, die für besonders riskante Tätigkeiten umgerechnet mit bis zu 3500 Euro pro Schicht entlohnt werden sollen.

Eine Angestellte des Energiekonzerns Tepco bittet Medienvertreter, keine Fotos mehr zu machen. (picture alliance / dpa)Eine Angestellte des Energiekonzerns Tepco bittet Medienvertreter, keine Fotos mehr zu machen. (picture alliance / dpa)Am Samstag war der Riss am Reaktor II entdeckt worden, durch den kontaminiertes Wasser direkt ins Meer sickert. Der Riss soll sich in der Wand einer zwei Meter tiefen Grube befinden, in der Stromkabel unterhalb des zweiten Reaktorblocks verlegt sind. Laut Tepco stand das Wasser in dieser Grube zehn bis 20 Zentimeter hoch.

Wie der Fernsehsender NHK berichtete, wurde in der kontaminierten Meeresbucht eine Strahlung von mehr als 1000 Millisievert pro Stunde gemessen. Normalerweise liegt die Strahlenbelastung zwischen einem und zehn Millisievert pro Jahr.

Laut Informationen des Bundesamtes für Strahlenschutz haben Menschen, die eine Stunde lang mit 1000 Millisievert (= 1 Sievert) bestrahlt werden, ein um zehn Prozent höheres Krebsrisiko. Greenpeace bezeichnet die jetzt festgestellte Strahlung als lebensbedrohlich.

Außerdem sind zwei Mitarbeiter des AKW Fukushima II tot auf dem Gelände des Meilers aufgefunden. Sie waren seit dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März vermisst worden. Die beiden jungen Männer, beide Mitte zwanzig, wurden mit schweren Kopfverletzungen in Reaktor IV gefunden. Sie starben wohl eine Stunde nach dem großen Beben.



Informationen zum Thema in unserem Programm:

Sammelportal zur Katastrophe in Japan

Teams der Atomenergiebehörde haben im Nordosten von Fukushima extrem hohe Strahlung gemessen

Japanische Atomaufsicht empfiehlt weitere Evakuierungen

Informationen zur Lage in den japanischen Atomkraftwerken (GRS)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Landlust/Landfrust (1/2)Dorfleben im Wandel

Zwei ältere Dame tragen nach einem Einkauf ihre Lebensmittel nach Hause. (picture alliance/ dpa/ David Ebener)

Die Sehnsucht nach Natur, Ruhe und Dorfidylle ist in der Gesellschaft groß. Mit der Realität hat diese Vorstellung des Landlebens oft wenig zu tun. Kerstin Faber hat sich intensiv mit ländlichen Regionen auseinandergesetzt. Ein Problem seien Dörfer mit großer Überalterung, sagte sie im DLF. "Da haben wir es mit einem Abbau der Daseinsvorsorge zu tun."

Berlinale 2017"Vollmundiger Jahrgang mit kratzigem Abgang"

Die Filmkritiker Peter Körte ("FAS") und Katja Nicodemus ("Zeit") nach ihrem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur auf der Berlinale 2017. (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)

Das Gleichnis eines guten Weines fällt der Filmkritikerin Katja Nicodemus zum Wettbewerb des diesjährigen Berliner Filmfestivals ein. "Ich habe wenig gesehen, was mich umgehauen hätte", hält ihr Kollege Peter Körte dagegen.

Hanya Yanagihara: "Ein wenig Leben"Ein umwerfender und suspekter Roman

"Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara. Im Hintergrund: die Skyline von New York. (Hanser / picture-alliance / dpa)

Dieser Roman geht an Grenzen: Die amerikanische Schriftstellerin Hanya Yanagihara erzählt in "Ein wenig Leben" von exzessivem menschlichen Leid. Im Zentrum stehen vier Männer aus New York. Einer von ihnen, Jude, ist von einem düsteren Geheimnis umgeben, das seine Freunde, aber auch den Leser in Bann hält.

Deutscher KolonialismusUnheilvolle Kontinuitäten

A performance shows the treatment of Hereros in 1904 at a ceremony commemorating the killing of thousands of Hereros by German troops, at Okakarara, 250 km northwest of Windhoek, Namibia, Saturday, 14 August 2004. Germany on Saturday asked the Herero people of Namibia to forgive it for the massacres committed by its troops during a three year uprising 100 years ago. (picture alliance / dpa / WIEBKE GEBERT)

Prügel mit dem Tauende oder doch mit der Nilpferdpeitsche? Die Frage, wie die zwangsverpflichteten schwarzen Arbeiter in den deutschen Kolonien "zur Arbeit erzogen", "zivilisiert" werden sollen, diskutierten Politiker und Mediziner vor etwas mehr als hundert Jahren in aller Öffentlichkeit.

GewaltenteilungFinanz als vierte Gewalt?

Legislative, Exekutive, Judikative und Finanzwesen: So zählt der Kulturwissenschaftler und Philosoph Joseph Vogl die Gewaltenteilung auf. Das mit dem Finanzwesen kennen wir aber so nicht aus der Schule. Er sagt: Wer das Finanzwesen als vierte Macht im Staate nicht (an)erkennt, sitzt einer Legende auf.

Petras inszeniert O'NeillSippe mit unheilvoller Vergangenheit

Armin Petras, der Intendant des Schauspiels Stuttgart, steht am 02.06.2016 im Opernhaus in Stuttgart (Baden-Württemberg) im Foyer an einer Treppe. (picture alliance / dpa / Bernd Weißbrod)

Eine Familie steuert in den Untergang: Überraschend fein und intim inszeniert Armin Petras "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O'Neill am Schauspiel Stuttgart. In der Rolle der schuldbeladenen Mutter glänzt - der Schauspieler Peter Kurth.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Europa  Söder fordert Pfand für weitere Griechenland-Hilfen | mehr

Kulturnachrichten

Solidaritätsaktion: Berliner Autokorso für Deniz Yücel  | mehr

Wissensnachrichten

Trump-Rede  Schweden scherzen über angeblichen Anschlag | mehr