Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gedenken an die Opfer von Tschernobyl

20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe

Menschen gedenken in der ukrainischen Stadt Slavutich der Opfer der Katastrophe von Tschernobyl. (AP)
Menschen gedenken in der ukrainischen Stadt Slavutich der Opfer der Katastrophe von Tschernobyl. (AP)

Mit Gottesdiensten und Schweigeminuten haben zehntausende Menschen in der Ukraine, Weißrussland und Russland an den 20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erinnert.

In der Nacht trugen mehrere hundert Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung in der ukrainischen Hauptstadt Kiew rote Nelken und brennende Kerzen. Um 1:23 Uhr, zu dem Zeitpunkt, als am 26. April 1986 der Reaktor in Block 4 explodierte, läuteten die Glocken 20 Mal.

Blick auf den zerstörten Atomreaktor Nr. 4 in Tschernobyl (AP)Blick auf den zerstörten Atomreaktor Nr. 4 in Tschernobyl (AP)Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko legte in Kiew Rosen an einem Denkmal für die Feuerwehrleute und Ingenieure nieder, die infolge ihres Einsatzes bei der Katastrophe gestorben waren. Viele von ihnen waren lediglich mit Schaufeln und Gasmasken ausgerüstet, um den radioaktiven Schutt beiseite zu räumen. Auf dem Gelände des Atomkraftwerks versammelten sich frühere Mitarbeiter und deren Familien zu Ehren der Opfer.

Auch in Slawutitsch nahe von Tschernobyl wurde an die Katastrophe erinnert. Hier führte ein Schweigemarsch zu einem Denkmal, das den ersten Opfern des Unglücks gewidmet ist.

Festnahmen in Moskau


Auf dem Roten Platz in Moskau nahm die Polizei 13 Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace fest, die ungeachtet eines Demonstrationsverbots gegen die Atomkraftnutzung in Russland protestiert hatten.

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war der bislang folgenschwerste Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation starben vermutlich mehr als 9000 Menschen an den Folgen der radioaktiven Strahlung. Organisationen wie Greenpeace gehen von einer weit höheren Zahl von Todesopfern aus. Sie sprechen von bis zu 100.000 Opfern.

Ein Schild warnt in einem Wald in der Nähe von Tschernobyl vor dem Genuss von gesammelten Beeren und Pilzen. (AP)Ein Warnschild in der Nähe von Tschernobyl warnt auch noch zwei Jahrzehnte nach dem Unglück vor dem Genuss von verseuchten Beeren und Pilzen. (AP)Ganze Landstriche in der Ukraine und in Weißrussland wurden durch den Unfall radioaktiv verseucht, fast 350.000 Menschen mussten nach dem Unglück umgesiedelt werden. Auch in weiten Teilen Nord- und Westeuropas fiel radioaktiver Niederschlag.

Der zerstörte Reaktor wurde mit westlicher Hilfe in einen Beton-Sarkophag eingeschlossen. Dieser ist aber mittlerweile brüchig und einsturzgefährdet. Ein neuer Überbau aus Stahl befindet sich in der Planungsphase.

Gabriel verteidigt deutschen Atomausstieg


Vor dem Hintergrund des 20. Jahrestages der Reaktorexplosion in Tschernobyl bekräftigte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel den in Deutschland beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie. Angesichts der Katastrophe von Tschernobyl würde man eine Rücknahme dieser Entscheidung wohl kaum begründen können, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandradio Kultur. Um die Energieversorgung langfristig zu sichern, müssten die alternativen Energiequellen stärker gefördert werden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:16 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:10 Uhr Büchermarkt

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

HausratversicherungOhne Einbruchsicherung kein Schutz?

Schnell und leise will er die Tat hinter sich bringen: Ein Einbrecher hebelt mit einem Brecheisen eine Tür im Keller eines Wohnhauses auf. ((c) dpa)

Eine Hausratversicherung ersetzt Einbruchschäden - vorausgesetzt, die Täter hatten nicht zu leichtes Spiel. Vor Abschluss einer solchen Versicherung sollte man daher genau prüfen, welche Sicherheitsstandards bei den einzelnen Anbietern gelten.

Aus den FeuilletonsDas Potential feministischer Frauenpornos

Gay Pride in Brasilien (imago/Christian Franz Tragni)

Frauenpornos laufen richtig gut, schreibt die "Taz": Was genau sich hinter diesem Genre verbirgt, erklärt dort Laura Méritt. Sie ist Aktivistin und Mitbegründerin des PorYes-Festivals, das am Wochenende in Berlin stattfindet.

Sure 104 Verse 1-9Reichtum, Materialismus und sozialrevolutionäre Ideen im Koran

Wie schon die Bibel, setzt sich auch der Koran kritisch mit Reichtum, Vermögen und Prahlerei auseinander. Gedroht wird mit Höllenfeuer. Dem bedeutenden, jüngst verstorbenen indischen Gelehrten Asghar Ali Engineer reicht dies nicht aus.

Schriftsteller Daniel Kehlmann "Der Narr kann überall hin"

Der Schriftsteller Daniel Kehlmann (Deutschlandradio / David Kohlruss)

Wenn er ein neues Buch veröffentlicht, ist ihm ein Spitzenplatz in den Bestsellerlisten sicher, spätestens seit seinem Bestseller "Die Vermessung der Welt". Und auch Daniel Kehlmanns gerade erschienenes neustes Werk "Tyll" erfährt begeisterte Kritiken.

Ausstellung in LondonMultimediale Geschichtsstunde mit Harry Potter

Eine Frau hält das Buch "Harry Potter and the Cursed Child Parts I & II" von Joanne K. Rowling am 25.08.2016 in Berlin im "English Bookshop" im Kulturkaufhaus Dussmann in den Händen. (dpa / Jens Kalaene)

Liebevoll dekoriert und klug sortiert: Mit "A History of Magic" erklärt die British Library die Geschichte der Magie. Die multimediale Ausstellung in London lehnt sich an den Stundenplan von Harry Potters Zauberschule Hogwarts an.

PsychologieReligiosität ist flexibel

Religiöse Traditionen haben an Bedeutung verloren. Ihre Spiritualität leben viele Menschen heute anders aus. (imago stock&people)

Der Tod eines geliebten Menschen oder schwere Krankheit – es gibt viele Gründe, warum sich die Sicht auf Religion ändert. Religiöse Menschen fangen an zu zweifeln, Atheisten fragen: Gibt es doch ein Leben nach dem Tod? Religionspsychologen erforschen, wie sich Religiosität verändert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Gipfel  Merkel: Verlauf der Brexit-Gespräche hängt von London ab | mehr

Kulturnachrichten

Erster Auschwitz-Prozess für Weltdokumentenerbe nominiert  | mehr

 

| mehr