Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Gesegnete Weihnachten!"

Gauck mahnt in Weihnachtsansprache zu Solidarität

Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue (dpa / Michael Kappeler)
Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue (dpa / Michael Kappeler)

Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner ersten Weihnachtsansprache leise Sorge über den inneren Zusammenhalt in Deutschland anklingen lassen. Er rief dazu auf, die Festtage für eine Rückbesinnung auf Solidarität zu nutzen.

Joachim Gauck hat reichlich Erfahrung mit Weihnachtsansprachen. Als evangelischer Pastor hatte er von der Kanzel alle Jahre wieder "Friede auf Erden!" gepredigt. Diese Botschaft liegt ihm auch als Bundespräsident in seiner ersten Weihnachtsansprache am Herzen. "Wir sehnen uns nach Frieden - auch und gerade weil in der Realität so viel Unfriede, so viel Krieg herrscht." Damit meint Gauck nicht nur den Kampf gegen den Terror in Afghanistan, wo gerade den Europäern sichtbar wird, "wie kostbar der Frieden ist".

Der Bundespräsident ist besorgt um die Solidarität, den Gemeinsinn, den Zusammenhalt in Deutschland - um den inneren Frieden. "Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander, der Klimawandel erfordert ebenso neue Antworten wie eine alternde Gesellschaft", sagte der Bundespräsident in seiner vorab veröffentlichten Rede. "Sorge bereitet uns auch die Gewalt: in U-Bahnhöfen oder auf Straßen, wo Menschen auch deshalb angegriffen werden, weil sie schwarze Haare und eine dunkle Haut haben."

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (AP)Erzbischof Zollitsch (AP)Vor einer Spaltung der Gesellschaft warnt auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Die soziale Schere in Deutschland gehe offenbar immer weiter auseinander, sagte Zollitsch den "Ruhr Nachrichten". "Die Armen bleiben zurück, und der Reichtum in der Hand einiger weniger nimmt weiter zu, das ist eine gefährliche Entwicklung." Wenn die Gesellschaft auseinanderdrifte, führe das zu Unruhe.

Zuwendung und Zusammenhalt

Um solche gesellschaftlichen Probleme zu lösen, so führt der Bundespräsident in seiner Rede fort, seien "nicht nur tatkräftige Politiker, sondern auch engagierte Bürger" nötig - Gaucks Predigt an Staat und Volk. Zu Weihnachten sei es jetzt höchste Zeit für eine Rückbesinnung auf den Frieden, sagte der Bundespräsident im Schloss Bellevue vor dezentem Adventsschmuck und der Deutschlandfahne. Ein Teil der Menschen sei "verunsichert angesichts eines Lebens, das schneller, unübersichtlicher, instabiler geworden ist".

Gerade Weihnachten helfe, den Soldaritätsgedanken neu aufleben zu lassen, sagte Gauck. "Für Christen ist es das Versprechen Gottes, dass wir Menschen aufgehoben sind in seiner Liebe. Aber auch für Muslime, Juden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten ist es ein Fest des Innehaltens, ein Fest der Verwandten und Wahlverwandten, ein Fest, das verbindet, wenn Menschen sich besuchen und beschenken - mit schönen Dingen, vor allem jedoch mit Zuwendung. Wer keine Zuwendung erfährt und keine schenkt, kann nicht wachsen, nicht blühen. In der Sprache der Politik heißt das: Solidarität. In der Sprache des Glaubens: Nächstenliebe. In den Gefühlen der Menschen: Liebe."

In der Festtagsrede blüht immer wieder der Theologe im Bundespräsidenten auf, nicht zuletzt mit einem besonderen Geschenk: "Der Stern aus der Weihnachtsgeschichte führte Menschen einst von fernher zu einem ganz besonderen Ziel - zu einem Menschenkind. Einen solchen Stern wünsche ich jedem in unserem Land. Einen Stern, der ihn zum Mitmenschen, der uns zueinander führt. Mit diesem Wunsch also: gesegnete Weihnachten!"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Klassik-Pop-et cetera

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Griechenland am ScheidewegBleiben die Hellenen in der Eurozone?

Griechische Drachme auf Wörterbuch (imago/McPhoto)

Chaostage in Athen, höchste Anspannung in Brüssel – die Krise um Griechenland hält Europa in Atem. Bleiben die Hellenen in der Eurozone? Und falls nicht: Welche Folgen hätten ein "Grexit" oder ein "Greccident"?

SüdamerikaRückkehr des Papstes auf seinen Heimatkontinent

Papst Franziskus während einer Sondermesse für armenische Katholiken in der Basilika des Petersdomes (picture alliance / dpa / EPA / GIORGIO ONORATI)

Seit seiner Wahl zum Papst im Jahr 2013 wird Franziskus nun seinen zweiten Besuch auf seinem Heimatkontinent antreten und Station in Ecuador, Bolivien und Paraguay machen. In Brasilien sind viele überzeugt, dass sich die katholische Kirche bewege, seitdem Franziskus ihr Oberhaupt ist.

Frage des TagesIst guter Journalismus heute unter Druck?

Zeitungsausschnitt - das Wort Lügen ist in der Schlagzeile zu lesen (Imago / Martin Bäuml Fotodesign)

Lügenpresse, Einseitigkeit, Abhängigkeit - viel Kritik ernten die Medien dieser Tage, nicht zuletzt über die Kommunikationskanäle im Internet. Das ist auch Thema auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche. Medienjournalist Daniel Bouhs spricht über die Zukunft des Journalismus und Mediendemokratie.

Blue EconomyWirtschaftsmodell inspiriert von der Natur

Ein Feld mit Mais, im Hintergrund ein Fluss und eine Viehherde in Simbabwe. (picture-alliance / ZP / Frank Baumgart)

Keine Abfälle und keine Armut, weil Ressourcen so genutzt werden, dass damit die Grundbedürfnisse aller gestillt werden. Das klingt zwar wie Utopie, aber mit dem Wirtschaftsmodell der "Blue Economy" könne es Wirklichkeit werden - davon ist zumindest Begründer Gunter Pauli überzeugt. Ein Pilotprojekt gibt es zum Beispiel in Simbabwe.

Blogger in BangladeschLebensgefährlicher Atheismus

Blumen liegen als Zeichen der Trauer auf einer Straße in der Nähe des Hauses des ermordeten Bloggers Avijit Roy in Dhaka. (pa/dpa/EPA/Abdullah)

Apostasie, der Abfall vom Glauben, führt in einigen islamischen Ländern zum Tod. Der 31-jährige Blogger Asif Mohiuddin wäre beinahe einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. In Bangladesh ist eine freie Meinungsäußerung in Religionsfragen kaum möglich. Nun hat er in Hamburg Schutz gefunden.

Karikaturen im Netz"Charlie Hebdo" geißelt jetzt auch online

Titelseite des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" am 25. Februar 2015 (dpa / picture alliance / Ian Langsdon)

Vier Museen und Galerien für komische Kunst präsentieren eine Ausstellung mit drastischen Karikaturen aus der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" - im Internet. Die digitale Schau zeigt das im Januar so schwer getroffene Blatt in der französischen Tradition des Antiklerikalismus.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Griechenland  Tsipras schwört seine Anhänger auf "Nein" ein | mehr

Kulturnachrichten

"taz"-Chefredakteurin geht zur Deutschen Welle  | mehr

Wissensnachrichten

Produktüberarbeitung  Luftpolsterfolie, die sich nicht mehr knibbeln lässt | mehr