Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gegenwind für Frauenquote

Regierungen und Arbeitgeber lehnen die von der EU-Kommission geplante Quote für große Unternehmen ab

EU-Justizkommissarin Viviane Reding will 40 Prozent der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt sehen. (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)
EU-Justizkommissarin Viviane Reding will 40 Prozent der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt sehen. (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)

Innerhalb der EU-Kommission hat Justizkommissarin Viviane Reding ihre Idee einer Frauenquote durchgesetzt. In den EU-Ländern muss sie allerdings noch Überzeugungsarbeit leisten. Viele Regierungen lehnen es ab, dass Aufsichtsräte ab 2020 zu mindestens 40 Prozent weiblich besetzt sein müssen. Es gibt aber auch Unterstützung.

<p>Vor allem diejenigen, die die Frauenquote umsetzen müssen, wehren sich, etwa Regierungen, Unternehmen und Arbeitgeberverbände. Ihre Reaktionen auf den <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="228319" text="Beschluss der EU-Kommission vom Vormittag" alternative_text="Beschluss der EU-Kommission vom Vormittag" /> fallen zum Teil heftig aus. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sprach in Berlin von einem verfassungsrechtlich bedenklichen Eingriff in das Recht der Arbeitgeber, ihre Stellen selbst zu besetzen. Präsident Dieter Hundt hatte zuvor in Interviews mehrmals betont, er lehne die Quote ab, weil sie "die betriebliche Realität" nicht genug berücksichtige. Heute sprach die BDA von "Zwangsquote" und "zentralistischer Vorgabe".<br /><br /></p><p><strong>Merkel und Schröder dagegen, von der Leyen dafür</strong></p><p><papaya:media src="815cea18d88170aec5b211471da2c2d0" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen tritt weiter für eine Frauenquote in Deutschland ein." popup="yes" />Diplomatischer ließ sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zitieren. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die Regierung sei "eindeutig der Auffassung, dass so etwas auf nationaler Ebene geregelt werden soll". <br /><br />Ähnlich äußerte sich Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die die Quote genauso ablehnt wie ihre Regierungschefin: Gebraucht würden "passgenaue, funktionierende Lösungen in den Branchen und Unternehmen statt vordergründiger Initiativen, die an der Lebenswirklichkeit der meisten Frauen völlig vorbei gehen". Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sieht das jedoch anders: Eine Sprecherin sagte, von der Leyen sei weiterhin der Auffassung, dass "klare Ziele und Zeitlinien" für die weibliche Besetzung von Aufsichtsräten festgelegt werden müssten.<br /><br /></p><p><strong>Neue Dynamik in der Debatte über Gleichberechtigung</strong></p><p>Das sieht auch die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig so. Sie sagte, in Deutschland sei eine Frauenquote nötig, sonst werde "die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Spitzenpositionen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben". SPD und Grüne im Bundestag sind ebenfalls für eine solche Quote und <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="221865" text="versuchen die Bundesregierung durch einen entsprechenden Antrag im Bundesrat unter Druck zu setzen" alternative_text="versuchen die Bundesregierung durch einen entsprechenden Antrag im Bundesrat unter Druck zu setzen" />. <br /><br />Erfreut über Redings Erfolg zeigten sich auch Gleichstellungspolitiker der Christdemokraten im EU-Parlament. Zuspruch bekommt die EU-Justizkommissarin außerdem aus Ländern wie Österreich, Frankreich und Italien. Die sind für die Quote. Einige Staaten haben schon im Alleingang nationale Regelungen eingeführt – nach Angaben von Diplomaten meist mit guten Erfahrungen.<br /><br /></p><p><strong>Chancen für Quote ungewiss: Mitgliedsstaaten müssen zustimmen</strong></p><p>Ob die Quote kommt, ist wegen des Widerstands aus der Politik allerdings völlig offen. Neben dem EU-Parlament, das die Pläne im Grundsatz mitträgt, müssen auch die Mitgliedsstaaten zustimmen, damit die Frauenquote in Kraft tritt. Insgesamt neun EU-Länder haben allerdings im September in einem Brief Bedenken geäußert; zusammen mit Deutschland könnten sie das Vorhaben rein rechnerisch kippen, berichtet DLF-Korrespondent Jörg Münchenberg aus Brüssel</a>. Er geht aber zugleich davon aus, <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="227963" text="dass die intensive Debatte über Gleichberechtigung eine neue Dynamik entfacht hat" alternative_text="dass die intensive Debatte über Gleichberechtigung eine neue Dynamik entfacht hat" />.<br /><br /><br /><em>Mehr bei dradio.de:</em><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="228319" text="Aufsichtsräte sollen weiblicher werden" alternative_text="Aufsichtsräte sollen weiblicher werden" /> - EU-Kommission billigt Frauenquote<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="225360" text="Frauen gegen Frauenquote" alternative_text="Frauen gegen Frauenquote" /> - EU-Kommission verschiebt Entscheidung über Quotenregelung<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="227999" text="Interview 2012-11-14 - Hoffnung auf &quot;Ausstrahlungseffekte&quot; der Frauenquote" alternative_text="Interview 2012-11-14 - Hoffnung auf &quot;Ausstrahlungseffekte&quot; der Frauenquote" /> - Soziologin Allmendinger setzt auf Vorstoß der EU-Justizkommissarin Viviane Reding<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="221865" text="Bundesrat will Frauenquote in Spitzenjobs" alternative_text="Bundesrat will Frauenquote in Spitzenjobs" /> - Unionsländer verhelfen SPD-Initiative zum Durchbruch<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="227963" text="Streitbare EU-Justizkommissarin" alternative_text="Streitbare EU-Justizkommissarin" /> - Jörg Münchenberg über die Chancen auf eine Frauenquote in der EU</p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Hillary ClintonUnbeliebt, aber unentbehrlich

Sie sehen Hillary Clinton auf einem Großbildschirm. (AFP/Saul Loeb)

Hillary Clinton sei erfahren, politisch geerdet und ausdauernd, kommentiert Thilo Kößler. Sie sei aber auch Teil des Establishments und wirke kühl und verschlossen. Und doch sei sie die Einzige, die den Demagogen Trump noch stoppen könne.

Indiens Jugend unter DruckScheitern ist nicht vorgesehen

Schulkinder sitzen in Mahabalipuram (Indien) in einem Park. (dpa / picture alliance / Sebastian Kahnert)

Der Konkurrenzdruck im indischen Bildungssystem ist riesengroß − in Nachhilfe-Instituten büffeln Kinder und Jugendliche für ihre Karriere. Wer es nicht schafft, erlebt manchmal fatale Konsequenzen.

EU-Kommission vs. GoogleVon Macht und Ohnmacht

Sie sehen eine Radfahrerin und den Schriftzug Google auf einem Straßenschild. (AFP / Jana Asenbrennerova)

Seit mehr als sechs Jahren laufen die Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen Google. Der Vorwurf: Der US-Konzern missbrauche seine Marktmacht. Google sieht sich zu Unrecht in der Kritik, nimmt die Verfahren aber ernst: Denn der Ausgang könnte weltweit Konsequenzen für den Konzern haben.

Kriminalität im Darknet"Da wird zu wenig und das Falsche getan"

Symbolfoto zum Thema Internetkriminalität: eine Hand vor einem Computer-Monitor (imago / epd / Annette Zoepf)

Der Amokläufer von München soll seine Waffe aus dem Darknet bezogen haben. Zuletzt sei es besser gelungen, gegen Kriminalität im Netz vorzugehen, so das Bundeskriminalamt. Ein großes Problem sei aber die mangelnde Expertise der Ermittler, sagt der Forscher Sandro Gaycken.

Coaching und SingenMit Herbert Grönemeyer bei der Sommerakademie

Drei Männer mittleren Alters sitzen an einem Tisch mit Mikrofonen vor sich. Sie werden gleich eine Pressekonferenz geben. (Deutschlandfunk/Dirk Groß-Langenhoff)

Bei der Sommerakademie "Deine Stärken, Deine Zukunft" in Essen ging es darum, Schüler mit Förderbedarf und jugendliche Flüchtlinge beim fragilen Übergang zwischen Schule und Beruf zu unterstützen. "Da ist insgesamt viel Potenzial und das muss man nur auftauen", war das Fazit von Schirmherr Herbert Grönemeyer. Der studierte mit den Schülern auch ein Musical ein.

Digitalisieren für die Nachwelt"Aufnahmen für kommende Generationen erhalten"

Schallplattenspieler mit Langspielplatte  (imago stock&people)

Die Recording Preservation Foundation widmet sich dem Erhalt von amerikanischen Klangaufnahmen wie Radiosendungen, Musik und Reden. Stiftungsleiter Gerald Seligman erklärt die Idee.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Polen  Kaczynski weist EU-Kritik am Umgang mit Verfassungsgericht zurück | mehr

Kulturnachrichten

Zwei geraubte Gemälde wieder aufgetaucht  | mehr

Wissensnachrichten

Südseestaat Tonga  Statt Sonnen lieber Skifahren bei Olympia | mehr