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Geduld mit Griechenland am Ende

Geldgeber denken an Staatsbankrott und Euro-Austritt

Zwischen Euro und Drachme: Griechische Parteien ringen um Regierungsbildung (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Zwischen Euro und Drachme: Griechische Parteien ringen um Regierungsbildung (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Monatelang wollten EU-Politiker das hochverschuldete Griechenland nicht verloren geben. Nun macht sich Skepsis breit. Die wichtigsten Geldgeber des Landes, allen voran Deutschland, sind nicht mehr bereit, die Regierung in Athen über die bisherigen Zusagen hinaus zu unterstützen.

Griechenland sei elementar für die Eurozone, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch im März erklärt. Ein Austritt wäre katastrophal. Das sieht die Bundesregierung mittlerweile anders. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnte es indirekt ab, Griechenland mehr Zeit zur Erfüllung der vereinbarten Reformen und Sparmaßnahmen einzuräumen. "Wenn es Verzögerungen gegeben hat, muss Griechenland diese aufholen", sagte Schäuble der "Bild"-Zeitung. Das Land befindet sich seit fünf Jahren in der Rezession. Die griechische Wirtschaftsleistung ist im vergangenen Jahr um mehr als 6,5 Prozent gesunken, und der Schrumpfprozess geht weiter, berichtet Reinhard Baumgarten.

Im Sanierungsprogramm der Griechen klafft laut "Süddeutscher Zeitung" ein Loch in zweistelliger Milliardenhöhe, weil während des Wahlkampfs im Frühjahr fast alle Reformvorhaben liegen geblieben waren. Die im zweiten EU-Hilfspaket zugesagten Kredite von 130 Milliarden Euro würden so nicht reichen. Athen muss entweder noch mehr sparen oder aber die Euro-Partner um bis zu 50 Milliarden Euro bitten. Kaum ein Land ist jedoch dazu bereit, die Finanzwünsche der Griechen zu erfüllen.

Keine Angst vor dem Austritt

Bundeswirtschaftsminister und Vize-Kanzler Philipp Rösler (FDP)Wirtschaftsminister und Vize-Kanzler Philipp Rösler, FDPWirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) gibt Griechenland kaum noch Chancen auf einen Verbleib in der Euro-Zone. "Ich bin mehr als skeptisch", sagte Rösler in der ARD mit Blick auf die Umsetzung der Auflagen der internationalen Gemeinschaft als Voraussetzung für Finanzhilfen. "Wenn Griechenland seine Auflagen nicht erfüllt, dann kann es keine weitere Zahlungen mehr an Griechenland geben", sagte der FDP-Chef. Das Land werde dann zahlungsunfähig sein. Für ihn habe "ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone längst seinen Schrecken verloren".

IWF bekräftigt Unterstützung

Der Internationale Währungsfonds will Griechenland weiter unterstützen. Ein Sprecher wies in Washington Medienberichte zurück, der IWF wolle sich an Finanzhilfen für Athen nicht länger beteiligen. Man werde Griechenland zur Seite stehen, damit das Land seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwinden könne, sagte der Behördenvertreter. Von Dienstag an solle die so genannte Troika mit Experten von EU, Europäischer Zentralbank und IWF ihre Arbeit in Athen fortsetzen. Dabei werde auch darüber beraten, wie die ins Stocken geratenen Reformen im Land vorangetrieben werden könnten. Der Abschlussbericht der Finanzfachleute ist entscheidend für weitere Zahlungen an Griechenland. Für September ist die Überweisung der nächsten Milliarden-Tranche aus dem Rettungspaket vorgesehen.

Trittin warnt vor Hysterie

Jürgen Trittin Bundestag Fiskalpakt (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin warnte im Deutschlandfunk vor übereilten Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. "Es nützt überhaupt nichts, hysterisch durch die Sommerpause zu hüpfen und immer das zu fordern, was man schon vor der Sommerpause gefordert hat, wie hier jetzt im Falle Rösler und Dobrindt, nämlich dass die Griechen nun daran gehen sollten, ein Großteil ihres Geldvermögens endgültig zu entwerten und zur Drachme zurückzukehren."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

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