Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gauck: "Demokratie muss wehrhaft sein"

Gedenken an Krawalle von Rostock-Lichtenhagen

Bundespräsident Joachim Gauck in Rostock (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
Bundespräsident Joachim Gauck in Rostock (picture alliance / dpa / Jens Büttner)

Vor 20 Jahren kam es in Rostock-Lichtenhagen zu den schlimmsten ausländerfeindlichen Unruhen der Nachkriegsgeschichte. Auf der zentralen Gedenkkundgebung betonte Bundespräsident Joachim Gauck, wie wichtig mutige Bürger und ein starker Staat für die Demokratie seien.

Gauck bezeichnete die fremdenfeindlichen Ausschreitungen von 1992 in Rostock-Lichtenhagen als Ausdruck staatlichen Versagens. "Demokratie muss wehrhaft sein und darf sich das Gewaltmonopol nicht aus der Hand nehmen lassen", mahnte er bei der zentralen Gedenkkundgebung zum 20. Jahrestag der Krawalle. Die Demokratie brauche beides: Mutige Bürger, die nicht wegschauen, aber vor allem auch einen Staat, der fähig ist, Würde und Leben zu schützen, forderte der Bundespräsident vor etwa 3000 Gästen.

Während seiner Rede wurde Gauck mehrmals von Störern unterbrochen, die ihm Heuchlerei vorwarfen. Schon am Vortag hatte ein Bündnis antirassistischer Initiativen, das ebenfalls zu einer Gedenkveranstaltung aufgerufen hatte, der Stadt und Gauck vorgeworfen, nur das Ansehen Rostocks vor Deutschland und der Welt reinwaschen zu wollen.

Sellering (SPD): Es gibt "nichts zu beschönigen"

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) warnte davor, die ausländerfeindlichen Übergriffe zu relativieren. An den Ausschreitungen gegen das Asylbewerberheim gebe es "nichts zu beschönigen, nichts zu rechtfertigen, nichts zu relativieren". Sellering wies aber auch darauf hin, dass Lichtenhagen das Land verändert habe. In Mecklenburg-Vorpommern und in ganz Deutschland seien viele Initiativen gegründet worden, die für Demokratie, Toleranz und ein friedliches Zusammenleben eintreten.

n der Nacht zum 27. August 1992 schirmt die Polizei das inzwischen geräumte und teilweise abgebrannte Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen ab. (picture alliance / dpa /Jens Kalaene)Polizei und Schaulustige in Rostock am 27.08.1992 (picture alliance / dpa /Jens Kalaene)Im August 1992 hatten Jugendliche und Erwachsene in Rostock die überfüllte Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein benachbartes Heim für vietnamesische Arbeiter mit Steinen und Brandsätzen tagelang angegriffen, ohne von der Polizei wirksam gestoppt zu werden. Aus der Menge der Schaulustigen bekamen sie dafür immer wieder Applaus. Etwa 150 Menschen konnten sich erst in letzter Minute vor Flammen und Rauch in Sicherheit bringen. Die Bilder gingen um die Welt. Rostock-Lichtenhagen wurde über Jahre hinweg zum Symbol für Ausländerhass in Deutschland.

5000 Menschen demonstrierten gegen Rassismus

Tausende haben in Rostock-Lichtenhagen gegen Rassismus demonstriert (picture alliance / dpa / Jens Büttner)Tausende haben in Rostock-Lichtenhagen gegen Rassismus demonstriert (picture alliance / dpa / Jens Büttner)Am Sonntagmorgen waren rund 1500 Radfahrer im Rahmen einer Sternfahrt nach Lichtenhagen gekommen, um an der zentralen Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Bereits am Samstag hatten zahlreiche Menschen der Krawalle im Stadtteil Lichtenhagen gedacht. Rund 5000 Teilnehmer versammelten sich vor dem "Sonnenblumenhaus", deren ausländische Bewohner vor 20 Jahren angegriffen worden waren. Die Demonstranten waren zuvor in einem langen Zug vom Rostocker Rathaus durch die Stadt gezogen.

Das Bündnis "20 Jahre nach den Pogromen - Das Problem heißt Rassismus", das zu der Kundgebung aufgerufen hatte, erklärte: "Die Erinnerung an Lichtenhagen darf nicht erlöschen. Deutschland, Europa darf sich nicht weiter abschotten. Wir brauchen eine ganz andere Asylpolitik."

Mehr Beiträge zum Thema Lichtenhagen finden Sie auch auf der Themenschwerpunktseite vom Deutschlandradio Kultur.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:10 Uhr Sport am Samstag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:05 Uhr Oper

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Software-EntwicklungAgile Methoden sind gefragt

Biometrische Gesichtserkennung (imago/Science Photo Library)

Seit 25 Jahren findet jährlich in München die OOP-Konferenz statt. OOP steht für Objekt-Orientiertes Programmieren. OOP gehört heute zu den Standards in der Software-Entwicklung, und die Konferenz dazu ist ein Branchentreffen der Software-Entwickler im Land.

EnergieversorgungErdgasreserven in Gefahr

Der Block 3 des Kraftwerks Irsching. (dpa / Tobias Hase)

Erdgas gilt im Vergleich zu anderen herkömmlichen Rohstoffen wie Kohle oder Öl als sauber und klimafreundlich: Gaskraftwerke verursachen weniger Schadstoffe und sind flexibel einsetzbar. Die Energiegewinnung aus Erdgas könnte deshalb eine wichtige Brückentechnologie sein.

Oscar-Nominierter Patrick Vollrath"Ich freue mich einfach, dabei zu sein"

Dustin Loose, Patrick Vollrath, Michelle Rodriguez und Ilker Catak bei der Preisverleihung der Student Academy Awards 2015 in Beverly Hills. (Valerie Macon / AFP)

Unter den Kurzfilmen, die in diesem Jahr für den Oscar nominiert sind, ist auch "Alles wird gut" von dem Deutschen Regisseur Patrick Vollrath. Ein "sehr europäischer Film, also ohne Musik", sagt Vollrath, der dafür 2015 schon den bronzenen Studenten-Oscar bekam.

Fahrt ins Blaue Russlands Traum von der Eroberung der Arktis

Übersicht über die russische Hafenstadt Murmansk auf der Halbinsel Kola, aufgenommen am 17.8.2000. (picture-alliance / dpa / Alexander Nemenov)

1,2 Millionen Quadratkilometer Polarmeer und Milliarden Tonnen Öl und Gas aus den Tiefen der Arktis: Das ist die Vision des Kreml, um Russland auf Jahrzehnte hin den Status einer Energiegroßmacht zu sichern. Im August 2014 hat die russische Regierung bei den Vereinten Nationen den Anspruch auf weite Gebiete rund um den Nordpol untermauert.

Flüchtlingsandrang bei den Tafeln"Es wird eine Lebensmittel-Obergrenze geben"

Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter gibt am 30.12.2015 in Flensburg (Schleswig-Holstein) im Verteilraum der Flenburger Tafel Lebensmittel unter anderem an syrische Asylbewerber aus. Foto: Markus Scholz/dpa (zu dpa: " Unter meiner Leitung gibt es keinen Aufnahmestopp" vom 15.01.2016) (picture alliance / dpa / Markus Scholz)

250.000 Flüchtlinge sind Kunden der Tafeln in Deutschland - mancher Stammkunde sieht darin eine unliebsame Konkurrenz um knappe Lebensmittel. Man werde dennoch niemanden aufgrund seiner Herkunft oder Religion ausschließen, sagt der Vorsitzende des Tafelverbandes.

Kottbusser Tor in Berlin-KreuzbergAnwohner wehren sich gegen zunehmende Kriminalität

Blick auf die U-Bahnstation "Kottbusser Tor" in Berlin-Kreuzberg (picture alliance / dpa / Foto: Soeren Stache)

Kreuzberg wurde lange "Klein Istanbul" genannt und gehört mittlerweile zu den angesagtesten Bezirken Berlins. Immer mehr Touristen besuchen den Stadtteil. Der hat aber auch eine dunkle Seite, die Gewerbetreibende und Anwohner rund um die U-Bahnstation Kottbusser Tor stark beunruhigt. Eine Bürgerinitiative will das jetzt ändern.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Visa  Türkei verschärft Einreisebedingungen für Iraker | mehr

Kulturnachrichten

Stone Temple Pilots suchen neuen Sänger per Anzeige  | mehr

Wissensnachrichten

Entsalzung  Batterie macht Süßwasser | mehr