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"Gefasst! Die Jagd ist vorbei"

Bostoner Polizei erklärt Tätersuche per Twitter vorerst für beendet

Ein Fahndungsbild des 19-Jährigen (links) mit seinem Bruder (picture alliance / dpa /FBI)
Ein Fahndungsbild des 19-Jährigen (links) mit seinem Bruder (picture alliance / dpa /FBI)

Nach dem Anschlag auf den Boston Marathon mit drei Toten ist die Suche nach den mutmaßlichen Bombenattentätern abgeschlossen. Einer der beiden Brüder wurde auf der Flucht erschossen, der andere lebend gefangen. Während zahlreiche Bürger die Polizei bejubelten, sind für US-Präsident Obama noch Fragen offen.

<p>"GEFASST! Die Jagd ist vorbei", twitterte die Bostoner Polizei um 20:58 Uhr Ortszeit (2:58 Uhr MESZ) in fast poetischer Manier. Wenige Minuten zuvor sei Dschochar Zarnajew gestellt worden. Der 19-Jährige hatte sich laut Polizei nach einer Schießerei im Bostoner Vorort Watertown in ein abgestelltes Boot geflüchtet. Nach seiner Festnahme wurde er schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Seinen 26 Jahre alten Bruder und mutmaßlichen Komplizen Tamerlan Zarnajew hatte die Polizei zuvor <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="253167" text="auf der Flucht erschossen" alternative_text="auf der Flucht erschossen" />. Die beiden Männer stammen aus einer tschetschenischen Familie, die vor etwa zehn Jahren in die USA eingewandert war. Der 19-Jährige nahm die US-Staatsbürgerschaft an.<br /><br /><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>CAPTURED! The hunt is over. The search is done. The terror is over. And justice has won. Suspect in custody.</p>— Boston Police Dept. (@Boston_Police) <a href="https:twitter.com/Boston_Police/status/325413032110989313">20. April 2013</a></blockquote><br /><script async src="http://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>Die Großfahndung mit rund 10.000 Einsatzkräften hatte die Stadt in einen Ausnahmezustand versetzt. Für die Bewohner von Watertown, unweit des Campus' der Havard University, galt fast den ganzen Tag über eine Ausgangssperre. Als diese am Nachmittag aufgehoben wurde, entdeckte die Besitzerin des Bootes Blutspuren auf einer Abdeckplane. Daraufhin alarmierte sie die Polizei. Dschochar Zarnajew war an der Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology (MIT) eingeschrieben.<br /><br />Nach der Erfolgsmeldung der Fahnder brach auf den Straßen von Watertown Jubel aus. Bürger strömten auf die Straßen, applaudierten den Einsatzkräften und riefen "USA, USA". Beim Boston-Marathon waren vor fünf Tagen drei Menschen getötet und 176 verletzt worden; einige erlitten lebensgefährliche Verletzungen, 58 wurden noch nach fünf Tagen im Krankenhaus behandelt.<br /><br /></p><p><strong>Obama erleichtert und besorgt</strong></p><p><papaya:media src="ce66980ee16ad1d149db69d91c6dbf38" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="US-Präsident Barack Obama" popup="yes" />In einer ersten Stellungnahme würdigte US-Präsident Barack Obama die Arbeit der Polizei. Es blieben aber noch viele Fragen offen, meinte Obama. Die Kernfrage: "Warum haben junge Männer, die hier aufgewachsen sind und studiert haben, als Teil unserer Gemeinschaft und unseres Landes, zu so starker Gewalt gegriffen?" Auch wisse man noch nicht, ob die mutmaßlichen Bombenleger Helfer gehabt hätten. Er versprach, die Ermittler würden herausbekommen, wie und warum der Anschlag auf den Boston-Marathon verübt worden sei.<br /><br />US-Sicherheitskräfte vermuten einen islamistischen Hintergrund. Es gebe bislang aber keine Hinweise darauf, dass die Brüder Kontakte zum Extremistennetzwerk Al-Kaida oder anderen militanten Gruppen gehabt hätten. Die Suche nach etwaigen Verbündeten der beiden im In- oder Ausland habe nun oberste Priorität, sagte ein Sicherheitsbeamter.<br /><br />Die Eltern der Brüder äußerten dagegen in getrennten Interviews, ihren Söhnen sei etwas angehängt worden, was sie nicht begangen hätten. Die beiden seien streng gläubige Moslems und unfähig, solch ein Bombenattentat zu verüben. Ehemalige Klassenkameraden beschrieben die Brüder als gute, unauffällige Schulfreunde, bei denen kein Hang zum Extremismus zu erkennen gewesen sei. Ein Schulfreund Dschochars, Eric Mecado, sagte dem Fernsehsender CNN, Dschochar habe "nie etwas Bösartiges" gezeigt. "nichts, woraus man schließen könnte, dass er zu so etwas in der Lage wäre".<br /><br /></p><p><strong>FBI befragte Verdächtigen bereits 2011</strong></p><p>Der getötete 26-jährige Tamerlan Zarnajew stand bereits einmal im Visier der US-Bundespolizei FBI. Anlass sei Anfang 2011 die Anfrage einer ausländischen Regierung gewesen, hieß es. Demnach soll Zarnajew "Anhänger eines radikalen Islam" gewesen sein und sich darauf vorbereitet haben, die USA zu verlassen, um sich Untergrundorganisationen anzuschließen. Laut FBI ergaben die Befragung von Zarnajew und dessen Familie sowie die Überprüfung von Reisedokumenten, Internetverkehr und persönlichen Kontakten damals allerdings keine Anzeichen einer "terroristischen Aktivität". Welche ausländische Regierung die Untersuchung anstieß, gab das FBI nicht bekannt.<br /><br />Offen ist bislang, wann das Attentat in Boston geplant wurde. Dass einer der beiden Tatverdächtigen bereits vor geraumer Zeit die Aufmerksamkeit des FBI erregt hatte, könnte die US-Regierung unter Druck setzen. Bei früheren Anschlägen kam die Frage auf, ob sich die Taten hätten verhindern lassen, wenn Geheimdienste und Polizei verschiedenen Hinweisen konsequenter nachgegangen wären und sich darüber besser ausgetauscht hätten. Nach der Festnahme in Boston lobte US-Präsident Obama jedoch ausdrücklich die Teamarbeit.<br /><br /><iframe width="480" height="270" src="http://www.youtube.com/embed/bXchBWwxI_k?feature=player_embedded" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><br /><br /></p><p><strong>Ähnliche Bedrohungen in Deutschland?</strong></p><p><papaya:media src="ce365488814aa495dfb46f1770c402ba" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesverfassungsschutzes" popup="yes" />Der deutsche Verfassungsschutz warnt vor einer ähnlichen Bedrohung in Deutschland. "Wir müssen davon ausgehen, dass ein oder mehrere Täter im Land sind, die abermals einen Versuch unternehmen und dann vielleicht eine funktionsfähige Bombe einsetzen", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der "Frankfurter Rundschau". Er sehe mit großer Sorge, dass der versuchte Anschlag auf dem Bonner Hauptbahnhof nach mehr als vier Monaten noch immer nicht aufgeklärt ist.<br /><br />Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sprach sich unterdessen für eine Ausweitung der Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen aus. "Die Ereignisse in Boston zeigen erneut, wie wichtig die Überwachung des öffentlichen Raums durch Videokameras für die Aufklärung schwerster Straftaten ist", sagte Friedrich laut Vorabbericht der "Bild am Sonntag". "Deshalb arbeiten wir zum Beispiel mit der Bahn daran, die Videoüberwachung an den Bahnhöfen zu stärken." Eine konkrete Bedrohung für Deutschland gebe es aber nicht.</p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr

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