Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gabriels Apartheidsvergleich sorgt für Ärger

SPD-Chef irritiert mit Äußerungen zur Situation der Palästinenser

Der SPD Vorsitzende Sigmar Gabriel  (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
Der SPD Vorsitzende Sigmar Gabriel (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Die Facebook-Seite des SPD-Chefs Sigmar Gabriel gefällt mehr als 9700 Menschen. Doch was er dort gestern zur israelischen Politik in den Palästinenser-Gebieten veröffentlicht hat, gefällt vielen nicht. Ein Vergleich mit dem früheren Apartheid-Regime Südafrikas sorgt für Ärger.

"Ich war gerade in Hebron. Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keine Rechtfertigung gibt", schrieb Gabriel auf seiner Facebook-Seite. Und dann nahm der Ärger seinen Lauf. Dass Gabriel bei seiner Nahost-Reise seine Solidarität mit Israel mehrfach betont hatte, änderte daran wenig.

"Vollkommen verunglückt"

Die Vorlage nahm zunächst der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder auf: "Es ist inakzeptabel, dass Herr Gabriel so etwas sagt. Es zeigt, dass er viel zu wenig weiß über den Nahost-Konflikt", so Mißfelder in der "Bild"-Zeitung. Philipp Mißfelder, Bundesvorsitzender der Jungen Union (Junge Union Deutschlands)Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder (Junge Union Deutschlands) In der Zwischenzeit waren auf Gabriels Facebook-Seite mehrere hundert Kommentare eingegangen. Darunter sind zustimmende Äußerungen, die die israelische Siedlungspolitik gerade in Hebron kritisierten, wo die Palästinenser vielen Drangsalierungen ausgesetzt seien. Viele Facebook-Schreiber gingen jedoch kritisch mit dem SPD-Vorsitzenden um.

"Was Gabriel hier geäußert hat, ist vollkommen verunglückt", sagte auch Dieter Graumann, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. Es sei ein moralisches Ungleichgewicht, einerseits Verhandlungen mit der radikal-islamischen Hamas zu fordern, die die Juden ausdrücklich weltweit vernichten wolle, und gleichzeitig Israel als "Apartheid-Regime" zu verunglimpfen.

"Eine sehr drastische Formulierung"

Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. (AP)Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. (AP)Gabriel selbst ruderte etwas zurück: "Mir ist klar, dass dies eine sehr drastische Formulierung ist. Aber genau so erleben die Palästinenser in Hebron ihre Situation." Wenn seine Aussage zu dem Missverständnis geführt habe, er wolle Israel und die Regierung mit dem alten Apartheid-Regime Südafrikas gleichsetzen, tue ihm das leid. Aber die demütigende Form des Umgangs mit den Palästinensern dort übertreffe einfach vieles, was man sonst in der Westbank erlebe. "Und es verursacht selbst bei jemandem wie mir, der Israel unterstützt, wirklich großen Zorn."

In Hebron leben rund 200.000 Palästinenser und mehr als 500 jüdische Siedler. Um die Sicherheit dieser Gruppe zu gewährleisten, hat Israel die Kontrolle über einen Teil des Stadtgebietes. Im Zentrum leben zehntausende Palästinenser unter ständiger Besatzung, ihre Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt. - Mit dem Begriff Apartheid wird die staatliche betriebene Rassentrennung in Südafrika Anfang zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr JazzFacts

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Bundestagswahl und InternetWelchen Einfluss haben Fake-News auf die Wahl?

Symbolbild Fake News (Imago / Christian Ohde)

Bei Facebook, Twitter und Co. wird vor der Bundestagswahl kräftig Meinung gemacht. Wie groß ist dabei der Einfluss von Falschmeldungen? Gefährden sie die Demokratie? #wahlcheck17 in Berlin geht auf Spurensuche.

SabbaticalDie Auszeit sollte gut geplant sein

Ein Wanderer spaziert mit seinem Hund in den Bergen. (Imago / Westend61)

Manche Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern ein sogenanntes Sabbatical an: einen Ausstieg auf Zeit mit Rückkehrgarantie. Bevor Arbeitnehmer in die Auszeit starten, sollten einige rechtliche Fragen geklärt werden.

Neuer Trend in der deutschsprachigen LiteraturGeschichtslust - der Boom historischer Stoffe

Ein Denkmal Friedrich des Großen (1712-1786) - Friedrich II. - in Kloster Zinna (picture alliance / dpa / Ralf Hirschberger)

Im Herbst erscheinen eine ganze Reihe deutschsprachiger Romane, die um historische Stoffe und Persönlichkeiten komponiert sind: Wir sprechen mit Helmut Böttiger darüber, woher die neue Lust am Historischen kommt - bei Literaten und bei Lesern.

Fiktive Wahlkampfreden von LiteratenWähle! Wähle vernünftig - auch wenn die Zähne knirschen

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff freut sich am 26.10.2013 in Darmstadt (Hessen) bei der Verleihung des Georg-Büchner-Preises  (dpa / picture alliance)

Sibylle Lewitscharoff hält eine fiktive Wahlkampfrede aus der Sicht eines Juristen im Ruhestand. Angesichts des Personals in anderen Ländern findet sie, dürften sich die Deutschen glücklich schätzen.

Cola-Verschwörungsmythen"Trink nicht das Blut deines Bruders"

Coladosen in der neuen Fabrik in Isparta, Türkei (imago stock&people / Tolga Adanali)

Coca-Cola ist für manche Muslime zum Feindbild geworden. Sie unterstellen dem Getränkehersteller, Israel aufzurüsten. Dieser Verschwörungsmythos führt in der Türkei zu Protesten. Zuletzt, als Präsident Erdoğan eine neue Cola-Fabrik eröffnete. Nun gießen immer mehr Türken die Limo in den Gulli.

Atomabkommen mit dem IranAusstieg der USA "wäre eine große Katastrophe für die Welt"

Stefan Liebich, Mitglied der Berliner Linken und des Bundestages, nimmt am 30.05.2015 in Berlin am Landesparteitag der Partei Die Linke teil. Porträt eines Mannes im Anzug, der freundlich lächelnd in die Kamera grinst, das Kinn aufgestützt in der Hand, mit Brille. (dpa/Stephanie Pilick)

Die USA drohen mit der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran. Stefan Liebich, Obmann der Linken im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, hält das für eine "ganz falsche Entwicklung". Nur weil der Präsident im Weißen Haus jetzt nicht mehr Obama heiße, sei das kein Grund, alles über den Haufen zu werfen, sagte er im Dlf.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

UNO-Vollversammlung  Gabriel kritisiert nationale Egoismen | mehr

Kulturnachrichten

Russland schickt Swjaginzew ins Oscar-Rennen  | mehr

 

| mehr