Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Gemischte Reaktionen auf Guttenbergs Rücktritt

Bundeskanzlerin Merkel: Gesuch kam überraschend

Karl Theodor zu Guttenberg gibt auf. (picture alliance / dpa)
Karl Theodor zu Guttenberg gibt auf. (picture alliance / dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Schritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bedauert. Die CDU-Vorsitzende würdigte ihn als herausragenden Politiker. Sie selbst sei von der Bitte des Ministers am Vormittag überrascht worden, sagte die Kanzlerin in Berlin.

Mit der Bundeswehrreform habe zu Guttenberg einen tief greifenden Umbau der Streitkräfte in Angriff genommen. Diese Arbeit werde auch nach dem Rücktritt mit aller Entschlossenheit fortgesetzt.

CSU will über Guttenberg-Nachfolge beraten

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat den Rücktritt des Verteidigungsministers als schmerzlichen Schritt für seine Partei bezeichnet. Dessen Entscheidung sei vollkommen überraschend gekommen, sagte auch Seehofer in München. Die CSU-Führungsspitze habe Guttenberg zuvor noch die volle Unterstützung zugesichert. Seehofer machte klar, das Präsidium werde womöglich am Freitag über einen Nachfolger entscheiden.

Auch der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber bedauerte den Rücktritt von zu Guttenberg. Seine Arbeit als Bundesverteidigungsminister sei "bis zum letzten Tag untadelig" gewesen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der als möglicher Kandidat gehandelt wurde, hatte zuvor erklärt, dass er für das Amt des Verteidigungsministers nicht zur Verfügung stehe.

Der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach äußerte Verständnis für Guttenbergs Entscheidung zum Rücktritt. Die Plagiatsvorwürfe hätten noch viele Wochen im Mittelpunkt des Interesses gestanden. Das habe Guttenberg "sich und seiner Familie und insbesondere den Soldatinnen und Soldaten nicht antun" wollen. Dabei hätte der Verteidigungsminister eine zweite Chance im Amt verdient gehabt, sagte Bosbach im Deutschlandfunk.

FDP: Bundeswehrreform muss fortgesetzt werden

Rainer Stinner, außenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, sagte im Deutschlandfunk zu Guttenbergs Entscheidung verdiene Respekt. "Ich glaube, wir sollten uns jetzt auf die wichtigen Aufgaben konzentrieren, die vor seinem Nachfolger liegen", forderte der Liberalen-Politiker. Auch FDP-Wehrexpertin Elke Hoff betonte, die Bundeswehrreform dürfe nun nicht ins Stocken geraten.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, bezeichnete den Schritt von zu Guttenberg als notwendig. Angesichts der großen Herausforderungen für die Streitkräfte brauche man einen Verteidigungsminister, der das Vertrauen der Truppe genieße, sagte Arnold im Deutschlandradio Kultur.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hob hervor, die Kanzlerin habe einen großen Fehler begangen, indem sie Guttenberg gedrängt habe, im Amt zu bleiben. Ähnlich äußerten sich Grüne und Linkspartei. Der SPD-Politiker Beck meinte, Guttenbergs zögerliches Verhalten habe die Bundeswehr belastet. Für die Linkspartei erklärte Fraktionschef Gysi, der Versuch von Bundeskanzlerin Merkel, den Fall herunterzuspielen, sei verheerend für das Ansehen der Politik. Ähnlich äußerten sich die Grünen.

Verteidigungsminister zu Guttenberg ist zurückgetreten

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verlässt nach seinem Rücktritt die Pressekonferenz in Berlin. (picture alliance / dpa)Guttenberg verlässt die Pressekonferenz in Berlin. (picture alliance / dpa)Verteidigungsminister zu Guttenberg hatte am Dienstagvormittag bekannt gegeben, dass er sein Amt aufgibt. Mit dem Rücktritt zog der CSU-Politiker die Konsequenz aus den Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner Dissertation. Er sagte in Berlin, es gehe aber auch um die Frage, ob er den höchsten Ansprüchen noch genügen könne, die sein Amt erfordere. Guttenberg erklärte, er könne es nicht mehr verantworten, dass die Affäre auf dem Rücken der Bundeswehrsoldaten ausgetragen werde. Er versicherte, selbst zur Aufklärung der Plagiatsvorwürfe beitragen zu wollen. Dies gelte auch für den Fall staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. Guttenberg begründete seinen Rücktritt auch mit dem Druck der Medien. Er habe das Ende seiner Kräfte erreicht.

Der Verteidigungsminister war in den vergangenen Wochen von Wissenschaftlern, Oppositionspolitikern und auch Vertretern der Koalition kritisiert worden. Ihm wird vorgeworfen, in seiner Doktorarbeit wissentlich abgeschrieben zu haben. Die Universität Bayreuth entzog ihm daraufhin den Doktortitel.

Beiträge im Deutschlandradio:

Guttenberg tritt von seinen politischen Ämtern zurück - <br> Verteidigungsminister zieht Konsequenzen aus Plagiatsaffäre

FDP-Außenpolitiker Rainer Stinner respektiert zu Guttenbergs Rücktritt

Guttenberg hätte "eine zweite Chance im Amt verdient" (Interview mit CDU-Politiker Wolfgang Bosbach)

"Natürlich sind wir traurig" <br> CSU-Europaabgeordneter lobt Arbeit von zu Guttenberg (Interview mit dem CSU-Politiker Markus Ferber)

Forsa-Chef: Sympathiepolster Guttenbergs schmilzt - Meinungsforscher warnt vor Umfrage-Manipulation

"Als Minister nicht tragbar" - Doktorandennetzwerk fordert Rücktritt von zu Guttenberg

"Dann muss die Regierungschefin handeln" - Kurt Beck über zu Guttenberg, Hartz-IV-Kompromiss und den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz

An vielen Fronten- Die Debatte um Verteidigungsminister zu Guttenberg

Vor der Plagiatsaffäre:

Zwischen Provokateur und Wunderknabe - Die CSU hat Seehofer und will Guttenberg

Jung und forsch gleich erfolgreich? - Die Bewährungswochen der Senkrechtstarter zu Guttenberg und Rösler

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Kammermusik

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Reich werdenDie erste Million ist die schwerste!

US-Dollar-Scheine (picture alliance / dpa / Xie Zhengyi)

Geld regiert die Welt - im Fall von Donald Trumps Kabinett mit mehreren Milliardären und Multimillionären scheint das buchstäblich zuzutreffen. Doch wie wird man eigentlich reich und sind wir auf dem Weg zu einer globalen Oligarchie?

Manchester-Attentat"Die Zerstörung der Popkultur ist ein Mittel zum Zweck"

Notfallhelfer helfen Verletzten nach dem Attentat auf die Manchester Arena am 22. Mai 2017 (imago stock&people/Zumba Press)

Dass sich der Selbstmordattentäter in Manchester ausgerechnet auf dem Konzert der Sängerin Ariana Grande in die Luft sprengte, sei eher zufällig, sagte der Islamexperte Bamdad Esmaili im DLF. Die Terroristen wollten möglichst viele junge Leute treffen. 

Musik und SpiritualitätDas ästhetische Grauen des Sakropop

Schwester Teresa bei den Proben zu ihrem Musical "Bergpredigt". (picture alliance / dpa / Stefan Kiefer)

Neben Diskussionsrunden und Messen wird es auf dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag viele Konzerte christlicher Bands geben. Doch deren Musik ist nicht nur ästhetisch fragwürdig, ihr fehlt auch jegliche Spiritualität, findet Wiglaf Droste.

Attac-Aktivist Christian Felber"Wir sind nicht gezwungen, uns egoistisch zu verhalten"

Politikwissenschaftler, Buchautor, Publizist und Mitbegründer der Attac Christian Felber, aufgenommen bei der Eröffnung der oberösterreichischen Kulturvermerke 2015 im Stadttheater in Gmunden (imago/Rudolf Gigler)

Die Spielregeln unserer Wirtschaft belohnen Kapitalismus, Maßlosigkeit und Gier, kritisiert der Attac-Aktivist und Autor Christian Felber. Er hat Vorschläge für eine Umverteilung von Reichtum und Macht: Alle wirtschaftliche Tätigkeit sollte auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden.

Haftanstalt Silivri in der Türkei"Wie ein Konzentrationslager des 21. Jahrhunderts"

70 Kilometer außerhalb von Istanbul liegt Gefängnis und Gericht von Silivri. (imago/Le Pictorium)

Die Haftanstalt in der türkischen Stadt Silivri kann bis zu 13.000 Gefangene aufnehmen. Can Dündar, Ex-Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet", war dort und beschreibt das Gefängnis als Internierungslager für Erdogan-Gegner, Oppositionelle sprechen von einem Konzentrationslager. "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel sitzt immer noch dort ein.

36. Evangelischer KirchentagChristentreffen der Superlative

Vorbereitungen zum Kirchentag: ein Kreuz auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor in Berlin (epd-bild/JensxSchlueter)

100.000 erwartete Dauergäste, 2.500 Veranstaltungen und Ex-US-Präsident Barack Obama als Ehrengast: Der 36. Evangelische Kirchentag in Berlin, Wittenberg und neun weiteren deutschen Städten hat im Reformationsjahr einiges zu bieten. Mit 23 Millionen Euro ist er aber auch der bisher teuerste. Das sorgt für Kritik - nicht nur bei Atheisten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Islam  Schäuble sieht Chance durch muslimische Zuwanderung | mehr

Kulturnachrichten

Art Berlin zeigt auch Kunst des 20. Jahrhunderts  | mehr

 

| mehr