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Gedenkfeiern in Windhook

Namibia erinnert an den Herero-Aufstand vor hundert Jahren

Zeugen des Verbrechens: Hereror-Krieger in deutscher Gefangenschaft (AP)
Zeugen des Verbrechens: Hereror-Krieger in deutscher Gefangenschaft (AP)

In Namibia haben am Sonntag die Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Herero-Aufstands gegen die frühere deutsche Kolonialregierung begonnen. In Okahandja nahe der Hauptstadt Windhuk nahmen rund 250 Menschen an einer Kundgebung teil, die mit einer feierlichen Kranzniederlegung eröffnet wurde. Mit Ausnahme des deutschen Botschafters sowie zweier namibischer Regionalräte war kein Regierungsvertreter anwesend. Der Gedenktag wird begleitet von Geschichtsdebatten und Reparationsforderungen der Herero.

Die blutige Niederschlagung des Aufstands gilt als einer der verhängnisvollsten Feldzüge, die das deutsche Kaiserreich je in seinen Kolonien geführt hat. Historiker haben den rücksichtslosen Vernichtungsfeldzug gegen die Herero wiederholt in die Nähe des Völkermords gerückt.

Gnadenlose Rache

Es war ein Rachefeldzug ohne Gnade, der zur Vernichtung einer ganzen Volksgruppe führte. Vor hundert Jahren, am 12. Januar 1904, begannen die Herero in Namibia, damals die deutsche Kolonie "Südwest-Afrika", den Aufstand gegen die Besatzer. Doch die Kolonialmacht holte aus zu fürchterlicher Vergeltung: Eine Strafexpedition brachte mindestens 60.000 Herero den Tod, nur jeder Vierte überlebte. Historiker werten den Feldzug in dem Land, das heute Namibia heißt, als düsterstes Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte. Die Bundesregierung spricht von einem "traurigen Jahrestag", lehnt eine offizielle Entschuldigung und Entschädigung nach Vorbild der NS-Zwangsarbeiterzahlungen aber ab.

Landraub, Ausbeutung und Unterjochung warf die von den Deutschen verächtlich "Hottentotten" genannten Hereros den deutschen Kolonisatoren vor. Doch der überlegenen Waffentechnik der Kolonialmacht hatten die Aufständischen wenig entgegenzusetzen hatten, so dass sie die entscheidende Schlacht am Waterberg im August 1904 verloren. Danach wurden die Überlebenden von den deutschen Soldaten die Überlebenden in die staubtrockene Omaheke-Wüste getrieben und von den Wasserstellen systematisch abgetrennt. Der deutsche Oberbefehlshaber Lothar von Trotha fällte ein berüchtigt gewordenes Urteil: "Von dem Volk der Herero muss jeder das Land verlassen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen."

"Ströme von Blut"

In einem Brief, der heute im Bundesarchiv in Potsdam liegt, rechtfertigte von Trotha damals sein Vorgehen: "Diese Gewalt mit krassem Terrorismus und selbst mit Grausamkeit auszuüben, war und ist meine Politik. Ich vernichte ausländische Stämme mit Strömen von Blut und Strömen von Geld."

Vor zwei Jahren klagten Herero-Vertreter in den USA auf eine Entschädigung von knapp vier Milliarden Euro. Die Bundesregierung lehnt die Zahlung ab. Deutschland stehe zu seiner Vergangenheit, lehne eine «entschädigungsrelevante Entschuldigung» aber ab, sagte Außenminister Joschka Fischer im Oktober in Namibia. Sein Sprecher Walter Lindner verwies zum Jahrestag darauf, dass Namibia pro Kopf gesehen die höchste deutsche Entwicklungshilfe in Afrika bekommt. "Der besonderen Verantwortung sind wir uns selbstverständlich bewusst. Es ist ein trauriger Jahrestag."



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Genozid in Namibia

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:04 Uhr

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