Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Fußballklubs beschließen umstrittenes Sicherheitskonzept

Mehrere Hundert Fans protestierten vor dem Tagungshotel

Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball stellt sich den Fragen zum umstrittenen Sicherheitskonzept für Fußballstadien (picture alliance / dpa /Peter Steffen)
Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball stellt sich den Fragen zum umstrittenen Sicherheitskonzept für Fußballstadien (picture alliance / dpa /Peter Steffen)

In Frankfurt haben die Spitzen der 36 deutschen Profiklubs heute das neue Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball-Liga beschlossen. Man habe "mit großer Mehrheit" abgestimmt, heißt es von Teilnehmern.

Die 36 Proficlubs haben das umstrittene Sicherheitskonzept für deutsche Fußballstadien mehrheitlich verabschiedet. Das sagte Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball am Nachmittag in Frankfurt. "Der professionelle Fußball ist als Gewinner aus dieser Veranstaltung hervorgegangen." Ähnlich äußerte sich auch Karl-Heinz Rummenigge am Rande der Veranstaltung. "Wir haben uns von den Fans nicht entfernt, es scheint nur in der Kommunikation etwas schiefgelaufen zu sein", erklärte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München. Die Vertreter der Vereine einigten sich in der nichtöffentlichen Sitzung auf das besonders bei Fanvertretern umstrittene Maßnahmenpaket.

DFB-Präsidium soll Anträge am 25. Januar abschließend absegnen

Die Anträge, die die Richtlinien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) betreffen, müssen vom DFB-Präsidium bei seiner Sitzung am 25. Januar noch abgesegnet werden. Dabei könne es aber nur "unwesentliche inhaltliche Anpassungen" geben, so die Deutsche Fußball Liga.

Innenminister von Bund und Ländern hatten DFL und DFB sowie die Vereine aufgefordert, nach vermehrten Ausschreitungen in den Arenen zu einer Entscheidung zu kommen.

Fans protestierten vor dem Tagungshotel

Mehrere Hundert Fans hatten sich trotz bitterer Kälte vor dem Frankfurter Hotel versammelt, ein Polizeiaufgebot riegelte die Tagungsstätte ab. An den vergangenen drei Spieltagen hatten die Anhänger in den Bundesliga-Stadien mit ihrer Schweige-Aktion über 12 Minuten und 12 Sekunden lautlos, aber eindrucksvoll protestiert. Die Fans sehen mit dem neuen Konzept ihre komplette Fankultur in Gefahr, berichtet Tim Brockmeier im Deutschlandradio Kultur.

Kritiker des Konzepts ärgern sich vor allem über die vorgesehenen Ganzkörperkontrollen und die beschränkten Kartenkontingente für Fans der Gastmannschaft. Auch monieren sie ein fehlendes Mitspracherecht der Fans bei dem Konzept, das Sportfunktionäre und Innenpolitiker erarbeitet haben. Erst in einem zweiten Anlauf wurden auch Fanvertreter in die Diskussion miteinbezogen.

Beobachter sprechen von überhitzter Debatte

Inzwischen geht es aber nicht mehr nur um inhaltliche Fragen. Beobachter sprechen von einer überhitzten und hochstilisierten Diskussion, die den kompletten deutschen Profifußball auf eine Zerreißprobe stelle. In diesem Sinne äußerte sich auch Christoph Biermann von der Chefredaktion der Zeitschrift "11 Freunde" im Deutschlandfunk. Stimmen die 36 Klubs bei der Mitgliederversammlung für das Papier, werden die Fankurven weiter zum Kampf aufrufen. Im Falle einer Ablehnung oder Verschiebung hingegen könnten die Innenminister eingreifen und selbst drastische Maßnahmen durchsetzen. Der Sportbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bernhard Felmberg, hingegen begrüßte das Sicherheitskonzept als Konsenspapier. Er forderte aber mehr Dialog zwischen den Vereinen und ihren Fans.

"Wird das alles durchgewunken, werden wir reagieren müssen, weil dann auch beschlossen wird, was wir kategorisch ablehnen", sagte Philipp Markhardt, Sprecher der Organisation "Pro Fans" und der Protestaktion "12:12", dem Sport-Informations-Dienst im Vorfeld der Abstimmung. "Dann müssen wir zusehen, dass wir dieses Drama noch abwenden können." Ein Drama wären für den harten Kern der Anhänger vor allem die Beschränkung von Auswärtskarten und die Ganzkörperkontrollen sowie das Verbot der Bengalischen Fackeln im Stadion. Die Politik droht der DFL schon länger mit einem Stehplatzverbot.

Weiterführende Informationen zum Thema:
"Besuch von Fußballspielen ist eigentlich eine sichere Angelegenheit" - Christoph Biermann plädiert für eine bessere Gesprächskultur mit den Fans
EKD-Sportbeauftragter setzt auf "stärkere Dialogkultur" von Fans und Vereinen Bernhard Felmberg begrüßt Maßnahmen gegen Gewalt in Stadien
"Ich möchte weniger Polizisten im Fußball und in den Stadien haben" NRW-Innenminister Ralf Jäger zum Fall Pezzoni
Fußballsicherheitsgipfel: Fans blieben außen vor Für den Chefredakteur des "Hamburger Abendblatts" ist der Verhaltenskodex nichts Überraschendes
Sicherheitsgebühr für die Bundesliga: "Ein Grundrecht auf Fußball gibt es nicht" Gewerkschafter Wendt: Vereine nehmen an jedem Spieltag Tausende von Polizisten in Anspruch
Fußball verbessern, "ohne ihn zu verändern" Weltschiedsrichter Merk fordert Hilfen über Torlinien-Technologie hinaus
Zum Training durch den Checkpoint Jaklin Jazrá, Kapitänin der Frauenfußball-Nationalelf Palästinas, erzählt über ihren sportlichen Alltag

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Konzertdokument der Woche

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

PsychologieSei nicht so hart zu dir selbst!

Anderen können wir Fehler verzeihen - bei uns selbst tun wir uns damit schwer. Stress, Ängste, sogar Depressionen können die Folge sein, sagt die Psychotherapeutin Christine Brähler. Sie rät: Wir brauchen mehr Mitgefühl mit uns selbst!
      

Motivation von Attentätern und AmokläufernWir leben Aggressivität vor

Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, macht vor Beginn des Mannesmann-Prozesses im Landgericht in Düsseldorf das Victory-Zeichen. (dpa/ picture-alliance/ Oliver Berg)

Auch in modernen Gesellschaften sei Gewalt allgegenwärtig, meint der Soziologe Harald Welzer. Der "kampfbereite und siegerprobte Einzelkämpfer" werde in der Wirtschaft gefeiert und der "Ego-Shooter" zum Idealtypus erhoben. Bei der Suche nach den Ursachen von Terror und Amok werde das gern übersehen.

Wahl in Mecklenburg-VorpommernSPD und CDU profitieren nicht vom Wirtschaftsboom

Zwei Grossplakate zur Landtagswahl 2016 in Mecklenburg-Vorpommern mit den Spitzenkandidaten der SPD Erwin Sellering (links) und der CDU Lorenz Caffier stehen an einem Einkaufscenter in Rostock. Die Wahl zum 7. Landtag des Landes Mecklenburg-Vorpommern findet am 4. September 2016 statt. Schwerin (Imago / Frank Hormann / Nordlicht)

Die Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns hat in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung genommen: mehr Jobs, weniger Arbeitslose, eine gute Konjunktur - nicht nur im Tourismus-Sektor. Trotzdem könnte es bei der Landtagswahl am 4. September für die Regierungsparteien SPD und CDU eng werden.

Aus den FeuilletonsBurka - umkämpftes Kleidungsstück

Eine afghanische Frau in Herat trägt eine Burka.  (picture alliance / dpa / Jalil Rezayee)

Der Streit um das Verbot von Burka und Burkini hat in den vergangenen Tagen an Schärfe zugenommen. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Ist ein Verbot paternalistisch? Oder bedroht die Vollverschleierung das Fundament von Europas Kultur?

Märchen Europa?"Diese ewige Wettbewerberei macht die Menschen kaputt"

Gesine Schwan am 17. Januar 2016 in der ARD-Talksendung "Anne Will" (dpa / picture alliance / Karlheinz Schindler)

Aus Sicht der Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan hat die negative Stimmung in Europa seit der Bankenkrise stark zugenommen. Falsche politische Weichenstellungen und "Wahltaktiererei" in den Nationalstaaten hätten die Menschen gegeneinandergetrieben, sagte sie im Deutschlandfunk. Städte und Gemeinden müssten grenzüberschreitend "mehr machen können".

Daniel Fuhrhop: "Willkommensstadt"Flüchtlinge in unsere Häuser

Zimmer für Flüchtlinge in Hamburg-Harvestehude (Foto: Axel Schröder)

Für Flüchtlinge müssen keine neuen Wohnungen gebaut werden, schreibt der Architektur-Verleger und Blogger Daniel Fuhrhop. Neubauten würden die Integration sogar erschweren. In "Willkommensstadt" beschreibt er, wie es besser geht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundeskanzlerin  Merkel fordert von Deutschtürken mehr Beteiligung | mehr

Kulturnachrichten

Nigerianer Ogboh erhält den Bremer Kunstpreis der Böttcherstraße  | mehr

Wissensnachrichten

Rio de Janeiro  Selfies an der Lochte-Tankstelle | mehr