Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gaddafis Regime bröckelt

Libyens Außenminister flüchtet nach London - CIA hat offenbar Kontakt zu Rebellen

Rückzug von Rebellen aus Ras Lanuff (picture alliance / dpa)
Rückzug von Rebellen aus Ras Lanuff (picture alliance / dpa)

Die Lage der Aufständischen ist trotz der Unterstützung durch die NATO schwierig. Eine Schwächung des Regimes bedeutet jedoch die Flucht des Außenministers nach London. Derweil machen Berichte über CIA-Aktivitäten in Libyen die Runde.

Die Reihen um Oberst Muammar al-Gaddafi lichten sich: Schon der dritte Minister ist von dem Diktator abgefallen. Der Außenminister Libyens, Mussa Kussa, hat sich nach London abgesetzt und seinen Rücktritt erklärt, wie Jochen Spengler im Deutschlandradio Kultur berichtet (Audio-Beitrag). Mussa Kussa (AP)Mussa Kussa, hier noch in Diensten Gaddafis (AP)Nach seiner Ankunft wurde er vom britischen Geheimdienst vernommen. (DLF - Informationen am Abend, Audio-Beitrag)

Unklar ist, ob Mussa Kussa um Asyl in Großbritannien bitten wird. Er genieße dort keine diplomatische Immunität, sagte Außenminister William Hague. Für die westlichen Nachrichtendienste ist der langjährige Chef des libyschen Auslandsgeheimdienstes von großem Wert, denn er war einer der wichtigsten Männer des zerfallenden Regimes und ein Vertrauter Gaddafis, berichtet Jochen Spengler aus London (Audio-Beitrag). Weitere Stützen könnten folgen: "Gaddafi muss sich fragen, wer der Nächste ist", erklärte Außenminister Hague.

In Tripolis sind seit dem Abend wieder Explosionen zu hören. Die staatlichen Behörden beklagen immer mehr zivile Opfer nach Luftangriffen der westlichen Alliierten. Die Nato prüft dies derzeit. Die libysche Opposition beschuldigt hingegen die regierungstreuen Truppen, für weitere Tote verantwortlich zu sein. Die Aufständischen gerieten zuletzt wieder in die Defensive, berichtet Torsten Teichmann im Deutschlandfunk (Audio-Beitrag). Der TV-Sender Al-Arabija meldete allerdings, dass aufständische Kämpfer in die von ihnen verlorene Küstenstadt Brega zurückgekehrt seien.

Innerhalb von zwei Tagen haben Gaddafis Truppen die Aufständischen im Osten des Landes um 150 Kilometer zurückgedrängt. Die Rebellen versuchen, sich neu zu formieren. Augenzeugen berichten von brutaler Gewalt von Regierungstruppen und Milizen gegen die Bevölkerung. Im Westen des Landes ist Gaddafis Propaganda durchaus erfolgreich, heißt es im Bericht von Jürgen Stryjak für Deutschlandradio Kultur (Audio-Beitrag).

Die NATO übernahm am Donnerstagmorgen wie geplant das alleinige Kommando über die Luftangriffe in Libyen (DLF - Informationen am Abend, Audio-Beitrag). Bisher waren die Amerikaner federführend. Das Bündnis habe die nötigen Mittel, um die Operation "Unified Protector" durchzuführen, erklärte Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen laut Homepage der NATO (englisch). Dazu zählen das Waffenembargo, die Flugverbotszone und Angriffe auf Bodenziele, sofern sie dem Schutz der libyschen Bevölkerung dienen.

Trotz der NATO-Angriffe seien die Rebellen in der Defensive, berichtet ARD-Korrespondent Jörg Armbruster im Deutschlandfunk. Grund sei die schlechte Ausrüstung im Gegensatz zu den Gaddafi-Truppen. Waffenlieferungen des Westens an die Aufständischen seien problematisch, da sie eine eindeutige Parteinahme darstellten, so Armbruster. Auch in der NATO herrscht Uneinigkeit in der Frage, wie weit die Unterstützung der Aufständigen gehen dürfe. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen lehnt Waffenlieferungen ab. Die USA fordern ein stärkeres Engagement der Partnerländer und wollen nach Angaben von Verteidigungsminister Robert Gates zugleich ihre Beteiligung an den Luftangriffen reduzieren.

"No boots on the ground", keine amerikanischen Bodentruppen in Libyen, das ist das Credo von US-Präsident Barack Obama. Doch ist die CIA ist in dem nordafrikanischen Land offenbar seit Wochen sehr aktiv, sei es zur Auskundschaftung von Zielen für die Luftwaffe, sei es zur Kontaktaufnahme mit den Rebellen. Eine offizielle Bestätigung dieser Aktivitäten des Geheimdienstes gibt es wie üblich aber nicht, berichtet Klaus Remme aus Washington für Deutschlandradio Kultur (Audio-Beitrag)


Mehr auf dradio.de

Interview mit dem CDU-Politiker Schockenhoff: Waffenlieferung unter Aufsicht

Kommentar: Es gibt kein weiches Mittel gegen Gaddafi

Der arabische Aufstand - Sammelportal

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:07 Uhr Studio 9 - Der Tag mit ...

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Rassismus in Deutschland"Das ist Raubbau an der Demokratie"

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby aus Halle. (pa/dpa/Stache)

SPD-Politiker Karamba Diaby ist der erste schwarze Politiker im Bundestag. Auf Facebook hetzte jetzt die NPD gegen ihn - er konterte mit einem provokativen Post. "Die versuchen, mich einzuschüchtern. Ich darf mir das nicht gefallen lassen", sagte er im Dlf.

ProtestkulturZiviler Ungehorsam nimmt ab

Sitzblockade von Atomkraftgegnern im Kreis Lüchow-Dannenberg beim Zwischenlager Gorleben. (picture alliance / dpa / Foto: Philipp Schulze)

Stress mit der Polizei? Lieber nicht! Immer mehr Menschen scheuen sich davor, sich staatlichen Entscheidungen mit gewaltfreien Methoden zu widersetzen, beklagt der Politikwissenschaftler Peter Grottian: "Die Leute haben die Hosen voll."

Nach den ErdbebenAmatrice: Kampf um die Kunst

Madonna-Statuen, die aus zerstörten Kirchen in Amatrice und Accumoli geborgen wurden, stehen in einer Lagerhalle in Cittaducale (Italien).  (picture alliance / Alvise Armellini/dpa)

Dem heiligen Rochus ist ein Bein abgesplittert, ein Jesuskopf zersprungen: Bei den Erdbeben in Umbrien im vergangenen Jahr wurden auch Kunst- und Kulturgüter verschüttet. Mittlerweile wurden viele von ihnen geborgen. Restauratoren bemühen sich nun um die Rettung des kulturellen Gedächtnisses.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Gesichtserkennung  De Maizière weist Bedenken zurück | mehr

Kulturnachrichten

Deutscher Jugendorchesterpreis geht nach Schwerin  | mehr

 

| mehr