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Gauck gedenkt Opfer eines SS-Massakers

NS-Kriegsverbrechen in italienischem Ort "schreit zum Himmel"

Bundespräsident Joachim Gauck (Archivbild) (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
Bundespräsident Joachim Gauck (Archivbild) (picture alliance / dpa / Jens Büttner)

Bundespräsident Joachim Gauck hat in der italienischen Ortschaft Sant'Anna di Stazzema der Opfer eines SS-Massakers im Jahr 1944 gedacht. Er warb um Versöhnung - und bedauerte eine Entscheidung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.

"Das Verbrechen, das hier stattgefunden hat, schreit bis heute zum Himmel", sagte Bundespräsident Joachim Gauck bei einer Gedenkveranstaltung in Sant'Anna di Stazzema. In der Ortschaft rund 40 Kilometer nördlich von Pisa waren am 12. August 1944 mehr als 560 Menschen erschlagen, erschossen und verbrannt worden.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte im Oktober 2012 entschieden, es könne nicht mit ausreichender Sicherheit nachgewiesen werden, dass es sich bei dem Massaker der Panzergrenadierdivision "Reichsführer SS" um eine "befohlene Vernichtungsaktion gegen die Zivilbevölkerung" gehandelt habe. Die Anklagebehörde stellte deswegen das Ermittlungsverfahren gegen acht noch lebende Beschuldigte ein.

Gauck: Das Verbrechen darf nicht vergessen werden

"Es verletzt unser Empfinden für Gerechtigkeit tief, wenn Täter nicht überführt werden können, wenn Täter nicht bestraft werden können, weil die Instrumente des Rechtsstaats das nicht zulassen", sagte Gauck dazu. Schuld sei aber nicht nur eine Frage des Strafrechts. Die öffentliche Benennung von Schuld und Schuldigen sei erlaubt und notwendig, um "den folgenden Generationen klar und deutlich zu sagen, was Recht und was Unrecht war".

"Das Verbrechen, das hier stattgefunden hat, darf niemand, der davon weiß, vergessen", erklärte Gauck in Anwesenheit seines italienischen Amtskollegen Giorgio Napolitano. "Hier in Sant'Anna wurde Recht massiv verletzt und Menschenwürde mit Füßen getreten." Darum sei es ein "Wunder", dass zwischen beiden Länder Versöhnung stattgefunden habe. Diese könne jedoch nie verlangt, sondern nur erbeten und gewährt werden, "wenn auf Täterseite glaubwürdig Reue gezeigt und Veränderung in Wort und Tat gelebt wird".


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

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