Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gauck will Erinnerung an NSU-Terror wachhalten

Bundespräsident trifft Angehörige der Opfer

Bundespräsident Joachim Gauck und die Mutter des ermordeten Halit Yozgat, Ayse.
Bundespräsident Joachim Gauck und die Mutter des ermordeten Halit Yozgat, Ayse.

Bundespräsident Joachim Gauck hat den Angehörigen der Opfer des NSU-Terrors versprochen, sich für dieAufklärung der Verbrechen einzusetzen. Bei einem Treffen mit etwa 70 Verwandten der Ermordeten sagte Gauck, er wolle mithelfen, dass ihr Leid "weiter wahrgenommen und anerkannt" wird.

Das Treffen im Berliner Schloss Bellevue begann nicht ungetrübt: Mehrere Angehörige der Ermordeten hatten ihre Teilnahme abgesagt. So schrieb etwa die Schwester des in Hamburg getöteten Süleymann Tasköprü in einem Brief an Bundespräsident Joachim Gauck, aus dem Medien zitierten: "Glauben Sie, es hilft mir, wenn Sie betroffen sind?" Sie fühle sich dem Besuch bei ihm alleine nicht gewachsen und habe sich deshalb von ihrer Anwältin begleiten lassen wollen – was das Bundespräsidialamt abgelehnt habe. Ähnlich erging es anderen Angehörigen.

Ob Gauck bei dem Treffen darauf einging, ist nicht bekannt. Laut dem Redemanuskript des Bundespräsidialamtes versprach er, sich für die konsequente Aufklärung der Taten und Hintergründe einzusetzen: "Ich kann Ihnen nicht versprechen, Ihnen Sorgen nehmen zu können, die Sie heute bedrücken", sagte Gauck, wie Deutschlandradio-Korrespondentin Katharina Hamberger berichtet. "Aber ich möchte Ihnen allen sagen, als Bundespräsident: Ich werde tun, was ich kann, dass unser Land – unser gemeinsames Land! – nicht vergisst, was geschehen ist! Ich will mithelfen, dass Ihr Leid weiter wahrgenommen und anerkannt wird. Und dass aufgeklärt wird, wo es Fehler und Versäumnisse gegeben hat, dass darüber gesprochen und wenn nötig auch gestritten wird, was wir daraus lernen müssen!"

Gauck will Ermittlungen beobachten

Bundespräsident Joachim Gauck spricht mit Ismail Yozgat, Vater des in Kassel ermordeten Halit, für den er eine Straße umbenennen lassen will. (Bundespresseamt / Jesco Denzel)Bundespräsident Joachim Gauck spricht mit Ismail Yozgat, Vater des in Kassel ermordeten Halit. Für ihn soll nach dem Willen seines Vaters eine Straße umbenannt werden. (Bundespresseamt / Jesco Denzel)Die rechtsextreme Terrorzelle NSU soll zwischen 2000 und 2007 insgesamt zehn Menschen ermordet haben, unter ihnen neun Kleinunternehmer ausländischer Herkunft und eine Polizistin. Der rechtsterroristische Hintergrund der Taten wurde nach Versäumnissen der Behörden erst im November 2011 aufgedeckt. Zuletzt hatte Gauck die Angehörigen der NSU-Opfer vor einem Jahr getroffen – bei der offiziellen Gedenkfeier der Bundesrepublilk für die Toten.

Bei dem Treffen am Montag in Berlin sagte der Bundespräsident, er werde genau verfolgen, "ob staatliche Stellen ausreichend aufklären und Fehler Fehler nennen". In solchen Fällen werde er auch nach Konsequenzen fragen. "Ich will, dass Sie neues Vertrauen fassen können", sagte er an die Angehörigen gewandt. Gauck wollte mit dem Treffen ein Zeichen setzen, dass ihm die Aufarbeitung wichtig ist. Er sei daran interessiert, den Familien solidarisch beizustehen.

Kritik an schleppender Aufklärung der Mordserie

Opferanwalt Yavuz Narin sagte im Deutschlandradio Kultur, dass seine Mandanten nicht zum Treffen bei Bundespräsident Gauck kommen, sei keine Kritik an dessen Person. Er zeigte sich aber befremdet, dass gleichzeitig das Bundesinnenministerium die Aufklärungsarbeit der Untersuchungsausschüsse behindere - zuletzt etwa, weil es dem Bundestags-Untersuchungsausschuss keine Informationen über einen V-Mann geben wollte. Erst nach einer Klageandrohung des Ausschusses habe das Ministerium eingelenkt.


Mehr auf dradio.de:

Chronologie der Pannen bei der Aufklärung der NSU-Mordserie

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:15 Uhr Andruck - Das Magazin für Politische Literatur

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 18:15 Uhr Redaktionskonferenz

Aus unseren drei Programmen

Loveparade-KatastropheNotwendiges Neuland

Eine Gedenkstätte für das Loveparade-Unglück in Duisburg.  (dpa/Monika Skolimowska)

Die Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe von vor sechs Jahren sei in ein unwürdiges Schwarzer-Peter-Spiel ausgeartet, kommentiert Moritz Küpper. Warum nicht den Teufelskreis durchbrechen und eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen? Das wäre Neuland - und ein Zeichen an die Opfer.

Medienreform in PolenWackelt die vierte Gewalt im Staat?

Demonstration gegen Polens umstrittenen Medien- und Justizgesetze in Brüssel am 18. Januar 2016. (picture alliance / dpa  - Laurent Dubrule)

Die amtierende PiS-Regierung in Polen plant für den 1. Juli eine Reform der Medien. Die öffentlichen-rechtlichen Medien sollen in nationale verwandelt werden. Wegen internationaler Kritik hat die Regierung die Reform auf 2017 verschoben.

Darknet und Deep WebWarum Anonymität im Netz wichtig ist

Eine Illustration, bei der ein Mann im Hasso-Plattner-Institut in Potsdam (Brandenburg) eine Hand auf einen Bildschirm mit dem visualisierten, weltumspannenden Internet hält. (dpa / Ralf Hirschberger)

Der Journalist und Autor Alexander Krützfeldt hält es für falsch, nach den jüngsten Gewalttaten nun die Möglichkeiten zu begrenzen, anonym im Internet zu surfen. Solche Software sei wichtig für Dissidenten, NGOs und Reporter, sagte er im DLF.

Unruhe vor Parteitag der DemokratenHat die Parteispitze Clinton bevorzugt?

Arbeiter bereiten den Saal im Wells Fargo Center in Philadelphia für den National Convention der US-Demokraten vor. (picture-alliance/ dpa/ epa/ CJ Gunther)

Ex-Außenministerin Hillary Clinton will ins Weiße Haus. Der Nominierungsparteitag der Demokraten in Philadelphia soll deshalb zu einer machtvollen Demonstration der Einheit werden. Doch ausgerechnet jetzt sorgen pikante und geleakte E-Mails aus dem Kreis der Parteispitze für Unruhe.

Autorin Stefanie SargnagelZwischen Depression und Größenwahn

Die Autorin Stefanie Sargnagel (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)

Ihre literarische Karriere begann auf Facebook, ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte sie dieses Jahr mit einer Einladung zu den Bachmann-Tagen in Klagenfurt. Die Österreicherin Stefanie Sargnagel gilt als Kult-Autorin. Wir reden mit ihr über Depression und Größenwahn.

SchönheitsidealHilfe, mein Kinn ist nicht männlich!

Wenn ihr im Netz nach "Plastischer Chirurgie" sucht, findet ihr neben Nasen und Brüsten immer mehr Diskussionen über das Kinn. Junge Männer fragen sich: Sollte ich über ein Kinnimplantat nachdenken? DRadio Wissen hilft euch.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ansbach  Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen | mehr

Kulturnachrichten

Schärfere Kontrollen bei Konzerten  | mehr

Wissensnachrichten

Anti-Ransomware-Programm  Europol gegen Netz-Erpressungen | mehr