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Gauck nennt Verbrechen in Oradour-sur-Glane "barbarisch"

Bundespräsident erinnert an Opfer von SS-Massaker in Frankreich

Gauck umarmt den Überlebenden Robert Hebras im Beisein von Frankreichs Präsident Hollande (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Gauck umarmt den Überlebenden Robert Hebras im Beisein von Frankreichs Präsident Hollande (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Sichtlich bewegt besuchte Joachim Gauck als erster deutscher Bundespräsident die Gedenkstätte Oradour-sur-Glane. SS-Soldaten hatten dort 1944 ein Massaker mit Hunderten Toten angerichtet - und bemühte sich um eine Geste der Versöhnung.

Mit einer Geste der Versöhnung haben die Präsidenten von Deutschland und Frankreich der Gräueltaten von deutschen Soldaten in Frankreich gedacht. Bundespräsident Joachim Gauck und Frankreichs Staatschef François Hollande ließen sich in der Gedenkstätte im französischen Ruinendorf Oradour-sur-Glane von dem Überlebenden und Zeitzeugen Robert Hebras das Massaker schildern. In dem Ort hatten Soldaten der Waffen-SS 1944 mehr als 600 Franzosen ermordet und den Ort ausgelöscht.

Gauck dankte den Überlebenden und Angehörigen der Opfer in seiner Rede im Namen aller Deutschen dafür, "dass Sie uns mit diesem Willen zur Versöhnung gegenübertreten". Dieser Ort und seine Bewohner seien in einem "barbarischen, in einem zum Himmel schreienden Verbrechen vernichtet" worden, sagte Gauck. So großherzig die Geste der Versöhnung auch sei, "so kann sie mich doch auch nicht von dem tiefen Entsetzen befreien angesichts der großen Schuld, die Deutsche an diesem Ort auf sich geladen haben". Gauck versprach: "Wir werden Oradour und die anderen europäischen Orte des Grauens und der Barbarei nicht vergessen."

Schon vor dem Besuch hatte der Bundespräsident betont: "Ich freue mich, dass dieser Besuch möglich ist." Es sei der "emotionale Höhepunkt" seines dreitägigen Besuchs in Frankreich. Die Bewohner von Oradour hatten jahrzehntelang jeglichen offiziellen Kontakt zu Deutschland abgelehnt.

Die Erinnerung an Oradour war auch innerhalb Frankreichs lange Zeit belastet. Unter den Tätern befanden sich Soldaten aus dem Elsass, die nach einem Urteil in den 1950er-Jahren begnadigt wurden.

Ein Teil des Dorfes Oradour, der nach dem Massaker durch die SS nicht wieder aufgebaut wurde. (Bild: picture alliance, dpa, Lachenaud Pascal)

Ein Teil des Dorfes Oradour, der nach dem Massaker durch die SS nicht wieder aufgebaut wurde. (Bild: picture alliance, dpa, Lachenaud Pascal)



In einer Linie mit der Versöhnungsgeste von Verdun

Der Besuch des deutschen Bundespräsidenten wird von vielen in einer Linie mit der Versöhnungsgeste von Verdun gesehen: 1984 trafen sich der damalige Präsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl. Das Bild der beiden Hand in Hand ging um die Welt.

Gauck war gestern in Paris mit militärischen Ehren begrüßt worden. Im Elysee-Palast traf er Hollande. Beide Politiker verurteilten dabei den mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Syrien. Zum Abschluss seines Besuchs fliegt Gauck nach Marseille, die europäische Kulturhauptstadt 2013.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

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