Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gauck nennt Steuerhinterzieher "asozial"

Hoeneß: "Riesenmist gebaut" - Union verliert in Umfrage

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß verspürt großen Druck von Steuerfahndern (dpa / Ronald Wittek, Tobias Hase)
FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß verspürt großen Druck von Steuerfahndern (dpa / Ronald Wittek, Tobias Hase)

Bundespräsident Gauck appelliert an die Steuerehrlichkeit der Deutschen. Die Politik müsse im Interesse der Demokratie auch über strengere Gesetze nachdenken. FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß gibt sich indes reumütig und verzweifelt.

Sein Fall vom Vorbild zum Buhmann der Bundesrepublik sei für ihn schwer zu ertragen, sagte der 61-jährige Hoeneß der Wochenzeitung "Die Zeit". "Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch." Seine Fehler wolle er "so gut wie möglich korrigieren". Der Präsident des Fußballclubs Bayern München räumte ein, er habe mit einem Kredit des früheren Adidas-Chefs Robert-Louis Dreyfus an der Börse "richtig gezockt". Als suchtkrank würde er sich aber nicht bezeichnen. "Sollte ich vor Gericht müssen, erscheine ich dort nicht als kranker Mann." Der öffentliche Druck belaste dennoch seine Gesundheit sehr. Einen Rücktritt vom Amt des Präsidenten des FC Bayern schloss Hoeneß nicht mehr aus.

Von der Tatsache, dass seine Selbstanzeige öffentlich wurde, sei er vollkommen überrascht worden: "Es gab bislang Tausende von Selbstanzeigen, ich hatte noch von keiner gehört, die öffentlich wurde."

Gauck warnt vor "zweierlei Standards"

Bundespräsident Gauck während seiner "Europa-Rede" (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Bundespräsident Joachim Gauck (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Bundespräsident Joachim Gauck kritisierte Steuerhinterzieher. Es dürfe sich nach der Causa Hoeneß keineswegs das Gefühl ausbreiten, wer nicht trickse, sei selbst schuld. "Dieses Gefühl gefährdet unsere Demokratie", sagte Gauck dem Magazin "stern". "In unserem Land darf es in rechtlichen und moralischen Fragen nicht zweierlei Standards geben, einen für die Starken und einen für die Schwachen."

Daher sei eine Strafverschärfung für Steuervergehen grundsätzlich überlegenswert. "Wer Steuern hinterzieht, verhält sich verantwortungslos oder gar asozial", sagte der Bundespräsident. Es müsse darüber nachgedacht werden, "ob nicht auch strengere Gesetze nötig sind, die aus einer fragwürdigen Handlung einen Straftatbestand machen". Der Fall Hoeneß habe Gauck überrascht. Er erschrecke jedes Mal, "wenn Sympathieträger stürzen, weil sie irgendwie verstrickt sind". Zugleich warnte der Bundespräsident vor einer "kitschigen Vereinfachung" des Gesellschaftsbildes. "Wer sich unsere Gesellschaft so vorstellt, als stünden lauter moralische Normalverdiener lauter unmoralischen Reichen gegenüber, der irrt."

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kündigte an, das Prinzip der Strafbefreiung bei Steuerdelikten durch eine Selbstanzeige verfassungsrechtlich überprüfen zu lassen. Eine Arbeitsgruppe solle Vorschläge erarbeiten, wie Steuerbetrug besser bekämpft werden kann und ob die Selbstanzeige-Regelung in erster Linie für Bagatellfälle angewendet werden soll, sagte Schäuble in Erfurt.

Meinungsforscher: Steueraffäre schadet Union

Die Steueraffäre hat einer Wahlumfrage zufolge den Unionsparteien Zustimmung gekostet. Zum ersten Mal in diesem Jahr rutschten CDU und CSU in der Forsa-Umfrage unter die Marke von 40 Prozent. Die Union käme demnach auf 39 Prozent, ein Minus von drei Punkten im Vergleich zur Vorwoche. Die Liberalen verharren bei fünf Prozent. Wie in der Vorwoche wollen 23 Prozent für die SPD stimmen und 14 Prozent für die Grünen. Lediglich die Linke kann einen Punkt gutmachen und kommt auf acht Prozent.

Der Chef des Forsa-Meinungsforschungsinstituts Manfred Güllner sagte, die Steueraffäre um Hoeneß habe "vor allem wegen dessen Nähe zur CSU" der Union geschadet. Von dem öffentlichen Unmut profitieren jedoch neben der Linken lediglich die Splitterparteien: Die Anti-Euro-Partei (AfD) gewinnt einen Punkt und erreicht drei Prozent, die "sonstigen Parteien" legen um einen Punkt auf fünf Prozent zu.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

RegierungsbildungSPD unter Druck

Die SPD-Politiker Sigmar Gabriel und Martin Schulz im Bundestag (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

Der Bundespräsident bittet zum Gespräch. Nach FDP und Grünen ist nun die SPD für Donnerstag ins Schloss Bellevue geladen. Zwar hält Martin Schulz an seiner Absage an eine Große Koalition fest, doch in der SPD wächst die Sorge, dass die Genossen als Totalverweigerer dastehen könnten.

Aktion des Zentrums für politische SchönheitEin Holocaust-Mahnmal vor Höckes Haustür

Das "Denkmal der Schande", ein verkleinerter Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals, ist am 22.11.2017 in Bornhagen im Eichsfeld (Thüringen) in Sichtweite des Grundstücks von AfD-Politiker Höcke zu sehen. (dpa / Swen Pförtner)

Das Zentrum für politische Schönheit hat Björn Höcke eine stark verkleinerte Version des Berliner Holocaust-Mahnmals aufs Nachbargrundstück gestellt. So hat der AfD-Rechtsaußen nun täglich einen direkten Blick auf das "Denkmal der Schande", wie er es selbst einst nannte. Fragt sich jetzt nur: wessen Schande?

MigrationKlimawandel als Fluchtursache

Menschen bewohnen die Karibikinsel Barbuda seit der Verwüstung durch Hurrikan Irma noch nicht wieder (Deutschlandradio/ Anne-Katrin Mellmann)

Einen Zusammenhang von Fluchtbewegungen und klimatischen Veränderungen beobachten Wissenschaftler schon seit Jahrhunderten. Als Fluchtursache wird der Klimawandel in Zukunft aber wohl eine immer größere Rolle spielen, sagen Experten. Klimaschutz alleine kann die Fluchtbewegungen jedoch nicht aufhalten.

Spielfilm über den IS"Wenn Ideologie tief sitzt, gibt es nichts zu verlieren"

Der Regisseur Züli Aladag mit seinen Hauptdarstellern Tamer Yigit (l) und Edin Hasanovic (r) (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)

Warum schließen sich junge Deutsche, auch ohne Migrationshintergrund, dem IS an, reisen sogar in den Krieg? Was passiert dort mit ihnen? Und was, wenn sie zurück sind? Der Regisseur Züli Aladag hat den dreistündigen Film "Brüder" über diese Fragen gedreht.

Qualitätsschaumweine im TestGuter Sekt muss nicht teuer sein

Ein Sektkorken schießt aus einer Sektflasche heraus. (imago/Westend61)

Es muss nicht immer Schampus sein: Die Stiftung Warentest hat die in Deutschland am häufigsten verkauften Sektmarken untersucht - vom teuren und edlen Tropfen bis hin zum Discounterangebot. Und: Die meisten konnten überzeugen.

Lust am BösenDie Rückkehr der Schauergeschichte

Zombie-Angriff einer Zoomitarbeiterin bei "Halloween im Zoo" in Stuttgart am 31.10.2016 (dpa / picture alliance / Benjamin Beytekin)

Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert waren Schauergeschichten angesagt. Irene Binal ist eine bekennende Anhängerin, hat eine neue Schauer-Anthologie gelesen und fragt, wo die Gespenster heute eigentlich abgeblieben sind.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ratko Mladic  Lebenslange Haft für den "Schlächter von Bosnien" | mehr

Kulturnachrichten

"In aller Freundschaft"-Hauptdarsteller ist tot | mehr

 

| mehr