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Geiselbefreiung in Algerien endet blutig

Die USA, Großbritannien, Japan und Norwegen kritisieren algerische Informationspolitik

Angegriffene Gasförderanlage in Algerien (picture alliance / dpa)
Angegriffene Gasförderanlage in Algerien (picture alliance / dpa)

Die Lage auf dem umkämpften Gasfeld im Osten Algeriens bleibt unübersichtlich. Nach der versuchten Geiselbefreiung durch die algerischen Streitkräfte ist das Schicksal vieler Opfer weiter nicht geklärt. Der forsche Befreiungsversuch rief im Ausland scharfe Kritik hervor.

Islamisten einer Gruppe namens "Unterzeichner für Blut" haben seit Mittwoch ein Gasfeld im Osten Algeriens - etwa 1300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Algier - unter ihre Kontrolle gebracht. Nach eigenen Angaben nahmen sie hunderte algerische Mitarbeiter und etwa 40 Ausländer, darunter Briten, Norweger, US-Bürger, Franzosen und Japaner, als Geiseln. Deutsche waren nach Angaben der Bundesregierung nicht betroffen. Die Islamisten fordern ein Ende des französischen Militäreinsatzes im Nachbarland Mali.

"Damit ist doch klar welche Ziele verfolgt werden. Die Geiselnehmer und ihre Bündnisgenossen wollen sich in Nordmali einen sicheren Zufluchtsort verschaffen von dem aus sie alles planen können, was wir gerade in Algerien sehen", sagt der Vorsitzender des Auswärtigen Ausschuss im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Der französische Präsident Francois Hollande bezeichnete die Situation in Algerien als "dramatisch". Nach den Worten Hollandes rechtfertige die Geiselnahme "noch mehr" das militärische Eingreifen seines Landes in Mali.

Es sei kein Zufall, dass das Geiseldrama in Algerien stattgefunden habe, sagt Algerienkenner und Politikwissenschaftler Werner Ruf von der Universität Kassel im Interview mit dem Deutschlandfunk: Vor der Militärintervention Frankreichs in Mali hat es im Land starke Auseinandersetzungen innerhalb der Regierung gegeben bis Algerien den Franzosen die Überflugrechte gewährte. Der algerische Geheimdienst sei dagegen gewesen und dieser wiederum stünde in enger Verbindung mit der Terroristengruppe, die das Erdgasfeld unter ihre Kontrolle gebracht hat.

Algerische Streitkräfte stürmen Erdgasfeld und töten Entführer

Die algerische Armee ging am Donnerstag mit Boden- und Luftstreitkräften gegen die Geiselnehmer vor. Nach Regierungsangaben wurden mehrere Geiseln befreit, jedoch habe es auch Tote und Verletzte gegeben. Die Rede ist von rund 40 Opfern, darunter zahlreiche Geiseln. Von unabhängiger Seite bestätigen lassen sich diese Angaben allerdings nicht. Auch gibt es widersprüchliche Aussagen darüber, ob der Militäreinsatz unter Beteiligung von algerischen Luft- und Bodentruppen mittlerweile beendet ist. In der Nacht hieß es, die Soldaten hätten lediglich einen Teil des erstürmten Gasfeldes unter ihre Kontrolle bringen können.

Die Geiselnehmer stammen nach jüngsten Regierungsangaben aus Libyen. "Nach allen uns vorliegenden Informationen" sei "die Terroristengruppe" aus dem Nachbarland über die Grenze gekommen, zitierte die algerische Tageszeitung "Echorouk" in ihrer Internetausgabe Innenminister Dahou Ould Kabila.

Kritik an algerischer Informationspolitik

Der forsche Befreiungsversuch rief im Ausland große Bestürzung und scharfe Kritik hervor. Der Angriff habe das Leben der Geiseln gefährdet, sagte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe. Seine Regierung sei über die Militäroperation zur Befreiung der Geiseln nicht informiert worden. Unter den Toten sollen nach ersten Informationen auch zwei Japaner sein. Das Schicksal von 14 Landsleuten sei noch unklar, hieß es in Tokio. Drei Japaner seien in Sicherheit.

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg beklagte , man habe noch immer keine sicheren Informationen über das Schicksal der Geiseln. Stoltenberg sagte in Oslo, dass seine Regierung Algerien offiziell um militärische Zurückhaltung zum Schutz der Geiseln gebeten habe. Er sei dann telefonisch von seinem algerischen Kollegen lediglich über die bereits laufende Militäraktion informiert worden. Auch die offiziellen Informationen aus Algier nach dem vermutlichen Abschluss des Militäreinsatzes sei unvollständig gewesen.

Britischer Premier Cameron sagt Europa-Rede ab

David Cameron (dpa / picture alliance / Julien Warnand)Britischer Premierminister David Cameron (dpa / picture alliance / Julien Warnand)Der britische Premierminister David Cameron zeigte sich unzufrieden. Großbritannien müsse sich auf weitere schlechte Nachrichten einstellen. Es sei eine "äußerst schwierige Situation", meinte Cameron. Der britische Premier sagte wegen der dramatischen Lage seine für Freitag in Amsterdam geplante Grundsatzrede zum britischen Verhältnis zur EU ab. Nach bisherigen Informationen wurde ein Brite getötet, zwei Landsleute konnten entkommen.

Auch die USA forderten "Klarheit" von Algier. Nach Angaben amerikanischer Regierungsvertretern überflog eine unbemannte US-Überwachungsdrohne das unweit der libyschen Grenze gelegene Areal, als es die algerischen Streitkräfte stürmten. Einigen festgehaltenen Amerikanern sei die Flucht gelungen. Zuvor habe Washington der Regierung in Algier militärische Hilfe zur Geiselbefreiung angeboten, hieß es weiter. Algerien habe die Offerte jedoch abgelehnt

Clinton will mit algerischen Regierungschef sprechen

US-Anti-Terrorspezialisten stünden derzeit in Kontakt mit ihren algerischen Kollegen, teilte US-Außenministerin Hillary Clinton am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington mit. Zudem wolle sie ein weiteres Mal mit dem algerischen Ministerpräsidenten Abdelmalek Sellal telefonieren. Weitere Details nannte Clinton jedoch nicht.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr

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