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Gauck pocht in Israel auf Zwei-Staaten-Lösung

Zugleich bezeichnet der Bundespräsident das iranische Atomprogramm als Gefahr

Bundespräsident Joachim Gauck am Flughafen Ben Gurion in Israel (picture alliance / dpa /  Wolfgang Kumm)
Bundespräsident Joachim Gauck am Flughafen Ben Gurion in Israel (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Staatsbesuch in Israel das Existenzrecht Israels betont und die Achtung der Belange des palästinensischen Volkes gefordert. Israelis und Palästinenser müssten die Rechte des jeweils anderen anerkennen, sagte Gauck beim Emfang durch seinen Amtskollegen Shimon Peres.

Nötig sei "eine Lösung, die Wirklichkeit werden kann, wenn beide Seiten aufeinander zugehen und die Rechte des jeweils anderen anerkennen". Hintergrund ist der seit Monaten erneut stockende Friedensprozess sowie der anhaltende Bau jüdischer Siedlungen in den von Israel besetzten Palästinenser-Gebieten.

Das iranische Atomprogramm bezeichnete Gauck als konkrete Gefahr für Israel und die Region und als eine potenzielle Bedrohung für Europa. Der iranischen Regierung wird vorgeworfen, sie strebe unter dem Deckmantel der Energieversorgung nach Atomwaffen.

Kranzniederlegung in Yad Vashem

Bundespräsident Joachim Gauck (M.) besucht die Hall of Names in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Bundespräsident Joachim Gauck besucht gemeinsam mit Shimon Peres (l.) und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt (r.) die Hall of Names in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Gemeinsam haben die Präsidenten am Vormittag die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besucht. Gauck unternahm einen Rundgang durch das im Jahr 2005 eröffnete Museum zur Geschichte des Holocaust und informierte sich über die Archivarbeit der Gedenkstätte. Mit einer Kranzniederlegung gedachte der Bundespräsident der sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Gauck traf am Nachmittag Überlebende und Angehörige der Opfer des Attentats auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972.

Auf dem Programm stehen zudem Begegnungen mit Regierungschef Benjamin Nethanjahu, Außenminister Avigdor Liebermann sowie Oppositionsführerin Shelly Yachimovich.

"Die Erinnerung an die Shoah zu erhalten, ist eine besondere Aufgabe für uns Deutsche", betonte Gauck im Vorfeld der Reise und sprach von einer deutschen Verantwortung gegenüber Israel und dem Kampf gegen Antisemitismus als den Eckpfeilern deutscher Politik.

Gauck besorgt über israel-kritische Stimmung in Deutschland

In einem Interview mit israelischen Zeitung "Ha'aretz"äußerte sich Gauck besorgt über eine zunehmend kritischere Haltung vieler Deutscher zu Israel. Als Freund des Landes beunruhigten ihn entsprechende Umfrage-Ergebnisse, sagte Gauck der Zeitung "Ha'aretz". Der Bundesrepublik komme aus den Abgründen ihrer Geschichte eine einzigartige Verantwortung gegenüber Israel zu. Der Umfrage des Magazins "Stern" zufolge stufen 70 Prozent der Deutschen Israels politisches Vorgehen als "aggressiv" ein, nur noch 36 Prozent finden Israel "sympathisch".

Kritik an Prager Erklärung

Schon bei seinem Besuch in den Niederlanden Anfang des Monats war Gauck für sein Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Opfern und Folgen des Nationalsozialismus gelobt worden.

Doch er hat auch Kritik auf sich gezogen. So zum Beispiel für seine Entscheidung, 2008 die Prager Erklärung unterzeichnen - ein Dokument, in dem Nationalsozialismus und Stalinismus als ähnlich verbrecherische Regime bezeichnet und ein gemeinsamer Gedenktag für die Opfer gefordert werden. Dies relativiere die Einzigartigkeit des Holocausts, so die Befürchtung israelischer Kritiker.

Abstecher in die Palästinensergebiete

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hält eine Kopie des Antrags seines Landes auf UN-Vollmitgliedschaft vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York in die Höhe (AP / Richard Drew)Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York (AP / Richard Drew)Gauck trifft auch den Netanjahu-Kritiker und Friedensaktivisten David Grossmann zum Gespräch. Der Schriftsteller gilt als scharfer Kritiker der derzeitigen Regierung - ihn zu treffen hat deshalb Symbolwert.

Anders als seine Amtsvorgänger lässt Gauck seinen Israel-Besuch in einen Besuch der Palästinenser-Gebiete münden. Dort will er am Donnerstag in Ramallah den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und Regierungschef Salam Fayad treffen, bevor er bei Nablus eine mit deutschen Mitteln errichtete Mädchenschule einweiht. Im israelischen Außenministerium gab man sich etwas pikiert. "Das ist nicht nötig", sagte Sprecher Jigal Palmor - "aber warum sollte Gauck nicht nach Ramallah fahren?" Man erwarte jedenfalls eine "ausgewogene Rede" vom Bundespräsidenten.

Der Besuch Joachims Gaucks ist auch Thema in der Presseschau des Deutschlandfunks.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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