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Gedenken an NS-Opfer im Bundestag

Merkel eröffnet Ausstellung über Weg in Diktatur

Endstation Auschwitz: Mehr als eine Million Juden wurden hierher, meist in Güterwaggons, deportiert und ermordet (picture alliance / dpa / CTK)
Endstation Auschwitz: Mehr als eine Million Juden wurden hierher, meist in Güterwaggons, deportiert und ermordet (picture alliance / dpa / CTK)

80 Jahre nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler gedenkt der Bundestag zur Stunde der Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Die Hauptrede wird die deutsch-israelische Schriftstellerin Inge Deutschkron halten. Sie hatte sich mit ihrer Mutter jahrelang vor den Nationalsozialisten versteckt.

"Es gibt auch heute noch Orte, die ich meide, weil dort schreckliche Sachen passiert sind, die ich nicht vergessen kann", sagt Inge Deutschkron im Interview mit dem Jugendportal des Bundestags "mitmischen.de". "Die Berliner Sprache ist aber irgendwie die einzige, die ich wirklich kann." Die heute 90-Jährige hatte sich während der NS-Zeit jahrelang mit ihrer Mutter versteckt und den Holocaust im Berliner Untergrund überlebt. Heute wird die deutsch-israelische Autorin des Buches "Ich trug den gelben Stern" im Plenarsaal des Bundestags die Rede zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus halten.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) (AP)Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) (AP)Neben den Verbrechen des Holocausts gehe es auch um die "Machterschleichung Hitlers", sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) im Deutschlandfunk. Das alljährliche Gedenke erfolge "um der Würde der Toten Willen, aber auch um unsertwillen, damit wir nicht vergessen, was Deutschen, was in diesem Land und diesem Volk einmal an Entsetzlichem möglich war", sagte Thierse. "Das erinnert uns daran, dass Freiheit und Demokratie, die uns so selbstverständlich geworden sind, wunderbarerweise, dass sie doch immer auch gefährdet sind und wir uns daran erinnern sollten, so hundertprozent selbstverständlich ist sie nicht." Beim Thema Rechtsextremismus warnte Thierse vor Gelassenheit. Die Arbeit des Verfassungsschutzes während der Mordserie des rechtsextremen Terrorgruppe NSU sei ein "entsetzliches Lehrstück für Versagen".

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, forderte, die Erinnerung an den Holocaust lebendig zu halten. Er wünsche sich zum Beispiel, dass jeder Schüler wenigstens einmal eine Gedenkstätte oder ein Konzentrationslager besuche, sagte Graumann im NDR.

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Hitler zum Reichskanzler und ebnete ihm und seinen Anhängern damit den Weg zur Macht. Am Sonntag wurde bereits der NS-Opfer anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 68 Jahren gedacht.

Ausstellung in der "Topographie des Terrors"

Ausstellung "Berlin 1933 - Der Weg in die Diktatur" (dpa / Kay Nietfeld)Ausstellung "Berlin 1933 - Der Weg in die Diktatur" (dpa / Kay Nietfeld)Der internationale Gedenktag findet eigentlich am 27. Januar statt. Da dieser Tag in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel, wurde die Gedenkstunde in die Sitzungswoche des Parlaments auf den 30. Januar verlegt. Zum Auftakt der Sitzung, an der alle Verfassungsorgane teilnehmen, will Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sprechen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnete zuvor in Berlin eine Ausstellung über den Weg Deutschlands in die NS-Diktatur vor 80 Jahren. Die Präsentation des Dokumentationszentrums "Topographie des Terrors" zeichnet das Ende der Weimarer Republik und die Wochen nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 nach. Mit großformatigen Fotos, Texttafeln und Abbildern von Originaldokumenten werden die ersten sechs Monate der NS-Herrschaft dargestellt. Gleichzeitig erinnert die Ausstellung an 36 Bürger, die zu Beginn des Terrorregimes Opfer von Verfolgung wurden.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bezeichnete den 30. Januar 1933 als die "dramatischste Zäsur" in der Geschichte der Stadt. "Hitlers Ernennung war kein demokratischer Akt, sondern eine Verschwörung einiger weniger alter Herren", betonte Wowereit. "Hitler wäre zu verhindern gewesen. Nie hätte die Nazipartei eine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich bringen können; die NSDAP befand sich schon auf dem absteigenden Ast."


Programmhinweis:
- Der Deutschlandfunk überträgt die Gedenkveranstaltung aus dem Deutschen Bundestag ab 12 Uhr als Livestream sowie im Digitalradio DAB+.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

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