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Geschichten von Friseuren, Abenteurern und Taugenichtsen

Georg-Büchner-Preis geht an Felicitas Hoppe

Schriftstellerin Felicitas Hoppe auf der Leipziger Buchmesse 2012 (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Schriftstellerin Felicitas Hoppe auf der Leipziger Buchmesse 2012 (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe wird mit dem Büchner-Preis 2012 ausgezeichnet. Die Werke der 51-Jährigen unterliefen virtuos die Grenzen von Wahrheit und Fiktion, Selbsterkenntnis und Rollenspiel, begründete die Jury ihre Entscheidung. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als renommierteste Auszeichnung für deutschsprachige Literatur.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt gab bekannt, Hoppe habe seit 1996 in Romanen, Erzählungen und Essays "die Welt der Abenteurer und der Hochstapler, der Entdecker und Taugenichtse erkundet".

Sie freue sich riesig und "wirklich unbändig", sagte Felicitas Hoppe im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur, aber die Auszeichnung bedeute auch eine gewisse Last, "denn das ist schon ein großer Preis und irgendwie fragt man sich auch: Huch, wo kommt das her?" Mit der Begründung der Jury könne sie "ganz gut leben" - dass man ihre Prosa als "uneitel" bezeichne, sei erfreulich, da das Schreiben doch ein sehr selbstbezügliches Geschäft sei. Wenn man dabei "den Fallen von der Schippe springen" könne, sei dies schön.

"Melancholische Erzählkunst"

"In einer Zeit, in der das Reden in eigener Sache die Literatur immer mehr dominiert, umkreist Felicitas Hoppes sensible und bei allem Sinn für Komik melancholische Erzählkunst das Geheimnis der Identität", so die Jury.

"Eine tolle Entscheidung", urteilt Denis Scheck im Deutschlandfunk. Die 1960 in Hameln geborene, in Berlin lebende Autorin sei "eine der wunderbarsten, der eigensinnigsten Stimmen im Chor der deutschen Gegenwartsliteratur". Für Scheck ist sie "eine genuine Erzählerin - sie zieht aber ihr eigenes Ding durch und hat ihre eigene Weltsicht". Felicitas Hoppe zu lesen, heiße "in Paradoxien zu denken".

Von einem "Felicitas-Hoppe-Literaturkosmos", der sich wie ein Kokon immer weiter spinne, spricht Literaturredakteurin Sigried Wesener im Deutschlandradio Kultur.

Seit ihrem Debüt mit dem Kurzgeschichtenband "Picknick der Friseure" (1996) schrieb sie fünf Romane, Essays und mehrere Erzählbände. Der Roman "Pigafetta" (1999) erschien nach einer Weltreise auf einem Frachtschiff, außerdem verfasste sie unter anderem die Romane "Paradiese, Übersee" (2003), die moderne Legende von der heiligen "Johanna" (2006) und die Neuerzählung des Ritterromans von "Iwein Löwenritter" (2008). In der Erzählung "Der beste Platz der Welt" (2009) hat sie ein hintergründiges Märchen vorgelegt.

Zuletzt erschien die fiktive Biografie "Hoppe" (2012). Darüber sprach die Autorin auf der Leipziger Buchmesse auf dem Blauen Sofa.

Für den Bücherfrühling 2012, eine Veranstaltung von Deutschlandradio Kultur im Rahmen der Leipziger Buchmesse, beantwortete Felicitas Hoppe in einem Fragebogen Fragen wie: Welches Buch hätten Sie gern geschrieben?

Hoppe erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen. Dieses Jahr hat sie eine Gastprofessur für interkulturelle Poetik an der Universität Hamburg inne. Sie studierte Literaturwissenschaften, Rhetorik, Religionswissenschaften, Italienisch und Russisch in Hildesheim, Tübingen, Eugene/Oregon (USA), Berlin und Rom. Zunächst arbeitete sie als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache.

Friedrich Dürrenmatt, Schweizer Schriftsteller (AP Archiv)Der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt (AP Archiv)

In der Nachfolge von Böll, Dürrenmatt und Jelinek

Der Georg-Büchner-Preis war 1923 vom damaligen "Volksstaat Hessen" erstmals für Dichter, Schauspieler und Sänger ausgelobt worden, die aus der Region des in Darmstadt geborenen revolutionären Dramatikers Georg Büchner stammten. Nach mehrjähriger Pause vergibt die ebenfalls in der südhessischen Stadt ansässige Akademie für Sprache und Dichtung den Preis seit 1951 wieder an Dichter oder Schriftsteller.

Die Auszeichnung können Schriftsteller und Dichter erhalten, "die in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben". Erster Preisträger der neu aufgelegten Auszeichnung war seinerzeit Gottfried Benn. Im vergangenen Jahr wurde der Schriftsteller Friedrich Christian (F.C.) Delius mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen die großen Namen der deutschsprachigen Literatur, wie Gottfried Benn (1951), Erich Kästner (1957), Günter Grass (1965), Heinrich Böll (1967), Friedrich Dürrenmatt (1986) und Elfriede Jelinek (1998).

Die Verleihung des Preises ist am 27. Oktober 2012 in Darmstadt vorgesehen.

Programmhinweise: Im Büchermarkt des Deutschlandfunks ist ein Interview mit Felicitas Hoppe ab 16.10 Uhr zu hören, ebenso in Kultur heute ab 17.35 Uhr. Die Sendung Fazit - Kultur vom Tage im Deutschlandradio Kultur fasst um 23.05 Uhr die Berichterstattung zum Büchner-Preis zusammen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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