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Gauck: "Ich repräsentiere ein anderes Deutschland"

Bundespräsident erinnert an französische NS-Opfer

Gauck wurde von Frankreichs Außenminister Fabius in Paris empfangen. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Gauck wurde von Frankreichs Außenminister Fabius in Paris empfangen. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Es ist nicht nur der erste Staatsbesuch eines Bundespräsidenten in Frankreich seit 1996. Gauck wird auch als erster deutscher Bundespräsident das Ruinendorf Oradour-sur-Glane besuchen, in dem die SS vor Kriegsende ein Massaker verübt hatte. Eine deutsch-französische Versöhnungsgeste.

In Paris wehen schon seit Freitag französische und deutsche Flaggen entlang den Champs-Élysées, berichtet unsere Korrespondentin Ursula Welter. Zum Auftakt seines Staatsbesuchs traf sich nun Bundespräsident Joachim Gauck mit Frankreichs Präsident Francois Hollande und Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault. Hollande und Gauck verurteilten dabei den mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Syrien.

Geschichtsträchtiger Besuch in Mittelfrankreich

Am Mittwoch fahren Gauck und Hollande zusammen nach Oradour-sur-Glane in Mittelfrankreich. Am 10. Juni 1944 hatte dort eine Panzerdivision der Waffen-SS mehr als 600 Franzosen getötet, darunter mehr als 200 Kinder. Der im Fall des SS-Massakers ermittelnde Oberstaatsanwalt Andreas Brendel sagte im Deutschlandfunk, dass noch gegen fünf Beschuldigte der Jahrgänge 1925 und 1926 in Deutschland ermittelt werde und gegen einen weiteren in Österreich.

Es ist das erste Mal, dass ein Bundespräsident diesen Ort besucht. Gauck wird dort auch mit Angehörigen der Opfer und Überlebenden des Massakers sprechen. Einer von ihnen wird den deutschen Staatsgast durch das Ruinendorf führen, das nie wieder aufgebaut wurde. Gauck sagte kurz vor Beginn seines Staatsbesuches, der Besuch in Oradour werde der bewegendste Moment seiner Reise: "Ich bin froh, dass es inzwischen möglich ist, als deutscher Bundespräsident diesen Ort des Schreckens zu besuchen." Die Bewohner von Oradour hatten jahrzehntelang jeglichen offiziellen Kontakt zu Deutschland abgelehnt.

Die Erinnerung an Oradour war auch auf französischer Seite lange Zeit belastet. Unter den Tätern befanden sich auch Soldaten der Waffen-SS aus dem Elsass, die nach einem Urteil in den 1950er-Jahren begnadigt wurden. In Frankreich wird Gaucks Besuch in Oradour in einer Linie gesehen mit der Versöhnungsgeste von Verdun im Jahr 1984 zwischen dem damaligen Präsidenten Francois Mitterand und Bundeskanzler Helmut Kohl.

Oradour-sur-Glane (Bild: Lachenaud Pascal)
Ein Teil des Dorfes Oradour, der nach dem Massaker durch die SS nicht wieder aufgebaut wurde.

Würdigung der französischen Reformanstrengungen

Aus dem Bundespräsidialamt hieß es, Gauck wolle das Treffen mit Hollande auch dazu nutzen, die französischen Reformanstrengungen in der Eurokrise zu würdigen und gleichzeitig zu weiteren Schritten zur Modernisierung der Wirtschaft ermutigen. Zum Abschluss fliegt Gauck am Donnerstag nach Marseille, in die diesjährige europäische Kulturhauptstadt.

Sein jetziger Staatsbesuch im Jubiläumsjahr in Frankreich ist der erste eines Bundespräsidenten seit 1996. Damals war Roman Herzog zu Gast in dem Land. In Deutschland gibt es eine Regel, wonach jährlich acht Staatsbesuche stattfinden sollen, davon vier Empfänge in Deutschland und vier Auslandsreisen des Bundespräsidenten. Welche Länder dafür ausgewählt werden, entscheidet zwar der Bundespräsident selbst, das Auswärtige Amt schlägt allerdings mögliche Staaten vor. Staatsbesuche, die nur ein Staatsoberhaupt absolvieren kann, stehen ganz oben im diplomatischen Protokoll. Entsprechend wird bei der Auswahl der Länder auf Ausgewogenheit geachtet. Somit liegen zwischen den einzelnen Staatsbesuchen oft mehrere Jahre.

Neben Staatsbesuchen gibt es auch offizielle Besuche und Arbeitsbesuche im Ausland. Diese sind im diplomatischen Protokoll niedriger eingestuft. So war Gauck bereits im Mai 2012 zu einem kurzen Antrittsbesuch nach Paris gereist.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

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