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Gericht beschränkt Verwendung embryonaler Stammzellen

14 Jahre altes Patent rückgängig gemacht

Embryonale Stammzellen stammen aus frühen Embryonen, die bei der Gewinnung zerstört werden.  (AP)
Embryonale Stammzellen stammen aus frühen Embryonen, die bei der Gewinnung zerstört werden. (AP)

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs beschränkt die Verwendung von menschlichen embryonalen Stammzellen für Forscher. Demnach darf ein Verfahren zur Gewinnung von Stammzellen nicht patentiert werden, wenn dabei menschliche Embryonen zerstört werden.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat ein Patent des Bonner Neurobiologen Oliver Brüstle verworfen. 1997 hatte sich der Forscher ein Verfahren patentieren lassen, mit dem er sogenannte Vorläuferzellen gewinnen konnte. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte aus moralischen Gründen gegen das Patent geklagt.

Professor Oliver Brüstle vom Institut für rekonstruktive Neurobiologie in Bonn. (Michael Lange)Professor Oliver Brüstle vom Institut für rekonstruktive Neurobiologie in Bonn. (Michael Lange)Brüstle verwendete Vorläuferzellen zur Erprobung möglicher Behandlungsmethoden für neurologische Krankheiten. Diese Vorläuferzellen produzierte der Forscher aus embryonalen Stammzellen. Embryonale Stammzellen wiederum werden aus frühen Embryonen gewonnen. Letztere werden bei diesem Verfahren zerstört. Das Gericht erklärte sinngemäß, wenn bei diesem Vorgehen menschliche Embryonen zerstört werden, dürfe ein solches Verfahren nicht als Patent geschützt werden.

Die Richter schließen es jedoch nicht aus, dass embryonale Stammzellen zum Nutzen des Embryos selbst verwendet werden dürfen, wie zum Beispiel für die Diagnose oder Therapie von Missbildungen.

Für den Neurobiologen Brüstle hat die Diskussion um die Stammzellen etwas Paradoxes. In einem Beitrag im Deutschlandradio Kultur sagte er (MP3-Audio):

"In Großbritannien haben vor drei Wochen die ersten klinischen Studien mit humanen embryonalen Stammzellen begonnen. Das heißt, wir haben eine Entwicklung, die bereits in der Klinik angekommen ist."

Zudem erklärte er:

"Gleichzeitig diskutieren wir in Luxemburg: Sind solche Entwicklungen als quasi unmoralisch einzustufen, zu verbieten?"

Wissenschaftsjournalist Michael Lange sagte bei DRadio Wissen zum Patentverbot, die Forschung werde nicht von heute auf morgen aufhören.

"Aber die Forscher sind nicht sehr froh über dieses Urteil. Sie forschen mittlerweile seit über zwölf Jahren mit menschlichen embryonalen Stammzellen und wollen so langsam in Richtung Anwendung."

Auch nach dem Urteil, erklärte Lange, müsse keine Forschung im Grundlagenbereich von heute auf morgen beendet werden.

Lange:

"Die Stammzellenforschung steht meiner Ansicht nach nicht vor dem Aus. Aber sie erhält in Zukunft weniger Geld. Und das ist eben das, worüber die Forscher nun klagen."


Programmtipps:

Di., 18.10, ab 16.35 Uhr in "Forschung aktuell" (Deutschlandfunk):

Wissenschaftsjournalist Michael Lange erläutert, welche Folgen das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für die medizinische Forschung haben könnte.


Di., 18.10., 16.07 Uhr im Radiofeuilleton (Deutschlandradio Kultur):

Europäischer Gerichtshof verbietet Patentierung von Embryonenforschung. Was bedeutet das für die Wissenschaft? Interview mit Jürgen Hescheler, Direktor Institut für Neurophysiologie an der Universität Köln


Mi., 19.10, 1.10 Uhr im Deutschlandradio Kultur:

Wann beginnt menschliches Leben? Der Konflikt um die Nutzung von Stammzellen


Weitere Beiträge:

EuGH verbietet Patentierbarkeit auf embryonale Stammzellen (Ortszeit, 18. Oktober 2011) (MP3-Audio)

Zwischen Nobelpreis und Scheiterhaufen (Wissenschaft und Technik vom 8.5.2011)

Stammzellen gegen Schlaganfall (Forschung aktuell vom 17.11.2010)

Entscheidung weitergereicht (Forschung aktuell vom 12.11.2009)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

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