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Gefühle hinter erotischen Gesten

Der französische Regisseur Patrice Chéreau ist tot

"Eine der größten französischen Künstler": Patrice Chéreau ist gestorben (picture alliance / dpa / Alfredo Aldai)
"Eine der größten französischen Künstler": Patrice Chéreau ist gestorben (picture alliance / dpa / Alfredo Aldai)

In Deutschland wurden unter anderem seine Bayreuther Wagner-Inszenierungen und Filme wie "Die Bartholomäusnacht" und "Intimacy" bekannt: Patrice Chérau gilt als einer der renommiertesten europäischen Theater-, Opern- und Filmregisseure. Mit seinem Tod geht eine große 40-jährige Karriere zu Ende.

Als Theaterregisseur inszenierte Chéreau bedeutende Werke der Musikgeschichte, darunter Wolfgang Amadeus Mozarts "Don Giovanni", "Tristan und Isolde" von Richard Wagner und "Hamlet" von Shakespeare. Für seine letzte Inszenierung, Richard Strauss' "Elektra", erntete er noch im Juli Beifallsstürme beim Opernfestival im südfranzösischen Aix-en-Provence.

Dem deutschen Publikum wurde er vor allem durch seine Wagner-Inszenierungen in den 70er Jahren bekannt. Richard Wagners Enkel Wolfgang holte den Franzosen seinerzeit nach Bayreuth. Dort interpretierte er unter anderem 1976 die "Götterdämmerung" als antikapitalistische Revolution.

Auch wenn die Bühnenarbeit immer seine Basis blieb, machte sich Chéreau seit 1974 auch als Filmregisseur einen Namen. Sein vielfach preisgekrönter Historienfilm "Die Bartholomäusnacht" (1994) und das Beziehungsdrama "Wer mich liebt, nimmt den Zug" (1998) gehören zu seinen großen Erfolgen. Mit "Intimacy" (2000) konnte er sich endgültig als Filmemacher von Rang etablieren: Er gewann 2001 den Goldenen Bären der Berlinale. Der eigenwillige Film handelt von einer Beziehung, bei der es nicht um Gefühle geht, sondern nur um Sex.

Fragender Blick auf Gefühlswelten

Die Präsenz von Gesichtern und Körpern, die direkte Nähe zu den Figuren und Darstellern, zeichnete Chéreaus Inszenierungen aus. Sein Blick war immer fragend - er ergründete, welche Gefühlswelten sich hinter Küssen, Berührungen, erotischen Gesten auftun. In seinen Bühnenstücken und Filmen machte er so wie kein Zweiter Sehnsucht, Verzweiflung, Einsamkeit sichtbar.

Chéreau genoss als Regisseur den Ruf, enorm anspruchsvoll und fleißig zu sein. Wie die Zeitung "Le Monde" am Montagabend unter Berufung auf Familienangehörige berichtete, starb er im Alter von 68 Jahren in Paris an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung.

"Einer der größten französischen Künstler ist gestorben", ließ Frankreichs Präsident François Holland kurz darauf in einer offiziellen Erklärung mitteilen. "Er hinterlässt eine bemerkenswerte Spur".

 

Letzte Änderung: 21.10.2013 11:34 Uhr

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