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Gericht verhandelt über ersten NSU-Mord

Der Fall Simsek vor dem Münchner Oberlandesgericht

Auch am 20. Verhandlungstag wird keine Aussage von Beate Zschäpe erwartet. (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)
Auch am 20. Verhandlungstag wird keine Aussage von Beate Zschäpe erwartet. (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)

Im Münchener NSU-Prozess hat die Beweisaufnahme zum ersten Mord des Neonazi-Trios begonnen: Der Nürnberger Blumenhändler Enver Simsek wurde im September 2000 erschossen. Einmal mehr zeichnet sich ein langwieriges Verfahren ab.

Am 9. September 2000 wurde der Nürnberger Blumenhändler Enver Simsek von neun Pistolenkugeln getroffen, zwei Tage später erlag er seinen Verletzungen: Es war der erste Mord der Neonazi-Terroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds". 13 Jahre später hat das Oberlandesgericht München im NSU-Prozess nun mit der Beweisaufnahme zu dieser ersten Tat der Mordserie begonnen.

Am Dienstag, dem 20. Verhandlungstag des NSU-Prozesses, schilderten zwei Polizeibeamte die Ermittlungen am Tatort. Auch der Streifenpolizist, der den auf der Rückbank seines Blumentransporters im Sterben liegenden Enver Simsek auffand. Dabei zeigte sich, dass die Erinnerungen der Beamten allmählich verblasst sind. Die Anwältin der Familie Simsek, Seydan Keldi-Elwan, äußerte im Bericht von ARD-Korrespondent Thies Marsen ihr Bedauern: "Wir haben heute schon mitbekommen, dass einer der Beamten, die vor Ort waren, zum Beispiel verstorben ist." Zuviel Zeit sei vergangen, dies sei nicht mehr gutzumachen, so Keldi-Elwan.

Am späten Nachmittag führte ein Ermittler Tatortfotos vor. Darauf zu sehen waren das Fahrzeug, in dem Simsek aufgefunden wurde, auf der Ladefläche eine große Blutlache, die blutgetränkte Wolljacke des Ermordeten. Fotos der Leiche wurden nicht gezeigt - anders als von den Nebenklägern erwartet. Die Witwe Simseks hatte deshalb am Dienstag, ebenso wie ihre Tochter Semja, auf eine Teilnahme an der Verhandlung verzichtet.

Prozess voraussichtlich noch bis Ende 2014

Unterdessen wird immer deutlicher, dass es ein langwieriges Strafverfahren wird: Mittlerweile hat das Oberlandesgericht München Verhandlungstermine bis Ende nächsten Jahres angesetzt. In einer Verfügung für die Verfahrensbeteiligten wurden mehr als hundert zusätzliche Verhandlungstage vorgemerkt, der vorerst letzte für den 18. Dezember 2014. Es wird allgemein damit gerechnet, dass der Prozess bis zu zweieinhalb Jahre dauern könnte. Am Dienstag war der 20. Verhandlungstag.

Das Gericht geht nach Ansicht von Prozessbeobachtern weiterhin nicht davon aus, das Beate Zschäpe von der bisherigen Linie ihrer Verteidiger abrücken und aussagen wird. Zschäpe ist als Mittäterin an allen Attentaten des "Nationalsozialistischen Untergrunds" angeklagt. Sie soll für die legale Fassade des Trios gesorgt haben. Als einzige Tat, die sie selbst unmittelbar begangen haben soll, ist Brandstiftung im Unterschlupf der Neonazis in Zwickau. Dazu wird heute noch die Vernehmung eines Handwerkers beendet, der in der Nähe war, als die Wohnung der Gruppe explodierte.

Bislang haben sich im NSU-Prozess erst zwei Angeklagte geständig gezeigt. In den ersten Verhandlungstagen gab Holger G. zu, Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos unter anderem mit Ausweispapieren versorgt zu haben.

Carsten S. will Verantwortung übernehmen

Der Angeklagte Carsten S. im Gerichtssaal in München (picture alliance / dpa / Marc Müller)Carsten S. sagte im NSU-Prozess aus. (picture alliance / dpa / Marc Müller)Der wegen Beihilfe zum neunfachen Mord Angeklagte Carsten S. hat im Gegensatz zu Beate Zschäpe bereits zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen ausgesagt. Carsten S. fühle eine Verantwortung für die Morde. Er schilderte im Prozess ausführlich, wie er einst in die rechte Szene abglitt, sich aber 2000 aus ihr zurückgezogen haben will. Carsten S. hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schusswaffe besorgt, mit der das NSU-Trio vermutlich die Morde begangen hat.

Im Vorfeld des NSU-Prozesses gab es zunächst erhebliche Querelen um die Vergabe der Plätzeim Gerichtssaal an Journalisten. Dann begannen die Verhandlungen mit vielen Anträgen der Verteidiger, die zum Ziel hatten, den Prozessbeginn hinauszuzögern. Unter anderem musste das Gericht den Antrag ablehnen, der Vorsitzende Richter Manfred Götzl sei befangen. Der NSU-Prozess soll voraussichtlich bis Ende 2014 dauern.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

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